Brandenburgs Wachstumstreiber : Vattenfall verspricht "zügigen" Verkauf der Braunkohle-Sparte

Was wird aus Vattenfalls Braunkohle in Ostdeutschland? Das Management will bald einen Käufer präsentieren.

Nach einem Käufer für die Vattenfall-Kraftwerke wird noch gesucht. Schlange stehen die Bewerber offenbar nicht unbedingt.
Nach einem Käufer für die Vattenfall-Kraftwerke wird noch gesucht. Schlange stehen die Bewerber offenbar nicht unbedingt.Foto: dpa

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall treibt den Verkauf seiner deutschen Braunkohlegeschäfte voran. “Wir haben ja mit dem Prozess angefangen“, sagte Europa-Chef Tuomo Hatakka am Montagabend vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf. “Ich hoffe, dass wir zügig Klarheit haben.“ Die Schweden hatten Ende Oktober angekündigt, für den Tagebau in Ostdeutschland und die Braunkohle-Kraftwerke einen neuen Eigentümer zu suchen.

Hatakka wies Befürchtungen zurück, der Konzern könne danach nicht mehr genügend Mittel für den Abriss und die Müllentsorgung seiner stillgelegten Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel aufbringen. “Um diesen Rückbau zu realisieren, haben wir Rückstellungen gebildet.“ Er wolle nicht darüber spekulieren, bis wann der Verkauf der deutschen Braunkohleaktivitäten abgeschlossen sein werde, sagte der Manager.

Vattenfall hatte die Pläne erst Ende Oktober angekündigt, so dass das Verfahren noch am Anfang stehen dürfte. Die Schweden wollen sich stärker auf das Geschäft mit Ökostrom konzentrieren und den mit der Braunkohleverstromung verbundenen Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids senken. Vattenfall beschäftigt in der Förderung und Verstromung von Braunkohle in Deutschland mehr als 8000 Mitarbeiter. Der Großteil des Geschäfts befindet sich in Brandenburg und Sachsen.


Interesse hat bereits der tschechische Versorger EPH angemeldet, der mit seiner Tochter Mibrag Braunkohle in Ostdeutschland fördert und Strom erzeugt. Reuters hatte von Insidern erfahren, dass auch Finanzinvestoren wie KKR, Blackstone und CVC eine Auge auf die Vattenfall-Geschäfte werfen könnten, deren Wert auf zwei bis drei Milliarden Euro geschätzt wird. Vattenfall habe der Citi Bank das Mandat für den Verkauf erteilt.


Versorger mit Problemen

Unter dem Druck der Energiewende befinden sich viele Versorger in Deutschland im Umbruch. Branchenprimus E.ON will 2016 sein Kraftwerksgeschäft abspalten und sich auf Ökostrom konzentrieren, RWE kämpft mit Gewinneinbrüchen.
Vattenfall will in Deutschland künftig weitere Windkraftanlagen betreiben und das Geschäft mit seinen über drei Millionen Strom- und Gaskunden ausbauen.
Europachef Hatakka betonte, dass der Konzern auch nach einem Verkauf der Braunkohle seinen Verpflichtungen zum Abriss und der Entsorgung der Atomkraftwerke nachkommen werde. Dabei verlasse sich der Konzern nicht nur auf Geldanlagen, sondern auch auf das laufende Geschäft. “Wir haben genügend Cash Flow, um die Rückstellungen zu finanzieren. Und darum geht es. Es geht nicht darum, wie viele Assets wir in der Bilanz haben. Es geht darum, wie viel Cash Flow generieren wir. Und den Cash Flow haben wir.“

Die Bundesregierung hat angekündigt, die Rückstellungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie will damit sicherstellen, dass die teilweise in Kraftwerken und Netzgeschäften gebundenen Mittel tatsächlich auch verfügbar sind. Die vier AKW-Konzerne in Deutschland - E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall - haben Rückstellungen in Höhe von 36 Milliarden Euro gebildet. Hatakka bezifferte die Gesamtsumme für Krümmel und Brunsbüttel auf 4,6 Milliarden Euro.

Reichen die Atom-Rückstellungen?

Hiervon müssen die Schweden allerdings nur einen Teil zahlen, da E.ON an Brunsbüttel mit knapp einem Drittel und an Krümmel zur Hälfte beteiligt ist.
Hatakka zeigte sich wie bereits E.ON-Chef Johannes Teyssen offen für Gespräche mit der Regierung über eine AKW-Stiftung. “Wir sind immer gesprächsbereit und auch in dieser Frage.“ Nach Überlegungen aus der Opposition und von Energieexperten könnte eine Stiftung oder ein Fonds den Betrieb der Anlagen und auch den Abriss der Kernkraftwerke organisieren. Die Versorger müssten ihre Rückstellungen dort einbringen. Die Bundesregierung könnte wiederum sicherstellen, dass diese auch verfügbar sind. rtr

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