Berliner Wirtschaft : Millionen versickern – doch es geht nicht ohne Subventionen

Was Nokia für Bochum ist, waren für Berlin JVC und CNH. Die Zukunft gehört ohnehin anderen.

Ralf Schönball

Sie gingen auf die Barrikaden, besetzten Werkstore und bekamen sogar Besuch von einem solidarischen Wirtschaftssenator Harald Wolf. Genützt hat es nichts. Vor eineinhalb Jahren schloss JVC sein Elektronikwerk in Reinickendorf und entließ 200 Techniker in die Arbeitslosigkeit. Auch 200 Monteure von Baufahrzeugen verloren im selben Jahr im Spandauer CNH-Werk ihren Job. Sie teilten das Schicksal von 750 Bildröhrentechnikern, die Samsung ein halbes Jahr zuvor in Oberschöneweide entlassen hatte.

Gemeinsam war diesen Firmen: Sie kamen nach Berlin auch wegen der Subventionen. Und CNH baute Stellen ab, obwohl man 70 Millionen Euro erhalten und Beschäftigung garantiert hatte. Subventionen, heißt es beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, nutzen wenig, sie verzerren nur den Wettbewerb. Weil aber alle Länder sie einsetzen, muss auch Berlin es tun – „Wirtschaftssenator Wolf ist ein Gefangener des Systems“, sagt Karl Brenke.

Dass Samsung dichtmachte, ist einfach erklärt: Röhrenfernsehen kauft niemand mehr, alle wollen flache Bildschirme. An mangelnder Nachfrage scheiterte auch JVC in Berlin. Im Fall des Baggerherstellers CNH kam der Befehl von ganz oben: So sollten wirtschaftliche Probleme im Konzern gelöst werden.

Alle drei sind aber auch Industriefirmen, und die sind ohnehin schwer an einem Standort zu halten – mit oder ohne Subventionen. Langfristige Jobs sind eher in „wissensintensiven“ Feldern zu finden. Hier ist Berlin gut aufgestellt. Das Rezept lautet: Man nehme viele gute Hochschulen, lasse Verkehrsmittel aller Art rasch und flüssig zum Standort rauschen und biete Fachkräften eine faszinierende Stadt voller Theater und Konzertsäle und mit einem grünem Umland.

„Es gibt in Berlin eine große Anzahl hochqualifizierter Fachkräfte“, lobt der Chef des Solarfirma Inventux, Christian Plesser, den Standort: „bei Mitarbeitern und Partnern aus dem Ausland zieht Berlin.“ Die Solarbranche zählt zu den rasch wachsenden neuen Branchen. Sie ist aber auch sehr „kapitalintensiv“: Viele Maschinen und aufwändige Technik werden eingesetzt – deshalb entscheiden auch hier nicht nur das Angebot an Fachkräften und Forschern, sondern auch Förderungen über die Standortwahl.

Dennoch ist der Chef von Berlin Partner, René Gurka, überzeugt: „Diese Ansiedlung ist nur ein Anfang.“ Im Gewerbepark Adlershof soll ein solares „Cluster“ entstehen. So nennen Politiker gerne die Ballung von Firmen und Forschern, die kooperieren, gemeinsam wachsen und so weitere Firmen anlocken – und konzentrieren ihre Förderung darauf. In Adlershof ist auch die Solon AG. Man baut und verkauft Module, die Sonne in Strom umwandeln. In der Nachbarschaft verbessern Forscher des Hahn-Meitner-Institut den Wirkungsgrad von Solarmodulen.

Gefördert werden die neuen Firmen auch von der Investitionsbank Berlin. „Kein wirtschaftlich sinnvolles Projekt soll in der Stadt am Geld scheitern“, sagt Heinz-Joachim Mogge. Der Leiter Förderung der landeseigenen Bank sagt, man habe im Jahr 2006 insgesamt 311 Millionen Euro Kredite, Beteiligungen und Bürgschaften gewährt. Oft steigt die Bank mit Kapital-Beteiligungen in die Firmen ein. Dadurch soll das Geld zurückfließen, wenn der unternehmerische Erfolg kommt – und der nächsten Firmengeneration beim Markteinstieg helfen. Bisher gehe das Konzept auf: Es gebe wenig Kreditausfälle, zumal die Unternehmer persönlich für die Schulden ihrer Firma haften. Die meisten Hilfen fließen an Firmen aus den vom Senat ausgewählten, besonders zukunftsträchtigen „Kompetenzfeldern“: Medien (Information, Kommunikation, Kultur), Verkehr, Gesundheit (Biotechnologie/Medizin) und Optik – wissensintensive Felder der Zukunft.

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