Berlin Investment Forum : Anleger hoffen auf grünes Wirtschaftswunder

Immer mehr Investoren wollen ihr Geld klimafreundlich anlegen und daran gut verdienen. Vertreter aus der Energiewirtschaft sind skeptisch.

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Immer mehr Anleger wollen nicht mehr in fossile Energieträger investieren.
Immer mehr Anleger wollen nicht mehr in fossile Energieträger investieren.Foto: dpa

Es ist eine kleine Zahl mit großer Wirkung. Auf 1,5 Grad wollen die Staaten die Erderwärmung nach Möglichkeit begrenzen, um den Klimawandel einzudämmen. So sieht es der Weltklimavertrag von Paris vor. Erreichen werden sie das nur, wenn Konzerne weniger CO2 ausstoßen und mehr Energie aus Erneuerbaren gewinnen. Doch dieser Umbau kostet. Bis 2030 müssten weltweit 93 Billionen Dollar investiert werden, rechnete Jeremy Oppenheim von der Initiative New Climate Economy am Montag beim Berlin Investment Forum des Tagesspiegels vor. Für Anleger sei der Klimapakt so gesehen eine einmalige Gelegenheit: „Wenn es gut gemacht wird, ist das die größte Anlagechance unserer Zeit“, sagte Oppenheim vor rund 200 Gästen im Verlagsgebäude.

So wie er denken mittlerweile auch immer mehr Investoren. Sie sind überzeugt ihr Geld gewinnbringend anlegen zu können und gleichzeitig Gutes fürs Klima tun zu können. So steigt die Zahl derjenigen, die auf das sogenannte Divestment setzen und ihre Gelder aus Kohle, Öl und Gas abziehen. Bereits jetzt haben sich 500 Organisationen und Anleger mit Geldern in Höhe von 3,5 Billionen Dollar öffentlich zum Divestment bekannt. Einer von ihnen ist der Berliner Investor Jochen Wermuth. Er investiert bewusst nicht mehr in fossile Energieträger. Stattdessen steckt er das Geld in junge Firmen, die besonders ressourceneffizient arbeiten. Wermuth ist überzeugt: „Wir erleben gerade ein grünes Wirtschaftswunder.“

Er ist damit einer der Optimisten. Stephan Reimelt, Chef von GE Europe, sieht die Entwicklung hingegen etwas anders. Er meinte am Montag, Deutschland könne mit seiner Energiewende nicht per se als Vorbild herhalten. Dafür seien die Erneuerbaren noch immer viel zu stark von Subventionen abhängig – die könnten sich viele andere Staaten gar nicht leisten. Noch deutlicher wurde Armin Sandhövel vom Vermögensverwalter Allianz Global Investors: „Es ist nicht die Aufgabe der Finanzindustrie die Klimaziele zu erfüllen“, sagte er. Selbst aus der Politik kommen vorsichtige Worte. Die Einigung von Paris sei ehrgeizig, sagte Rainer Baake, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Es fehlten noch passende Instrumente, um sie umzusetzen.

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