Wirtschaft : Bayer spart sich gesund

Kostensenkungen verhelfen dem Pharmageschäft zu mehr Gewinn. Die Kunststoffsparte schwächelt

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Ziel im Blick.
Ziel im Blick.Foto: dapd

Berlin – „Das war ein gutes Quartal für Bayer“, sagte Marijn Dekkers am Donnerstag in Leverkusen. Der Vorstandschef des Pharma- und Chemiekonzerns präsentierte bei der Quartalsbilanz höhere Umsätze und Gewinne und erfreute damit die Anleger: Die Bayer-Aktie legte im Dax um mehr als sieben Prozent zu – obwohl die Kunststoffsparte schwächelt.

Im dritten Quartal steigerte Bayer seinen Umsatz währungs- und portfoliobereinigt um knapp fünf Prozent auf 8,67 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) stieg um 8,5 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro.

Besonders erfolgreich war die Pflanzenschutzsparte. Sie ist neben Gesundheit und Kunststoff die dritte Säule des Konzerns. Hier legte der Umsatz um fast zehn Prozent zu, das Ebitda vor Sondereinflüssen gar um knapp 50 Prozent. Das „günstige Marktumfeld mit hohen Preisen für Agrarrohstoffe“ beflügele das Geschäft, sagte Dekkers. Dagegen sank in der Kunststoffsparte der Gewinn. Zwar konnte Bayer vor allem in Europa und Amerika die Preise für einige Produkte erhöhen, jedoch reichte das nicht, um die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten zu kompensieren. Zudem spüre Bayer, dass sich das Konstruktionsgeschäft in China abschwäche, sagte Dekkers.

In der Gesundheitssparte, die das Pharmageschäft und den Bereich Consumer Health umfasst, legte der Umsatz nur leicht auf 4,2 Milliarden Euro zu (plus 1,6 Prozent), das Ebitda vor Sondereinflüssen stieg um neun Prozent auf 1,23 Milliarden Euro. Der Gewinnanstieg beruhe aber „vor allem auf dem erfolgreichen Kostenmanagement bei Pharma“, schränkte Dekkers ein. Das Sparprogramm, das neben Veränderungen in der Organisation des Geschäfts auch Stellenstreichungen vorsieht, zeige erste Erfolge. In der Gesundheitssparte sollen bis Ende 2012 deutschlandweit 700 Stellen wegfallen. 500 davon seien bereits identifiziert, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Wie stark Berlin als Sitz des Pharmageschäfts betroffen sein wird, ist offen.

Das Pharmageschäft stagnierte im dritten Quartal nahezu. Selbst steigende Erlöse in Asien und in Lateinamerika konnten die Umsatzrückgänge in Europa und den USA kaum ausgleichen. So setzte das Unternehmen von Juli bis September 2,663 Milliarden Euro um – 0,3 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. In den USA leidet Bayer unter Generikakonkurrenz bei seinen umsatzstarken Yaz-Verhütungspillen. „Unter anderem belasten uns weiterhin die Gesundheitsreformen, vor allem in Nordamerika und Europa“, sagte Dekkers. Das Ebitda vor Sondereinflüssen stieg im dritten Quartal jedoch um 15 Prozent auf 853 Millionen Euro – unter anderem wegen der Kostensenkungen im Zuge des Sparprogramms.

Um den Umsatz im Pharmageschäft wieder anzukurbeln, setzt Bayer auf seinen Gerinnungshemmer Xarelto. Dem Mittel zur Schlaganfallprävention trauen die Leverkusener Jahresumsätze von bis zu zwei Milliarden Euro zu. Im November will die US-Arzneimittelbehörde FDA über die Zulassung der Arznei entscheiden, im Dezember die EU-Kommission. Jahel Mielke

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