Bilanz nach zehn Jahren : Der Euro - Ganz gut geraten

Nach zehn Jahren Euro zeigen sich die Gründungsfehler der Gemeinschaftswährung. Aber die Eskalation im Krisenjahr 2011 hat auch gezeigt, dass der Euro ohne gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik nicht funktioniert. Mehr Zusammenarbeit in Europa ist die Konsequenz.

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Der Euro wird zehn Jahre alt: anlässlich des Jubiläums wird um seine Existenz gerungen. Foto: dpa
Der Euro wird zehn Jahre alt: anlässlich des Jubiläums wird um seine Existenz gerungen.Foto: dpa

Theo Waigel zieht die Augenbrauen hoch. Ein Geburtsfehler? Aber nicht doch. Eher ein Erziehungsfehler beim Heranwachsenden. Das ist zwar ärgerlich, aber noch zu korrigieren. Ist ja auch erst zehn Jahre alt, der Bengel.

Der damalige deutsche Finanzminister ist zwar nicht der Erfinder der europäischen Währung. Aber Waigel fiel der Name Euro ein für das neue Geld, das dem Gemeinschaftsgefühl der Europäer einen Schub geben sollte. Und um dessen Existenz man sich im zehnten Lebensjahr so große Sorgen macht. Und dann? Überlebt der Euro sein Schicksalsjahr 2012?

Die Deutschen nahmen 2001 sehr gelassen Abschied von ihrer harten Mark; geradezu mit Begeisterung besorgten sich viele die Starterkits mit den ersten Euro-Münzen. Dann aber ging der Ärger los. Der Teuro war da: das hässliche Gefühl, von allen möglichen Händlern und Gastronomen, die den Währungswechsel für Preiserhöhungen nutzten, über den Tisch gezogen zu werden. Die Statistik hat das nicht bestätigt. Im Gegenteil. In den zehn Eurojahren lag die Inflationsrate im Schnitt bei 1,6 Prozent. In den 53 D-Mark-Jahren zuvor waren es 2,6 Prozent gewesen.

Das neue Geld war also stabil. Und ist es bis heute. Das belegt neben der Inflationsrate das Verhältnis zum Dollar: Selbst im Krisenjahr 2011 ist der Wechselkurs fast unverändert geblieben. Offenkundig verkraftet der Euro Griechenland, Portugal und Irland. Doch auch Italien?

Wenn Theo Waigel heute von Erziehungsfehlern spricht, dann meint er den laxen Umgang mit dem Stabilitätspakt, mit den vermeintlich strikten Haushaltsvorgaben von Maastricht. Im Laufe der Jahre haben fast alle Länder dagegen verstoßen, 2003 Deutschland. Doch erst mit der Eskalation 2011 ist klar geworden, dass ein Stabilitätspakt eine koordinierte Wirtschafts- und Finanzpolitik nicht ersetzen kann. Die soll es nun geben, die Vertiefung Europas ist die Konsequenz der Krise. Und die Voraussetzung zur Rettung des Euro.

Angela Merkel hat das inzwischen verstanden. Ihr Zaudern zu Beginn der Krise verschärfte die Unsicherheit der Märkte, ihr dummer Spruch über die kurze Arbeitszeit der Südeuropäer bediente die Ressentiments an den deutschen Stammtischen. Die Bundeskanzlerin glaubte die Leute glauben machen zu können, eine Währungsunion sei keine Transferunion.

Das ist Unsinn. Griechenland, Portugal und Irland können sich seit vielen Monaten nicht mehr an den Kapitalmärkten finanzieren. Das übernehmen neue, von den europäischen Partnern ausgestattete Institutionen. Gleichzeitig schulterte die Europäische Zentralbank immer mehr Verantwortung für die Finanzierung der Staaten. Diese Art Geldschöpfung kennt man von der US-Notenbank.

Das macht die Sache nicht viel besser. Mittelfristig droht eine höhere Inflation und ein schwächerer Euro. Und dennoch: Eine Alternative gibt es vermutlich nicht. Die EZB ist der stärkste Akteur gegen die Krise, und sie wird das Scheitern des Euro verhindern. Auch in dem Fall, dass sich Italien nicht mehr zu verkraftbaren Konditionen an den Märkten mit Geld versorgen kann.

Ist es das wirklich wert? Ja. Für Europa und für Deutschland. Ein paar Dutzend Unternehmer aus Frankreich und der Bundesrepublik warben im Sommer gemeinsam für die gemeinsame Währung. Auch wegen der Stabilität, die der Euro den grenzüberschreitenden Geschäften brachte, habe es seit seiner Einführung neun Millionen neue Arbeitsplätze gegeben.

Die Plausibilität dieser Zahl ist schwer nachprüfbar. Doch völlig unstrittig sind die Effekte für die deutsche Wirtschaft. Der langjährige Exportweltmeister ist der größte Nutznießer des Euro. Hätten wir noch die Mark, dann wären die Zinsen hierzulande viel höher und der Außenwert der Währung viel stärker – mit negativen Folgen für Firmen, Arbeitnehmer und Verbraucher.

Wir profitieren übrigens auch von den Transfers der anderen Länder, die unsere Handelsbilanzüberschüsse finanzieren. Kurzum: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Wir Deutsche helfen gern, damit das Kind wächst und gedeiht.

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