Berlin wird zum Hotspot : Das Gratis-W-Lan kommt

Kostenloses Surfen für alle ab Sommer 2016: Das soll in der Hauptstadt Wirklichkeit werden. Der Senat hat es jetzt schriftlich.

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Berliner und Touristen bekommen nach mehreren Anläufen in der Stadt Zugang zum Internet.
Berliner und Touristen bekommen nach mehreren Anläufen in der Stadt Zugang zum Internet.Foto: Andrey Popov Fotolia

Berlin - Freies W-Lan für alle – bisher war das in Berlin ein schöner Traum. Verschiedene Anläufe des Senats waren in den vergangenen Jahren gescheitert, jetzt hat es endlich geklappt. Am Mittwoch wurde der Vertrag mit dem Anbieter „Abl Social Federation“ unterschrieben, einem Start-up aus Fürth. Abl versorgt Events und Kongresse mit W-Lan, aber auch Flüchtlingsheime, etwa in Baden-Württemberg.

Berlin gibt eine Anschubfinanzierung von 170 000 Euro und erhält dafür 6500 Hotspots, also W-Lan-Zugangspunkte mit einem Radius von maximal 250 Metern. Die Hotspots werden vor allem an öffentlichen Gebäuden in der Innenstadt angebracht. Außerdem haben alle Bezirke Listen mit ihren Prioritäten eingereicht. Der Denkmalschutz hatte sich lange gegen solche W-Lan-Antennen an Fassaden historischer Gebäude wie dem Roten Rathaus gewehrt. Die Geräte würden farblich an die Fassaden angepasst, versichert Abl–Gesellschafter Nils Jahn, der das Berliner Projekt verantwortet.

Erstmal läuft Werbung ab

Der Vertrag gilt zunächst für zwei Jahre, anschließend würde Abl gerne verlängern und das Netz ausbauen, erklärt Jahn. Die Investitionen sollen sich vor allem über Werbeeinnahmen amortisieren; kurze Videos sollen abgespielt werden, bevor das Surfen im Internet beginnt. Jahn sieht öffentliches W-Lan als ein neues Medium, das ähnlich wie Youtube kulturelle Angebote mit Werbung verknüpft.

Bis zum Sommer sollen die meisten Zugangspunkte in Betrieb gehen, ein flächendeckendes Netz wird sich aber daraus kaum knüpfen lassen. Die Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus reagiert denn auch verhalten auf das neue Angebot – „kein großer Wurf“, sagt Abgeordneter Simon Weiß. Ein Stück „Daseinsvorsorge“, argumentiert der stellvertretende Senatssprecher Bernhard Schodrowski. Der Stadtmöblierer Wall hatte dem Senat angeboten, ein werbefreies W-Lan-Netz aufzubauen, war damit aber nicht durchgedrungen. Auch ein Angebot der Freifunk-Initiative, die private Hotspots für eine allgemeine Nutzung verbindet, überzeugte den Senat nicht.

Für Flüchtlinge ist das Angebot essenziell

In Zeiten günstiger Flatrates für mobiles Surfen, ergänzt durch Angebote in Cafés und Museen, erscheint ein kostenloses W-Lan für alle kaum noch zeitgemäß. Doch Jahn ist überzeugt, dass Touristen, die im Ausland ihre Flatrate nicht nutzen können und Jugendliche mit schmalem Budget gerne auf diesen Service zurückgreifen werden. Zumal keine Begrenzung der Download-Datenmenge geplant ist, wie bei Flatrates bislang üblich. Für Flüchtlinge ist freies W-Lan derzeit essenziell, deshalb sorgen die Betreiber von Unterkünften in der Regel für ein entsprechendes Angebot.

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