Wirtschaft : Berliner Kammerspiele

IHK-Präsident Eric Schweitzer ist wiedergewählt - und erwägt den Wechsel zum DIHK.

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Geschafft. Eric Schweitzer (rechts) freut sich nach seiner Wahl mit Handwerkspräsident Stephan Schwarz (mitte) und Charité-Chef Karl Max Einhäupl, die beide der Vollversammlung der Kammer angehören. Foto: Michael Brunner/Davids
Geschafft. Eric Schweitzer (rechts) freut sich nach seiner Wahl mit Handwerkspräsident Stephan Schwarz (mitte) und Charité-Chef...Foto: DAVIDS

Berlin - Das Ergebnis kann sich sehen lassen, aber die Anspannung ist Eric Schweitzer auch am Tag danach noch anzusehen. Mit 87,7 Prozent hatte die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Schweitzer am Mittwoch als IHK-Präsidenten wiedergewählt. Am Donnerstagabend resümierten Schweitzer und IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder das Drumherum der Wahl und warfen einen Blick nach vorn. Schweitzer führt die Kammer im Ehrenamt seit 2004 und musste sich nun erstmals mit einem Gegenkandidaten auseinandersetzen, dem Steuerberater Rainer Janssen von der Vereinigung „Pro KMU“ (kleine und mittlere Unternehmen), die sich kritisch mit den Kammern und der Pflichtmitgliedschaft auseinandersetzen. Mit einstweiligen Verfügungen habe man sich gegen „ehrabschneiderische Vorwürfe“ wehren müssen, sagte Schweitzer. Am Ende hatte sein Gegner dann keine Chance. Und nun blickt Schweitzer nach vorn. In den November, wenn beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ein neuer Präsident nominiert wird.

Der Miteigentümer der Berliner AlbaGruppe, Jahrgang 1965, ist Kandidat, vermutlich sogar Favorit. Er habe sich noch nicht entschieden, ob er überhaupt wolle, so Schweitzer. Schließlich gebe es dann „in den nächsten zwei bis drei Jahren kein Privatleben“. Alles in allem überwiegt aber wohl der Reiz des bundespolitisch bedeutsamen Amtes. „Das wäre gut für Berlin“, sagt Schweitzer, der nach Franz von Mendelssohn in den 1920er Jahren der zweite Berliner an der Spitze dieses Bundesverbandes ist.

Für Berlin sehen Schweitzer und Eder in den kommenden Jahren vor allem drei Handlungsfelder. Erstens Pflege und Ausbau der IT und Kreativwirtschaft; mit 6000 Firmen und 80 000 Arbeitnehmern liege Berlin in diesem Bereich hinter dem Silicon Valley, Tel Aviv und Singapur weltweit auf dem dritten Platz. Zweitens eine bessere Nutzung der Wissenschaft durch die Wirtschaft, unter anderem auch auf dem künftigen Industriestandort Tegel. Um das Areal des Flughafens zu entwickeln, werden nach Einschätzung der Kammerchefs nicht weniger Mittel gebraucht als für Adlershof in den vergangenen 20 Jahren: 1,3 Milliarden Euro.

Schließlich und drittens das Problem des Fachkräftemangels, „für die Firmen das A-Thema“, wie Schweitzer formulierte. Die Wirtschaft strebe hier eine Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur, mit Politik und Gewerkschaften an. Auch im Rahmen des Masterplan Industrie mit seinen 34 Projekten. Ebenso wie zuletzt die IG Metall plädierten Eder und Schweitzer für eine professionelle Arbeitsstruktur, also hauptamtlichen Betreuern der Masterplan-Projekte. Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz hat sich bislang an diesem Thema weniger interessiert gezeigt. Schweitzer und Eder sind gewissermaßen die Erfinder der parteilosen Senatorin, die von 1997 bis 2004 für die IHK gearbeitet hat und danach zum DIHK wechselte.

Eder ist per Du mit Obernitz und sitzt mit ihr im Aufsichtsrat der landeseigenen Messe Berlin. Im Streit um die Führung des Unternehmens ist das Verhältnis von Obernitz zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Messegesellschaft, Hans-Joachim Kamp, vermutlich irreparabel beschädigt. Bei der Messe ist inzwischen von einer „Schlammschlacht“ die Rede. Obernitz hatte eine Personalberatung beauftragt, einen Nachfolger für Messechef Raimund Hosch zu suchen. Das Ergebnis einer ersten Suche, die von Kamp in Auftrag gegeben und von einer anderen Personalagentur durchgeführt worden war, hatte von Obernitz nicht zufrieden gestellt, weil eine Frau erst auf dem dritten Platz auftauchte. Noch mehr geärgert hatte sich Obernitz aber über den Zweitplatzierten, Christian Göke. Der ist seit 2000 bei der Messe und rechnet sich als Vizechef gute Chancen auf den Hosch- Posten aus. Kamp ist für Göke, Obernitz dagegen. Eine prekäre Konstellation.

Das Land Berlin als Eigentümer der Messe kann den Aufsichtsratsvorsitzenden Kamp abberufen. Das gilt derzeit als wahrscheinlich, auch wenn Obernitz am Freitag bekräftigte, ihr sei „daran gelegen, dass das Land mit dem Aufsichtsrat und seinem Vorsitzenden zu einer konstruktiven Lösung kommt“. Wie viel dieser Satz wert ist, wird sich am 20. September zeigen. Dann trifft sich der Aufsichtsrat der Messe unter der Leitung von Kamp. Seine Stellvertreterin, Sybille von Obernitz, wird auch zugegen sein.

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