Bausparkasse : Wüstenrot prüft angebliche Lustreise von Mitarbeitern

Im Frühjahr brachte eine Sexreise für Mitarbeiter nach Budapest den Versicherungskonzern Ergo in Erklärungsnot. Nun ist es der Bausparer Wüstenrot - und das Ziel der Reise: Rio de Janeiro.

Sönke Iwersen
War es nur ein Tanzlokal, das die Wüstenrot-Mitarbeiter besuchten?
War es nur ein Tanzlokal, das die Wüstenrot-Mitarbeiter besuchten?Foto: dpa

Es war kurz nach Mitternacht, als der weiße Reisebus mit den besten Wüstenrot-Vertretern des Jahres vor das Barbarella an der Copacabana rollte. Monatelang hatte die Führung des Finanzdienstleisters ihre Verkaufstruppe angestachelt. Wer sich richtig ins Zeug legte, sollte etwas erleben, was er so schnell nicht wieder vergessen würde. In der Nacht zum 30. April 2010 war es dann so weit.

"Die Bustüren gingen auf und etwa die halbe Gruppe stieg aus, inklusive Bereichsleiter und Direktoren", berichtet ein Teilnehmer. "Ich habe nur gedacht: Das kann ja wohl nicht sein, dass uns die Wüstenrot hier zum Puff kutschiert." Wüstenrot, gegründet 1921, ist die älteste Bausparkasse Deutschlands. Die große Tradition wird sorgsam gepflegt.
"Das Ansehen und der Ruf eines Unternehmens sind genauso erheblich für den wirtschaftlichen Erfolg wie die Qualität seiner Produkte", heißt es im Verhaltenskodex von Wüstenrot. "Um eine maximale Professionalität und Integrität zu erreichen, sind Sie gehalten, Ihr Auftreten einer ständigen Eigenkontrolle zu unterziehen. Das Auftreten ist Ihr Aushängeschild und wirkt sich somit auch auf das Ansehen des Unternehmens aus, das Sie repräsentieren."

So weit der Anspruch. In der Praxis jedoch benahmen sich einige Führungskräfte wie Rockstars auf Tournee. "Auf den Hotelfluren war ein munteres Treiben", erzählt ein Teilnehmer der Rio-Reise. "Die brasilianische Polizei griff einen unserer Direktoren nachts im Beisein einer Prostituierten am Strand auf."

Das Handelsblatt fragte bei Wüstenrot nach, wie die Bausparkasse dieses Führungsverhalten erklärt. Der Konzern schaltete umgehend die Revision ein. Dabei stellte sich zunächst Erleichterung ein. Teilnehmer der Reise erzählten der Zentrale, sie seien zwar im Barbarella gewesen. Es handele sich dabei aber lediglich um ein Tanzlokal.

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