Wirtschaft : Carsharing auf Crashkurs

Autovermieter verklagen Anbieter für Privatverleih.

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Harter Wettbewerb. Die Bahn will selbst privates Carsharing organisieren. Foto: dpa
Harter Wettbewerb. Die Bahn will selbst privates Carsharing organisieren. Foto: dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Berlin - Carsharing wird immer beliebter – und der Konkurrenzkampf der Anbieter immer härter. Der Wettbewerb um Marktanteile beschäftigt jetzt auch die Justiz: Der Bundesverband der Autovermieter Deutschlands (BAV) hat das Stuttgarter Unternehmen Autonetzer.de vor dem Landgericht Berlin verklagt.

Das vom Autokonzern Daimler unterstützte Unternehmen bietet seit 2010 erfolgreich ein Carsharing-Modell im Internet an, bei dem Privatleute ihre Autos untereinander ausleihen können. 30 000 registrierte Nutzer und 4000 Autos zählt die Autonetzer-Kartei, die stetig größer wird. Hinter der Klage des BAV steht nach Informationen des Tagesspiegels die Deutsche Bahn. Sie will mit ihrer Car sharing-Tochter Flinkster nach früheren Angaben Ende 2013 ebenfalls ein Angebot für das private Carsharing starten. Eine Sprecherin der Bahnsparte DB Rent, in der Flinkster gemanagt wird, lehnte einen Kommentar zu der Klage ab.

Der Autovermieter-Verband wirft Autonetzer Verstöße gegen die Verkehrssicherheit vor und verlangt eine Gleichbehandlung von privat und gewerblich vermieteten Carsharing-Fahrzeugen. Die bei Autonetzer verliehenen Autos müssten als „Selbstfahrervermietfahrzeuge“ eingetragen – und damit wie die Mietwagen kommerzieller Anbieter für mehrere tausend Euro besonders versichert werden. Statt alle zwei Jahre müssten die Fahrzeuge außerdem jedes Jahr zum Tüv.

Ein BAV-Sprecher fährt schweres Geschütz auf: „Es werden Fahrzeuge angeboten, die nicht verkehrssicher und nicht nach den geltenden Vorschriften zugelassen sind“, sagte er. „Das private Carsharing birgt Gefahren für Mieter und andere Verkehrsteilnehmer.“ Stichproben hätten ein „katastrophales Ergebnis“ erbracht: „Die Liste des Grauens war umfassend: Karosserieprobleme, ein aufgeschlitzter Reifen, gravierende Bremsprobleme.“

Autonetzer-Gründer und -Geschäftsführer Sebastian Ballweg hält die Vorwürfe für absurd. Der BAV spiele Bagatellschäden hoch und verfolge mit seiner Klage offenbar nur sein Satzungsziel: Konkurrenz unterbinden. Dem Verband fehlten „gute Argumente, deshalb versucht er, mit Sicherheitsbedenken Ängste bei den Nutzern zu schüren.“  Beim privaten Carsharing gehe es den Nutzern nicht darum, mit der gewerblich betriebenen Verleihung von Fahrzeugen dauerhaft Profite zu erzielen. „Es werden Privatautos hin und wieder ausgeliehen. Der Autobesitzer bleibt Hauptnutzer seines Wagens und reduziert lediglich einen Teil seiner Unterhaltskosten“, sagte Ballweg. Auch private Gelegenheitsnutzer von Ebay müssten nach der BAV-Logik dann wie Gewerbetreibende behandelt werden.

Einem Prozess sieht Ballweg gelassen entgegen. Die Erfolgsaussichten der Klage hält er für gering. Bekämen der BAV und die Bahn allerdings Recht, wäre nicht nur das Geschäftsmodell von Autonetzer am Ende. Auch Wettbewerber der Stuttgarter wie Tamyca, Carzapp oder Nachbarschaftsauto hätten dann Existenzsorgen. „Unverständlich, warum man zu solchen Methoden greift“, wundert sich Sebastian Ballweg. „Eigentlich wird beim Carsharing der Kuchen immer größer – es ist genug für alle da.“ Henrik Mortsiefer

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