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Buchhandel : Kein neues Weltbild

Die katholischen Bischöfe können sich nicht über die Zukunft der Verlagsgruppe einigen. Arbeitnehmervertreter fürchten um die 6800 Jobs und den Tarifvertrag.

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Bangen um Weltbild. Die Arbeitnehmervertreter hoffen auf ein positives Signal von den Bischöfen. Sie fordern, dass möglichst alle Stellen erhalten und die Tarifbindung bestehen bleibt.
Bangen um Weltbild. Die Arbeitnehmervertreter hoffen auf ein positives Signal von den Bischöfen. Sie fordern, dass möglichst alle...Foto: dpa

Berlin - Eigentlich wollten die katholischen Bischöfe am Mittwoch eine Entscheidung fällen, wie es mit der Verlagsgruppe Weltbild weitergehen soll. Seit zwei Jahren diskutieren sie über eine Lösung für das angeschlagene Unternehmen in Kirchenhand. Und konnten sich wieder nicht einigen.

„Die Gesellschafter haben sich intensiv und differenziert mit der aktuellen Problemlage um die Verlagsgruppe Weltbild beschäftigt“, sagte Weltbild-Aufsichtsratsvorsitzender Peter Beer, der Generalvikar des Bistums München und Freising, am Mittwoch. Man sei sich der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern bewusst und wolle sich zeitnah um eine Lösung für den Fortbestand des Unternehmens bemühen. Die 65 katholischen Bischöfe der 27 Diözesen treffen sich zurzeit in Fulda zu ihrer jährlichen Herbstvollversammlung. Das Schicksal der Weltbild-Gruppe stand nicht auf dem offiziellen Programm. Wie so oft wurde das Wichtigste „am Rande“ diskutiert.

Wie der „Zeitplan“ aussieht, den sich die Bischöfe für die Erarbeitung einer Lösung vorgenommen haben, wollten sie nicht verraten. Auch nicht, was die nächsten Schritte sein werden. Offenbar herrscht große Hilflosigkeit und die Bischofskonferenz ist so zerstritten, dass man sich nicht einmal in einer so drängenden Frage einigen kann.

Die Verlagsgruppe mit 1,59 Milliarden Euro Umsatz kämpft wie viele andere in der Branche mit der starken Online-Konkurrenz durch Konzerne wie Amazon. Daher stellte die Geschäftsführung alle Bereiche auf den Prüfstand, suchte nach Möglichkeiten, zu sparen. „Weltbild befindet sich im Umbau zu einem Online- und Digitalgeschäft“, hatte das Unternehmen kürzlich erklärt. Dieser Umbau führe „zu einer vorübergehenden Verlustsituation“.

In Augsburg, wo Vertrieb, Online-Geschäft, IT und Logistik angesiedelt sind, arbeiten rund 2300 Beschäftigte, in den Geschäften weitere 4500. Denn Weltbild ist mit 50 Prozent an der Verlagsgruppe DBH beteiligt, zu der die Buchhändler Hugendubel, Weltbild Plus und Jokers mit ihren Filialen gehören. In der Buchproduktion und im Druckzentrum seien bereits Stellen gestrichen worden, sagt Konzernbetriebsrat Timm Boßmann. Auch immer mehr Filialen müssen schließen. Bei Weltbild Plus seien seit vergangenem Jahr 61 Läden dichtgemacht worden, 21 weitere sollen folgen. Hugendubel hat Geschäfte geschlossen, auch in Berlin.

Der schwelende Konflikt unter den Bischöfen belastet zusätzlich das Geschäft. Die Verlagsgruppe gehört zwölf Bistümern, dem Militärbischofsamt und dem Verband der Deutschen Diözesen (VDD). Das Erzbistum München und Freising ist mit 13,2 Prozent der größte Einzelaktionär. Den Bischöfen ist die Rolle des Unternehmers lästig geworden, seitdem vor zwei Jahren herauskam, dass zum Sortiment auch erotische und esoterische Literatur gehört. Doch auf die Schnelle fand sich kein Käufer. Dafür wuchs die Sorge, dass ein potenzieller Investor Arbeitsplätze abbauen könnte – was die Mehrheit der Bischöfe mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren konnte.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx und sein Generalvikar Peter Beer werben seit einem Jahr für einen Kompromiss: Bischöfe, Militärbischofsamt und VDD geben ihre Anteile an eine Stiftung ab und ziehen sich aus dem operativen Geschäft zurück. Aufsichtsratschef würde Generalvikar Beer, der auch jetzt schon Aufsichtsratsvorsitzender der GmbH ist. Doch einige Bistümer weigern sich, ihre Anteile abzugeben, sie wollen den Verlag ganz verkaufen – vorneweg der Kölner Kardinal Joachim Meisner. Er fürchtet, dass auch in Zukunft von den kirchlichen Aufsehern unbemerkt erotische Titel gedruckt werden könnten, damit will er nichts zu tun haben. Der Skandal hatte der Kirche vor zwei Jahren sogar einen Rüffel durch Papst Benedikt XVI. eingebracht.

Die Arbeitnehmervertreter reagierten am Mittwoch enttäuscht auf die Erklärung der Bischöfe. Sie sei „dünn“ und schwer zu interpretieren, sagte Betriebsrat Boßmann. „Ein Bekenntnis zu den Beschäftigten hört sich anders an.“ Offenbar seien Schritte geplant. „Wir erwarten, dass wir über diese umgehend informiert werden“, sagte der Betriebsrat. Zugleich appellierte er wegen ihrer „besonderen sozialen Verantwortung“ an die Bischöfe, die Arbeitsplätze zu bewahren und zur Tarifbindung zu stehen – egal welche Lösung kommen sollte. „Die Kirche hat jahrzehntelang gut an Weltbild verdient“, sagte Boßmann. „Nun muss man auch dann zueinander stehen, wenn es finanziell mal eng wird.“

Die Gewerkschaft Verdi ist überzeugt, Weltbild könne auch ohne Personalabbau saniert werden. Der Betriebsrat arbeitet derzeit an einem Konzept zur Umsatzsteigerung. „Wir müssen die Produktpalette erweitern, und unseren Kundenservice verbessern, um die Käufer an Weltbild zu binden“, sagt Betriebsratschef Peter Fitz.

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