Bafin-Chef Felix Hufeld : "Bei den Banken liegt noch einiges im Argen"

Banken haben bei den Geschäftspraktiken noch Nachholbedarf, meint Felix Hufeld, Chef der Finanzaufsicht Bafin. Im Tagesspiegel-Interview spricht er über den Umgang mit den Geldinstituten, die Zukunft der Lebensversicherung und den Brexit.

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Bafin-Chef Hufeld nimmt Pensionskassen in Manndeckung.
Bafin-Chef Hufeld nimmt Pensionskassen in Manndeckung.Foto: Mike Wolff

Herr Hufeld, sind Sie Fußballfan?

Ich bin Fan, aber kein Experte. Mein Herz gehört Mainz 05 und jetzt auch Eintracht Frankfurt.

Dann erklären Sie uns doch mal: Was ist Manndeckung?

In der Finanzaufsicht bedeutet Manndeckung, dass wir mit Unternehmen, bei denen wir auf zu hohe Risiken gestoßen sind, einen intensivierten aufsichtsrechtlichen Dialog starten. Wir prüfen zum Beispiel Zahlen und Daten intensiver, sprechen häufiger mit dem Vorstand und fordern von den Unternehmen konkrete Vorschläge ein, wie die Probleme gelöst werden können.

Sie nehmen einige Pensionskassen in eine solche Manndeckung. Wer muss sich Sorgen machen?

Pensionskassen leiden noch mehr als Lebensversicherungen unter den Niedrigzinsen. Sie haben fast ausnahmslos Rentenversicherungen in ihrem Portfolio. Das Neugeschäft geht zurück, zugleich steigt die Lebenserwartung der Versicherten. Die Pensionskassen sind damit einem erheblichen Mehrfachdruck ausgesetzt. Wir sind seit Jahren mit Pensionskassen und anderen Anbietern von betrieblicher Altersvorsorge im Gespräch, um Stabilität zu schaffen. Wir können das  Problem der niedrigen Zinsen nicht lösen, aber wir können Zeit kaufen.

Indem Betriebsrentner weniger Rente bekommen?

Das ist die einschneidendste Möglichkeit. Es gibt aber noch andere Stellschrauben. Die moderateste ist sicherlich, unrealistische Gewinnerwartungen zu reduzieren.

Wie viele Pensionskassen stehen unter Manndeckung?

Genaue Zahlen nennen wir nicht. Ich kann Ihnen nur sagen: Sowohl bei den Lebensversicherern als auch bei den Pensionskassen ist es eine zweistellige Zahl.

Die Bundesregierung will die Menschen ermuntern, mehr Geld in die betriebliche Altersvorsorge zu stecken. Blöd, wenn jetzt die Pensionskassen schwächeln und Probleme bekommen.

Der gesamte Markt schwächelt. Unter dem extremen Niedrigzinsumfeld leidet jeder, der auf Zinserträge angewiesen ist. Die betriebliche Altersvorsorge ist und bleibt ein wichtiger Baustein in der Vorsorge. Und was heißt Probleme?

Zahlungsunfähigkeit. Pleite.

Unsere Manndeckung setzt weit, weit früher an, nämlich schon dann, wenn die Anbieter nicht mehr exakt das liefern können, was sie versprochen haben. Wir schreiten auch dann ein, wenn Versicherer 100 Euro monatlich versprochen haben, aber nur noch 99 Euro zahlen können.

Gibt es Unternehmen, die aktuell die Garantieverzinsung nicht mehr schaffen?

Kurzfristig und mittelfristig gibt es keinen solchen Fall, aber Lebensversicherer müssen ihre Verpflichtungen auch noch in 20 oder 30 Jahren erfüllen können. Auf lange Sicht kann es in einzelnen Fällen knapp werden. Pensionskassen haben ein anderes Geschäftsmodell; die Sache sieht hier anders aus. In aller Regel haften hier die Arbeitgeber und müssen finanziell einspringen, um die Lücke zu füllen.

So lange die Wirtschaft gut läuft, mag das gehen. Aber was ist, wenn der Abschwung kommt?

Die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft ist ein wichtiger Punkt. Sollte sie schwächeln, haben wir ein anderes Spiel.

Im nächsten Jahr soll der Garantiezins von 1,25 Prozent auf 0,9 Prozent sinken. Warum schafft man ihn nicht gleich ganz ab?

Der Garantiezins ist das Maximum dessen, was Versicherer ihren Kunden garantieren dürfen. Er verhindert unrealistische Garantieversprechen und einen ruinösen Wettbewerb. Darüber sind wir froh. Angesichts der neuen europäischen Aufsichtsregeln von Solvency II wird aber 2018 überprüft, ob der Garantiezins weiterhin gebraucht wird oder nicht.

Würden Sie Ihrem Nachbarn oder einem Freund heute noch empfehlen, eine Lebensversicherung abzuschließen?

Wenn es ihm darum geht, sich für das Alter abzusichern, durchaus! Wer zahlt Ihnen denn sonst schon einen festen Betrag bis an Ihr Lebensende, d.h. sichert, wie wir es in unserer nüchternen Sprache sagen, das Langlebigkeitsrisiko ab? Wenn allerdings die Geldanlage im Vordergrund steht, gibt es viele Produkte, die mindestens gleich gut sind.

Würden Sie auch zur Riester-Rente raten? Ist das Geld da gut angelegt?

Eine pauschale Verdammung von Riester ist völlig unangebracht und nicht zu begründen. Man kann natürlich Dinge verbessern. Die Riester-Produkte sind sehr kompliziert, aber im Kern ist der Gedanke einer staatlich geförderten privaten Altersvorsorge richtig, und Riester hat sich insoweit bewährt.

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