Berliner Flughäfen sollen wegen BER-Verschiebung zahlen : Air Berlin sucht überall frisches Geld

Air Berlin hat massive Geldprobleme, die Berliner Flughäfen sollen wegen der BER-Verschiebung zahlen. Mehr als 100 Millionen Euro will die Airline haben. Auch die Kundendaten aus dem Vielfliegerprogramm sind offenbar schon so gut wie verkauft - Bedenken von Datenschützern teilt man nicht.

von und Kevin P. Hoffmann
Klagegrund. Wäre BER offen, würden neue Oneworld-Airlines nach Berlin kommen und Air Berlin neue Kunden bescheren, argumentiert die Gesellschaft. Foto: dapd
Klagegrund. Wäre BER offen, würden neue Oneworld-Airlines nach Berlin kommen und Air Berlin neue Kunden bescheren, argumentiert...Foto: dapd

Nachdem Air Berlin den Sparkurs verschärft hat und so die Ausgaben senkt, versucht die Fluggesellschaft nun auch die Einnahmenseite kräftig zu steigern. So beziffert die Gesellschaft jetzt erstmals indirekt die Schadenersatzforderungen an die Berliner Flughäfen für die verzögerte Eröffnung des neuen Flughafens BER auf mindestens 100 Millionen Euro. Das wäre deutlich mehr als das Dreifache des vom Potsdamer Landgericht nun festgestellten Streitwertes in Höhe von 30 Millionen Euro.

Diese 30 Millionen seien „nur der Anfang“, sagte Air Berlins Vertriebsvorstand (CCO) Paul Gregorowitsch am Dienstagabend bei einem Pressetermin auf Einladung der Air-Berlin-Tochter Niki in Istanbul. Wenn man am Ende alles zusammenrechne, werde es „nicht bei einem zweistelligen Millionenbetrag bleiben“.

Durch die geplatzte BER-Eröffnung im Juni habe Air Berlin gemeinsam mit der Oneworld-Allianz, der man im Frühjahr beigetreten war, in der Hauptstadt nicht so wie geplant wachsen können, sagte er. Die wiederholte Verschiebung der Eröffnung des neuen Flughafens sei „eine totale Katastrophe und eine Beleidigung für das deutsche Image von Zuverlässigkeit“.

Partner-Airlines wie American, Cathay (Hongkong) oder Qantas (Australien), die Berlin bereits im Visier hatten, würden nicht alternativ zum BER nach Tegel fliegen, was Air Berlin zusätzlich Geld koste.

Neben Air Berlin hat bisher nur die Deutsche Bahn den entstandenen Schaden durch die verschobene Flughafeneröffnung grob beziffert. 34 Millionen Euro seien bisher aufgelaufen. Jeden Monat kämen zwei Millionen Euro hinzu, sagte ein Bahn-Sprecher.

Lufthansa teilte am Mittwoch mit, man könne den Schaden noch nicht beziffern und prüfe noch, ob man ebenfalls Klage einreicht. Noch rede man mit dem Flughafenbetreiber, sagte ein Sprecher.

Lange bevor das Gericht über Schadenersatz entscheidet, kann Air Berlin mit zusätzlichen Einnahmen aus dem vergangene Woche angekündigten Verkauf des Vielfliegerprogramms „Topbonus“ rechnen. Dort werden die Daten von mehr als drei Millionen Kunden verwaltet. Trotz der Bedenken von Datenschützern soll das Geschäft noch in diesem Jahr abgewickelt werden, stellte Gregorowitsch klar. Auch der Käufer soll schon feststehen. „Der Deal ist da“, sagte er.

Aus börsenrechtlichen Gründen könne man den Käufer und die Kaufsumme noch nicht nennen, sagte er weiter. Es gehe aber um „einen ziemlich hohen Betrag“, mit dem Air Berlin die Bilanz stärken, das Eigenkapital steigern und das Wintertief ausgleichen wolle. „Topbonus“ werde „Teil eines Größeren“ werden und den Kunden „nur Verbesserungen“ bringen, sagte der Vorstand.

Da Air Berlin beteiligt bleibe und die Kundeninfos „nicht an ein großes Datenbüro“ gegeben würden, erwarte man keine rechtlichen Probleme. „Das ist alles juristisch überprüft“, sagte Gregorowitsch.

Was die Ausgabenseite angeht, verwies der Manager in Istanbul auf den jetzt notwendigen Arbeitsplatzabbau im Rahmen des neuen Sparprogramms. Diesbezüglich wurden Gespräche mit den Betriebsräten aufgenommen. „Wir müssen den Overhead in der Verwaltung abbauen“, erklärte er. Wie viele Mitarbeiter gehen müssen, stehe noch nicht fest. Zunächst solle versucht werden, angesichts vieler befristeter Verträge die Reduktion über einen „natürlichen Abbau“ zu erreichen. 2012 sei ein „Übergangsjahr“, Ziel bleibe, dass die Firmengruppe 2013 einen operativen Gewinn erziele.

Gregorowitsch bekannte sich klar zum Verbleib von Air Berlin im Airline-Bündnis. „Wir sind Oneworld verpflichtet, und wir bleiben in Oneworld.“ Daran ändere weder der Einstieg des bündnisfreien Anteilseigners Etihad noch die Kooperation mit der Air France/KLM- Gruppe etwas. Die Zusammenarbeit sei von beiden Allianzen genehmigt worden. Die Mitgliedschaft bei One World habe Air Berlin 305 000 zusätzliche Passagiere beschert.

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