Wirtschaft : Automatischer Notruf für jedes Auto

EU will Neuwagen mit eCall-System ausstatten.

Crashfall. Die EU-Kommissare Tajani (l.) und Kallas brennen für eCall. Foto: dpa
Crashfall. Die EU-Kommissare Tajani (l.) und Kallas brennen für eCall. Foto: dpaFoto: dpa

Brüssel - Schnelle Hilfe beim Crash: Ein automatisches Notrufsystem soll nach Plänen der EU-Kommission künftig bei Autounfällen Leben retten. Ab Oktober 2015 sollen alle neuen Pkw und Nutzfahrzeuge in der EU damit ausgestattet sein, wie die Brüsseler Behörde am Donnerstag bekannt gab. 2500 Tote könnten so pro Jahr in Europa vermieden werden. Die EU-Staaten und das Europaparlament müssen aber noch zustimmen.

Die Technologie namens eCall übermittelt beim Aufprall eines Wagens dessen Standort an den Rettungsdienst. „Die eCall-Technologie hat großes Potenzial, Leben zu retten, weil sie die Interventionszeit der Rettungsdienste dramatisch verkürzt“, erklärte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas, der das System gemeinsam mit dem Industriekommissar Antonio Tajani am Donnerstag in Brüssel vorstellte. „Das System wird einen automatischen Anruf machen, selbst wenn der Fahrer bewusstlos ist.“

Technisch ist das System an den Airbag gekoppelt: Wenn sich beim Crash der Luftsack aufbläst, wird auch eCall aktiv. Die Technik übermittelt dann den Standort, die auf Autobahnen und in Tunneln wichtige Fahrtrichtung und den Fahrzeugtyp an den Rettungsdienst. Zugleich baut es eine Gesprächsverbindung mit der Leitstelle auf. Wer keine Rettung benötigt, kann die Helfer also abbestellen. Außerdem ist ein manueller Notknopf geplant. Fahrer oder Beifahrer können diesen drücken, wenn sie gesundheitliche Probleme bekommen, die nicht durch einen Unfall ausgelöst werden – zum Beispiel einen Herzinfarkt.

Ab Oktober 2015 sollen nach dem Willen der EU-Kommission alle neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge in der EU mit eCall ausgestattet sein. Dafür kämpft die Brüsseler Behörde zwar schon seit langem, bisher gibt es aber keine Verpflichtung für die Autoindustrie, die Geräte einzubauen. Derzeit sind sie eine Ausnahme: Gerade einmal 0,7 Prozent der Fahrzeuge in Europa haben laut EU-Kommission die Technologie an Bord. Hersteller betreiben zum Teil eigene Leitstellen, allerdings nicht in allen EU-Mitgliedstaaten. Deshalb will die EU-Kommission nun einheitliche technische Standards für eCall vorgeben und das System an die unter der Notrufnummer 112 erreichbaren Rettungsleitstellen koppeln. Die Kosten für ein eigenes eCall-System beziffert die Behörde auf etwa 100 Euro je Wagen. dpa

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