Wirtschaft : Bechstein kann nur 50 Prozent der Aktien verkaufen

Klavierbauer will sein Kapital erhöhen und gibt 640 000 neue Papiere aus / Nun wird ein weiterer strategischer Partner gesucht

Anselm Waldermann

Berlin - Der traditionsreiche Berliner Klavierbauer C. Bechstein kann nicht so viele neue Aktien verkaufen wie geplant. Bei der seit Montag vergangener Woche laufenden Kapitalerhöhung wurden bisher rund 50 Prozent der angebotenen Anteile platziert, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl Schulze im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Er erwarte nicht, dass alle Aktien an den Mann gebracht werden können. „Wir gehen davon aus, dass wir wenigstens 50, vielleicht auch 60 oder 70 Prozent der angebotenen Anteile platzieren werden“, sagte Schulze.

Bechstein gibt derzeit 640 000 neue Aktien zu einem Preis von sieben Euro aus. Seit Beginn der Kapitalerhöhung sank der Kurs der Aktie von 7,23 zeitweise auf 6,90 Euro. Die Zeichnungsfrist läuft bis diesen Freitag. Um das deutsche Gewicht im Unternehmen zu stärken, beteiligt sich der Hauptaktionär, der südkoreanische Samick-Konzern, nicht an der Erhöhung. Sein Anteil soll dadurch von 57 Prozent auf bis zu 40 Prozent sinken.

Dass nicht alle neuen Aktien einen Käufer finden, beunruhigt Schulze nicht. „Es wäre gut für uns, wenn wir einen Teil für weitere strategische Partner frei behalten würden.“ Er gehe davon aus, dass Bechstein in den kommenden zwei Jahren eine Kooperationsfirma finden werde, die dem Unternehmen bei der Absatzsicherung zur Seite steht. „Solch einen Partner in Form von Aktien einzubinden, ist natürlich die eleganteste Lösung“, sagte Schulze. Dafür stünden nach der Kapitalerhöhung noch 200 000 oder mehr Aktien zur Verfügung, was einem Anteil von gut zehn Prozent entspreche.

Die Bedeutung von Samick als größtem Aktionär bleibe davon allerdings unberührt. „Das ist zurzeit klar festgelegt und soll auch so bleiben“, sagte Schulze. „Die strategische Partnerschaft, die wir haben, ist gültig.“

Das neue Kapital möchte Bechstein für den Aufbau von Werken in Shanghai und im tschechischen Hradec Králové sowie für den Ausbau des Vertriebsnetzes nutzen. So sollen in Shanghai ab April 2005 jährlich 1200 bis 2000 Klaviere und Flügel für den chinesischen Markt gebaut werden. Und in Tschechien sollen 50 Mitarbeiter Vorprodukte für die Mittelklasse-Produktreihe „Bechstein Academy“ herstellen. „Das, was wir vorher von Zulieferern bekommen haben, nehmen wir jetzt in die eigene Hand“, erklärte Schulze. Teilweise würde dadurch die Arbeit von Lieferanten aus Asien wieder nach Europa verlagert.

Für die rund 240 Mitarbeiter in Deutschland ergäben sich durch das Engagement in Tschechien keinerlei negative Folgen. Feste Beschäftigungszusagen wollte Schulze allerdings nicht machen: „Wir hüten uns, Garantien zu geben“, sagte er.

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