Berliner Kunstszene : Museen und Galerien steigern Umsatz und schaffen Jobs

Für Touristen und Einheimische sind die Museen und Kunsteinrichtungen in Berlin ohnehin nicht wegzudenken. Nun zeigt eine neue Studie, dass die Berliner Künstler auch ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt geworden sind.

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Aufwärtstrend. Die Berliner Museen und Galerien sind auch ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Foto: dapd
Aufwärtstrend. Die Berliner Museen und Galerien sind auch ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt.Foto: dapd

Larry Clarks Bilder zeigen „jugendliche Schönheit, Sexualität und drogeninduziertes Treiben“, schreiben die Macher von C/O Berlin. Bewusst spielt der amerikanische Fotograf mit Tabus, lichtet zum Beispiel eine Schwangere ab, die sich gerade Drogen spritzt. Mit Clarks provokanten Bildern zieht die Fotogalerie C/O Berlin in Mitte täglich im Schnitt 480 Besucher an – 300 würden schon reichen, um die Kosten der Ausstellung zu decken.

Museen, Galerien und Ausstellungsräume wie C/O Berlin stärken die Wirtschaftskraft der Hauptstadt. Das zeigt eine am Montag von der Investitionsbank Berlin (IBB) veröffentlichte Studie. Demnach ist die Zahl der Ausstellungsbesucher in Berlin von 2002 bis 2010 um sechs Millionen gestiegen – ein Plus von 73 Prozent. Bundesweit ist die Zahl derjenigen, die eine Ausstellung besucht haben, im gleichen Zeitraum lediglich um acht Prozent gewachsen. Der Besucherzuwachs hat zur Folge, dass die Umsätze der Museen und Galerien in der Stadt steigen: 2010 setzen sie 263,2 Millionen Euro um, 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Den größten Teil tragen die kommerziellen Kunstgalerien bei: Sie machten 2010 mit dem Verkauf von Kunstwerken 193,3 Millionen Euro Umsatz. Auch wenn es für das vergangene Jahr noch keine amtlichen Zahlen gibt, geht die IBB davon aus, dass die Berliner Galerien 2011 ihre Erlöse weiter auf mehr als 200 Millionen Euro steigern konnten.

Auch wenn die Galerien und Museen nur für einen Bruchteil der Berliner Wirtschaftskraft verantwortlich sind – insgesamt werden jährlich in Berlin Waren und Dienstleistungen im Wert von mehr als 90 Milliarden Euro erwirtschaftet – haben sie dennoch eine hohe Bedeutung für die Stadt. „Die Museen ziehen viele Touristen nach Berlin, die hier mehr Geld ausgeben als die reinen Eintrittspreise“, sagt IBB-Volkswirt Claus Pretzell. Es entstehe ein Multiplikatoreffekt: Wer zum Beispiel die Larry-Clark-Ausstellung besucht, trinkt nicht selten anschließend einen Kaffee in einem der Cafés an der Oranienburger Straße, geht in der Nähe essen oder streift durch die Geschäfte am Hackeschen Markt. Die Statistik zeigt: Wer nur einen Tag in der Stadt bleibt, gibt im Schnitt 36 Euro aus – Touristen, die hier auch übernachten, 196 Euro.

Allein durch die 180 000 Menschen, die jedes Jahr die Fotoausstellungen von C/O Berlin besuchen, entsteht eine zusätzliche Kaufkraft von 6,43 Millionen Euro, hat die IBB errechnet. Dadurch könnten in den kommenden fünf Jahren allein durch C/O Berlin in der näheren Umgebung 69 neue Arbeitsplätze geschaffen und das Bruttoinlandsprodukt jährlich um weitere 10,45 Millionen Euro gesteigert werden. „Das zeigt, dass selbst kleine Kulturprojekte durchaus eine Wirkung entfalten können“, sagt Pretzell.

Ein weiterer Effekt: Die Zahl an Museen und Galerien steigert die Attraktivität der Stadt – nicht nur für Touristen. „Kulturelle Einrichtungen erhöhen den Freizeitwert“, folgern die Banker aus ihrer Analyse. Museen und Galerien spielten daher auch bei der Wahl des Wohnorts eine wichtige Rolle – vor allem für die sogenannten „High Potentials“, Menschen, die gut verdienen und besonders mobil sind. „Das ist ein Imageeffekt, der sich allerdings nur schwer in Zahlen ausdrücken lässt“, sagt Pretzell.

Derzeit gibt es in Berlin 113 Museen und 440 Galerien, in denen gut 6000 Künstler aus aller Welt ihre Werke zeigen. Hinzu kommt, dass Berlins Museen besonders beliebt sind. Jedes von ihnen zieht im Jahr durchschnittlich 110 000 Besucher an. Das ist deutlich mehr als die Museen anderer Städte. Hamburg etwa kommt nur auf 46 000 Besucher pro Museum. Dass die Kunstszene sich in Berlin so positiv entwickelt, begründet die IBB mit den günstigen Standortbedingungen. „Hier wird viel für die Kunst getan, auch in  Zeiten der Krise.“ Für Künstler sei die Stadt vor allem deshalb attraktiv, weil es hier viele Ausstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten gibt und sie hier günstig leben könnten. C/O-Berlin-Geschäftsführer Stefan Erfurt zeigte sich am Montag erfreut über die Zahlen und hofft nun, dass es „endlich eine Standortsicherheit“ für die Fotogalerie geben wird. Carla Neuhaus

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