Wirtschaft : Bahnfahrer müssen weiter schwitzen

Berlin - Die große Hitze ist vorerst vorbei, doch das bedeutet für Bahnfahrer keine Entwarnung. Noch immer droht der Ausfall von Klimaanlagen, sobald die Temperaturen deutlich jenseits der 30-Grad-Schwelle liegen. „Die Klimaanlagen verhalten sich so, wie wir es erwartet haben“, bekennt vielsagend Ulrich Homburg, Personenverkehrs-Vorstand der Deutschen Bahn. Am Dienstag musste das Unternehmen nach eigenen Angaben sechs Fernzüge aus dem Verkehr ziehen, weil die Klimaanlagen kollabiert waren. Details zu den Problemen am Mittwoch und Donnerstag legt die Bahn nicht mehr vor. „Wir reden über Zahlen kleiner als zehn“, sagte Homburg nur, „die uns aber nicht zufriedenstellen.“ Allerdings seien pro Tag 1350 Fernzüge unterwegs.

Das Problem ist größer, als die Bahn zugibt. Auf ihren Facebook-Seiten etwa ist die Aufregung groß. „Kostenlose Sauna, hey welch Service“, schreibt Dennis Stöbsand. „Da stehe ich künftig doch lieber im klimatisierten Auto im Stau“, beschwert sich Sabine Laun. Und Iris Demand schlägt den Einbau von Tauchbecken oder Schwallduschen vor. „Diese könnte man hervorragend in die Bereiche der nicht öffnenden Türen integrieren!“

Schuld sind vor allem die im Schnitt 40 Jahre alten IC-Wagen. 770 Stück besitzt die Bahn. Hier sind die Klimaanlagen besonders anfällig, zumal bei vollen Zügen. Fällt in einem Wagen die Kühlung aus, bittet die Bahn ihre Kunden, andere Plätze zu nutzen. Erst wenn sich im gesamten Zug Hitze ausbreitet, müssen die Fahrgäste aussteigen. „Sie werden dann umgeleitet“, sagt Homburg. Für die IC-Klimaanlagen fehlen Ersatzteile, zudem gibt es 40 verschiedene Bauarten. Die „Grundstruktur“ lässt sich laut Homburg ohnehin nicht verändern, das lohnt offenbar nicht mehr.

Entwarnung gibt es beim ICE 2. Hier wurden bei fast allen 44 Zügen die Klimaanlagen leistungsfähiger gemacht. Beim ICE T und beim ICE 3 laufen die Maßnahmen noch. Besser wird es erst, wenn die Industrie neue Züge liefert – 16 „Velaro“ von Siemens stehen aus, dazu 27 Doppelstock-Züge von Bombardier. Bei denen sei dann die Kühlung für die Klimazone eins ausgelegt – „das ist Südeuropa und Nordafrika“, sagt Homburg. Der ICX, das neue Rückgrat im Fernverkehr, soll Ende 2017 kommen. Es fehle an Reserven, klagt der Manager, „wie im Winter“. Die Alternative sei, das Angebot im Fernverkehr zu verkleinern. „Das wollen wir nicht.“ brö

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