Chef der Öko-Bank GLS : "Wer eine Milliarde besitzt, könnte gut die Hälfte verschenken"

Thomas Jorberg, Chef der GLS-Bank, ärgert sich, dass nicht genug in Bildung und Soziales investiert wird. Um das zu ändern, müsse man bei den hohen Vermögen "ansetzen", wie er im Interview erklärt.

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Der Vorstand der GLS-Bank, Thomas Jorberg, betreibt eine Bank mit ungewöhnlicher Anlagestrategie. Investiert wird vor allem in soziale und ökologische Projekte.
Der Vorstand der GLS-Bank, Thomas Jorberg, betreibt eine Bank mit ungewöhnlicher Anlagestrategie. Investiert wird vor allem in...Foto: Oliver Berg/dpa

 Herr Jorberg, Sie vertreten als Banker eine Branche, die seit Jahren in der Kritik steht. Wünschen Sie sich manchmal einen anderen Beruf gewählt zu haben?

Nein, auf keinen Fall. Als Banker hat man es mit allen Lebensabschnitten des Menschen zu tun – vom ersten Konto bis zur Finanzierung des Hauskaufs. Das begleiten zu dürfen, ist eine tolle Aufgabe. Allerdings weiß ich nicht, ob ich Banker geworden wäre, wenn es nicht bei der GLS Bank gewesen wäre.

Wenn man Ihnen morgen anbieten würde, Chef der Deutschen Bank zu werden, würden Sie also ablehnen?

Ich bin froh, dass ich nicht Chef der Deutschen Bank bin. Und da man mir das wohl auch nicht anbieten wird, kann ich das ganz gelassen sehen.

Allerdings verdienen Sie als Chef der GLS Bank deutlich weniger als Vorstände anderer Institute.

Ich bin davon überzeugt, dass man mit der Höhe des Gehalts niemanden motivieren kann. Es kann einen höchstens demotivieren, wenn das Gehalt zu niedrig ausfällt. Aber das ist bei mir nicht der Fall. Wenn ich sehe, dass andere Bankchefs mehr verdienen, dafür aber Leistungen erbringen müssen, die nicht ihrem eigenen Ideal entsprechen, fühle ich mich in einer sehr privilegierten Situation.

Also verdienen Sie lieber weniger, haben dafür aber einen Job, den Sie vertreten können?

Ja, natürlich.

Nun müssen aber auch Ihre Kunden Abstriche machen. Aufs Festgeld bekommt man bei der GLS Bank schon jetzt keine Zinsen mehr. Warum?

Das liegt am allgemeinen Zinsniveau. Volkswirtschaftlich gesehen ist einfach zu viel Geld da. Das ist die Logik des Marktes: Wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage, dann sinkt der Preis. Das ist bei Bankprodukten nicht anders als bei anderen Waren. Wenn nun Banken in der derzeitigen Situation noch Zinsen auf Festgeldkonten zahlen, dann tun sie das, um sich Kunden zu erkaufen.

Aber warum sollte ich denn als Kunde noch Geld zur Bank bringen, wenn ich dafür nicht mal mehr Zinsen bekomme?

Das ist eine berechtigte Frage. Allerdings erbringen wir als Bank durchaus eine Leistung: Wir bringen Geld, das Menschen gerade nicht brauchen, in sozial oder ökologisch sinnvolle Projekte. Bezahlt hat das bislang ausschließlich der Kreditnehmer. Wir müssen uns nun jedoch daran gewöhnen, dass einen Teil dieser Leistung auch die Sparer bezahlen.

Legen Sparer trotzdem noch Geld bei Ihnen an?

Ja. Auch bei einem Zins von null Prozent wachsen bei uns die Einlagen stärker als der Kreditbereich.

Ein Zins von null Prozent stellt das Geschäftsmodell der Banken ziemlich auf den Kopf...

Ja, anders geht es aber nicht. Banken verdienen schließlich an der Zinsmarge, also an der Differenz zwischen Einlagen- und Kreditzins. Wenn nun aber die Kreditzinsen immer weiter sinken, während die Einlagenzinsen bereits bei null sind, dann lässt sich das Bankgeschäft auf klassische Weise nun mal immer weniger finanzieren.

Wie kann man das ändern?

Wenn die Zinsmarge so weit zurückgeht, dass Sie als Banker damit keine unabhängige Beratung mehr finanzieren können, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Sie können mehr Produkte mit Provisionen verkaufen – was aber für uns nicht in Frage kommt, weil das dann keine unabhängige Beratung mehr ist. Oder Sie müssen das Vergütungsmodell überarbeiten. Darüber denken wir gerade nach. Die Idee ist dabei, dass der Kunde ein bestimmtes Paket für Bankdienstleistungen bucht und dafür unabhängig beraten wird.