Biosprit-Test : Keine Schlachtabfälle mehr im Lufthansa-Tank

Die Lufthansa beendet ihre Biosprit-Tests mit einem Transatlantikflug. Der CO2-arme Treibstoff ist ein abenteuerlicher Cocktail. Doch das ist nicht der Grund für den vorläufigen Verzicht.

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Jumbos mit Biosprit - das wird es bei Lufthansa erst einmal nicht mehr geben.
Jumbos mit Biosprit - das wird es bei Lufthansa erst einmal nicht mehr geben.Foto: dapd

Die Passagiere des Fluges LH418 von Frankfurt nach Washington an diesem Donnerstag dürften bei ihrer Buchung nicht geahnt haben, dass sie ein Stück Luftfahrtgeschichte schreiben werden: Sie sollen Zeuge des ersten transatlantischen Linienfluges in einer Maschine werden, die mit biosynthetischem Treibstoff betankt worden ist.

Es ist ein abenteuerlicher Cocktail, der in die Tanks des Boeing-Jumbos gepumpt werden soll: Ein Gemisch aus herkömmlichem Kerosin auf Rohölbasis, Leindotteröl, das wegen der vielen ungesättigten Fettsäuren auch teuer in Reformhäusern verkauft wird, dazu Öl aus der Jatropha- Pflanze, die in Indonesien angebaut wird. Gewürzt wurde der Sprit noch mit Fetten aus finnischen Schlachtabfällen und Additiven auf Schwefelbasis etwa. Sieht so die grüne Zukunft des Luftverkehrs aus?

Immerhin sollen die Passagiere des Fluges so rechnerisch gemeinsam 38 Tonnen weniger klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) ausstoßen als auf der Strecke üblich. Das ist so, als würde jeder Fluggast in der Privatwohnung ein paar Monate lang Öko- statt Kohlestrom nutzen.

Der Lufthansa-Konzern sucht seit Jahren intensiver als die meisten Konkurrenten nach Lösungen, um das gemeinsame Branchenziel zu erreichen: Bis zum Jahr 2050 wollen die Airlines ihren CO2-Ausstoß im Vergleich zum Jahr 2005 um die Hälfte reduzieren. Derzeit ist der Luftverkehr etwa für zwei Prozent des Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Da mit Wind- und Sonnenkraft gespeiste Elektroantriebe für Flugzeuge in den nächsten Jahrzehnten nicht realistisch sind, führt der einzige Weg wohl über Treibstoff auf Pflanzenbasis. Denn Pflanzenöle geben beim Verbrennen nur so viel CO2 ab, wie sie während des Wachstums aus der Luft gezogen und gebunden haben.

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Lufthansa hatte im Juli einen ersten großen Praxistest gestartet: Dafür ließ das Unternehmen einen Airbus auf der Linie zwischen Hamburg und Frankfurt ein halbes Jahr lang mit eben diesem Gemisch mit 50 Prozent Pflanzenanteil betanken, wie er auch auf dem USA-Flug zum Einsatz kommt. 1187 Flüge wurden so absolviert. „Es gab keine Beschwerden, keine Schäden, der Sprit funktioniert perfekt“, sagte Projektleiter Joachim Buse am Mittwoch zum Abschluss. 6,6 Millionen Euro habe das Projekt gekostet, 2,5 Millionen davon kamen als Zuschuss vom Bund.

Dieser Sprit sei noch zwei bis drei Mal teurer als Kerosin, da er nicht im industriellen Maßstab hergestellt werde, erklärte Buse. Auch gebe es noch nicht genug Sprit auf dem Markt. „Die Lufthansa wird den Praxiseinsatz erst dann fortsetzen, wenn wir nachhaltige und zertifizierte Rohstoffe in den für den Routinebetrieb erforderlichen Mengen sicherstellen können“, sagte er.

Kurzum: Schon auf dem Rückflug aus Washington werden die Passagiere auf gutes Gewissen verzichten müssen. Das war’s vorerst mit Bio-Flügen. Bei Neste Oil, dem finnischen Hersteller dieses Treibstoffes, bedauert man das. Dort räumt man ein, dass es noch recht kompliziert sei, jeden kleinen Pflanzenölproduzenten, der Neste beliefert, zertifizieren zu lassen. Auch arbeite man auf EU-Ebene noch an entsprechenden Richtlinien, sagte Neste-Oil-Managerin Kaisa Hietala dem Tagesspiegel. „Allerdings sind wir zuversichtlich, dass wir künftig größere Mengen dieses Flugtreibstoffes nachhaltig herstellen können.“

Der Berliner Michael Cramer, Sprecher der Grünen im Verkehrsausschuss des Europaparlaments, begrüßte den Versuch der Lufthansa, will aber nicht gelten lassen, dass sie aus Kostengründen auf den Einsatz vorerst verzichten will. „Jährlich erhalten Europas Airlines Steuerbefreiungen in Höhe von 30 Milliarden Euro. Nur so können sie oft billiger sein als die umweltfreundlichere Bahn“, sagte Cramer. Er wünscht sich beides: Teurere Tickets und saubereren Sprit.

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