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Bio-Eier-Skandal : Wie Landwirte um ihren Ruf kämpfen

26.03.2013 16:59 UhrVon Dominik Drutschmann
Hühnerglück. Etiketten auf den Kartons für Bio-Eier zeigen oft Hennen auf grüner Wiese. Was Natürlichkeit suggerieren soll, führt manchmal in die Irre. Bernd Wüstneck/dpaBild vergrößern
Hühnerglück. Etiketten auf den Kartons für Bio-Eier zeigen oft Hennen auf grüner Wiese. Was Natürlichkeit suggerieren soll, führt manchmal in die Irre. - Bernd Wüstneck/dpa

Zwei Betriebe, beide Öko. Bei dem einen Bauern laufen 300 Hühner durch den Stall, bei dem anderen kümmern sich Maschinen um 10 000 Tiere. Nach dem Skandal um die falsch deklarierten Eier kämpfen die Landwirte um ihr Ansehen und um das Vertrauen der Verbraucher. Ein Besuch.

Das Tor zum Stall klemmt. Christian Maeß ruckelt daran, einmal, zweimal. „Verdammt“, sagt er, da öffnet es sich doch. Dahinter 300 Hühner, unter tosendem Gegacker laufen einige auf Maeß zu. Andere sitzen unbeeindruckt in den Nestern an den Seiten. Holzparzellen, Platz, dass ein Huhn bequem drin stehen kann. Maeß schaufelt Körner aus einer Wanne, schmeißt sie in die Hühner-Traube vor seinen Füßen. Hier, auf dem Bauernhof „Lebensräume“ im brandenburgischen Neuruppin, füttert der Bauer noch von Hand.

Auf Gut Schmerwitz, rund 130 Kilometer entfernt, hat Geschäftsführer Gerrit van Schoonhoven keine Probleme, die Stahltür zur Stallanlage zu öffnen.

3000 Hühner gackern dahinter. Es ist einer von vier Ställen, 10 000 Hühner besitzt er insgesamt. Bald sollen noch 6000 dazukommen. Im Stall an der Seite steht ein Monstrum aus Metall, eine Konstruktion aus Gittern und Fließbändern. Eine vierstöckige Maschine, oben fährt das Futter rein, unten Eier und Kot wieder raus. Alles automatisch. „Wir sammeln die Eier hier nicht per Hand“, sagt Schoonhoven, „dem Huhn ist das egal.“ Beide Höfe sind ökologische Betriebe, beide verkaufen ihre Produkte unter dem Label Bio.

Bio, dazu greifen Verbraucher, wenn sie sich bewusst ernähren, artgerechte Haltung unterstützen wollen. Beim Kauf von Bioprodukten wähnt man sich auf der sicheren, auf der guten Seite. Doch seit vor wenigen Wochen bekannt wurde, dass Eier jahrelang fälschlicherweise als Bio deklariert worden waren, sind Verbraucher verunsichert – und eine ganze Branche fürchtet um ihren Ruf. Christian Maeß und Gerrit van Schoonhoven werden nicht verdächtigt, betrogen zu haben, sie halten sich an die Spielregeln. Aber unter dem Vertrauensverlust leiden auch sie.

Fernab der Höfe, in den Supermärkten der Städte, denken die Käufer der Bio-Waren an grün blühende Natur. Woran sie nicht denken sind: Maschinen und hochgezüchtete Hühner. Damit Bio-Eier für einen vernünftigen Preis auch in ihrem Supermarkt zu haben sind, sind die aber unvermeidlich. Hinter der Diskussion um die falsch deklarierten Eier steht auch die Frage: Was kann, was soll man überhaupt kaufen? Welches Ei ist ein gutes?

Die Betriebe von Christian Maeß und Gerrit van Schoonhooven unterscheiden sich in der Arbeitsweise, in der Größe der Produktion. Sie sind so unterschiedlich wie die beiden Herren selbst. Maeß, der ein paar Mal am Tag in den Stall geht, den Hühnern zuhört. Ins Gackern hineinlauscht, ob es den Tieren gut geht. Mit seinen zerzausten Haaren, die alten Klamotten dreckig.

Auf der anderen Seite Gerrit van Schoonhoven, akkurater Kurzhaarschnitt, das iPhone immer in Reichweite. Er ist selten auf dem Hof, hat viele Termine. Bald geht es nach Abu Dhabi, Urlaub mit der Familie, und für ein paar Tage nach Dubai, geschäftlich. Die Familie Schoonhoven kommt ursprünglich aus dem Münsterland.

Es wäre so einfach: Maeß, der Kleinbauer, der Gute. Und Schoonhoven, der Unternehmer, der Böse. Aber das wäre zu kurz gegriffen, wie vieles zu kurz gegriffen ist in diesem Skandal um Bio-Eier.

Das ginge schon damit los, dass der Skandal gar kein Bio-Skandal sei, sagt Gerrit van Schoonhoven. Vor Wochen wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen rund 200 landwirtschaftliche Betriebe in ganz Deutschland ermittelt. Der Vorwurf: Was in den Eierkartons drin sei, stimme nicht mit dem überein, was draufstehe. Schoonhoven war gerade in Hamburg, als ihn die Nachricht erreichte. Betriebe, viele davon in Niedersachsen, hätten bei der Freilandhaltung gemogelt, Billig-Futter verwendet, zu viele Hühner in den Ställen gehalten. Ein paar Bio-Betriebe seien auch unter den Verdächtigen, sagte Schoonhovens Kollege am Telefon. Ein Blick ins Internet, die Schlagzeile: Bio-Eier-Skandal. „Da war mir klar“, sagt Schoonhoven, „dass da jetzt erst mal eine Sau durchs Dorf getrieben wird.“

Christian Maeß ist weniger gelassen. Er sei wütend auf all diejenigen, die sich nicht an die Spielregeln halten, sagt er. Wütend, dass eine ganze Branche, seine Branche, in Verruf gerät, weil Einzelne sich die Taschen vollmachen. Wütend auch, dass er sich abrackert, dass sich der Hof ohne die Bezuschussung für ein Projekt mit Suchtkranken nicht tragen würde. Der 28-Jährige erzählt von all dem dennoch ruhig, in seinem Gesicht faltenlose Resignation.

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