Autoversicherungen : Irgendetwas fehlt immer

Wer seine Autoversicherung wechseln will, kann im Internet Tarife vergleichen. Doch das ist mühselig, und mitunter finden Fahrer unterschiedliche Preise für identische Angebote.

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Rechnen lohnt sich. Wer bei einer teuren Versicherung ist, kann durch einen Wechsel mehrere hundert Euro sparen. Verbraucher sollten aber nicht nur auf den Preis schauen, sondern auch auf die Leistung, damit bei einem Unfall auch gezahlt wird. Foto: dapd
Rechnen lohnt sich. Wer bei einer teuren Versicherung ist, kann durch einen Wechsel mehrere hundert Euro sparen. Verbraucher...Foto: dapd

Die Wechselsaison hat begonnen: Um den billigsten Versicherer zu finden, surfen in diesen Wochen wieder Millionen von Autobesitzern im Internet. Bis zum 30. November haben sie Zeit, bei ihrem alten Versicherer zu kündigen und zu einer anderen, günstigeren Gesellschaft zu gehen. Um diese zu finden, füttern sie geduldig die Vergleichsportale im Internet. Doch wie verlässlich ist das, was die Portale am Ende ausspucken? Wir haben einen Kollegen gebeten, den Test zu machen.

DER KFZ-VERSICHERUNGSVERGLEICH

Der Kollege, Golf-Fahrer, seit Jahren unfallfrei unterwegs, hat seine Daten bei drei verschiedenen Internet-Portalen eingetippt – bei Check24, dem Marktführer, bei Transparo und Toptarif. Automatisch hat er damit gleich drei weitere Seiten abgearbeitet. Denn Check24 beliefert Finanzscout24, Transparo arbeitet mit Verivox und Finanzen.de zusammen.

ALLE HABEN LÜCKEN

Obwohl sich die Listen von Check24 und Toptarif ähneln, unterscheiden sich alle Angebote voneinander. Der Grund: Kein Portal erfasst alle Anbieter. Denn die Internetdienstleister finanzieren sich über die Provisionen, die sie für die Versicherungsvermittlung bekommen, und nicht immer stimmen die Vorstellungen des Versicherers mit denen des Portalbetreibers überein. So sucht man bei Check24 vergeblich nach der Huk, dem HDI und der WGV. Diese Versicherer sind Gesellschafter bei Transparo und arbeiten daher exklusiv mit diesem Portal zusammen. Dafür findet man bei Transparo viele andere Anbieter nicht, die bei Check24 mitmachen – darunter Allsecur, die Internet-Versicherung des Allianz-Konzerns, Cosmos Direkt, DEVK und die R+V24. Toptarif, mit rund 30 Versicherern im Angebot das kleinste Portal, muss nicht nur auf die Huk, den HDI und die WGV verzichten, sondern auch noch auf Asstel oder Cosmos Direkt. Für den Kunden heißt das: Um einen Überblick zu bekommen, muss man mindestens zwei Portale nutzen, besser drei. Doch das kostet Zeit und Nerven. „Bei jedem Schritt springen 50 Prozent der Nutzer ab“, weiß Daniel Dodt von Toptarif.

UNTERSCHIEDLICHE PREISE

Verblüffend, wenn am Ende ein- und derselbe Tarif unterschiedlich viel kostet, je nachdem, bei wem man sich durchklickt. So sollte unser Kollege bei Transparo deutlich weniger für die Policen des Direktversicherers Direct Line zahlen als bei Check24 oder Toptarif. Das Phänomen ist bekannt. „Wir haben das auch schon erlebt“, berichtet Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Doch eigentlich dürfte das nicht passieren. „Wir haben überall dieselben Konditionen“, betont Daniel Kreuscher von Direct Line. Und auch bei Transparo räumt man ein, dass man sich, was die Preise angeht, nicht von den Mitbewerbern unterscheidet.

Verbraucherschützer Rudnik führt die Differenzen darauf zurück, dass die Datenabfrage von Portal zu Portal variieren kann. Wenn ein Dienst explizit nach dem Beruf fragt, der andere aber nur danach, ob man angestellt arbeitet oder selbstständig, kann das schon zu Unterschieden führen. Denn je nachdem, welchen Beruf man hat, welches Geschlecht, wo und wie man wohnt, wo das Auto abgestellt wird und wie oft man es nutzt, berechnen die Versicherer ihre Rabatte – und damit letztlich den Beitrag. Konsequenz: Wer sich für einen Versicherer entschieden hat, sollte auf dessen Internetseite die Gegenprobe machen.

WAS MAN SPAREN KANN

Weil die Versicherer rote Zahlen schreiben, versuchen sie, die Beiträge zu erhöhen. Wer bei einem teuren Anbieter unter Vertrag steht, kann durch einen Wechsel eine Menge Geld sparen. Für einen 50-jährigen Audi-Fahrer, der einen umfangreichen Schutz möchte, hat die Stiftung Warentest Preise zwischen 764 und 1501 Euro ermittelt (Finanztest 11/2012). Da sich der Versicherungsbeitrag auch nach dem Wohnort richtet, haben wir Check24 gebeten, das Preisspektrum für Berlin auszurechnen und dabei alle Anbieter, also auch Huk, HDI und WGV, einzubeziehen. Ergebnis: In der Hauptstadt können Fahranfänger bei einem Versicherungswechsel bis zu 730 Euro, Rentner über 420 Euro und Vielfahrer sogar knapp 1300 Euro sparen.

BILLIGTARIFE MIT SCHWÄCHEN

Auf der Suche nach günstigen Angeboten sollte man jedoch nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Leistung achten, raten Verbraucherschützer. So gehören die Basistarife von Direct Line oder Asstel zu den billigsten Angeboten, sie garantieren Kasko-Versicherten aber keine hundertprozentige Kostenübernahme, wenn der Fahrer grob fahrlässig einen Schaden verursacht, warnt die Stiftung Warentest. „Achten Sie darauf, dass Ihr Versicherer auch bei grober Fahrlässigkeit zahlt“, rät auch Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Denn sonst kann der Versicherer einen – beträchtlichen – Teil des Geldes zurückbehalten, wenn man etwa eine rote Ampel überfahren hat, sich zum Kind auf der Rückbank umdreht oder nach nach einer brennenden Zigarette im Fußraum sucht.

WAS MAN SONST NOCH BRAUCHT

Wer einen neuen Wagen fährt, sollte in der Kaskoversicherung unbedingt auf einer Neuwertklausel bestehen, meint Rudnik. Dann gibt es nämlich bei einem Unfall oder Diebstahl für den vereinbarten Zeitraum – sechs, zwölf oder 24 Monate – den Neuwert und nicht nur den geringeren Zeitwert. Bei Marderbissen sollten auch Folgeschäden mit abgedeckt sein, damit die Versicherung nicht nur den durchgenagten Schlauch, sondern auch den kaputten Motor ersetzt. Und: Versichern Sie in der Kasko-Versicherung nicht nur Wildschäden (Haarwild), sondern beziehen sie alle Tiere ein, also auch Hunde und Katzen.

AUF WAS MAN VERZICHTEN KANN

Wer in der höchsten Schadenfreiheitsklasse war (früher: SF 25), hatte früher einen Unfall frei. Er wurde zwar zurückgestuft, musste aber keine höhere Prämie zahlen. Diese – kostenlosen – Rabattretter gibt es heute nicht mehr. Immer mehr Versicherungen arbeiten nämlich bereits mit neuen Staffeln, die bis zur Schadenfreiheitsklasse 35 reichen. Statt des Rabattretters bieten sie gegen einen Aufpreis von zehn bis 20 Prozent den ähnlich funktionierenden Rabattschutz an. Rudnik rät ab: Denn bei einem Wechsel erkennt der neue Versicherer diesen Rabattschutz nicht an.

Sparen kann man sich auch die Mallorca-Police, die den Versicherungsschutz erhöht, wenn man sich im Ausland einen Mietwagen leiht. Denn in den meisten EU-Ländern sind die Versicherungssummen inzwischen angeglichen.

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