China-Krise löst Griechenland-Krise ab : Börsencrash in China könnte die Weltwirtschaft bedrohen

Ein Börsencrash in China löst Angst vor einer Ansteckung an den Weltmärkten aus. Die Krise in Griechenland spielt kaum noch eine Rolle. Chinas Führung versucht verzweifelt, den Kursrückgang zu stoppen. Jetzt sollen sogar staatliche Banken Aktien aufkaufen. Außerdem beschloss Peking ein Infrastrukturprogramm von 36,6 Milliarden Euro.

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Ein chinesischer Investor vor einer Kurswand schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. dpa
Ein chinesischer Investor vor einer Kurswand schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.Foto: dpa

Der Aktienmarkt in China ist am Mittwoch erneut um sechs Prozent gesunken und hat damit innerhalb von drei Wochen ein Drittel seines Wertes eingebüßt. Der Börsencrash in China hat die Griechenland-Krise abgelöst, die in den vergangenen zwei Wochen als Ursache für gemäßigte Kursrückgänge galt. Die Regierung in Peking versucht verzweifelt gegen den Kurssturz anzukämpfen. So wurde der Handel von insgesamt 1000 Aktien ausgesetzt, um bei ihnen einen weiteren Kursrückgang zu verhindern.

Nach Angaben der "Financial Times" hat sie Firmen gedrängt, auf neue Börsengänge zu verzichten, die Anleger Geld vom Gesamtmarkt abziehen würden. Es wurden die Limits erhöht, bis zu welcher Höhe sich Anleger verschulden dürfen, wenn sie Aktien kaufen wollen. Die Transaktionsgebühren wurden gesenkt. In der Staatspresse erschienen Artikel, in denen die Bürger aufgerufen wurden, Aktien zu kaufen. Am Mittwoch berichtete Reuters, dass staatliche Banken Aktien kaufen sollten oder zumindest auf den Verkauf von Aktien verzichten sollten.

Sie sollten stattdessen die Gunst der Stunde nutzen und ihre Anteile an börsennotierten Unternehmen ausweiten, erklärte das Finanzministerium der Volksrepublik am Mittwoch. Die Kurse seien "unterhalb eines angemessenen Niveaus".

Peking beschloss am Mittwoch, ein Konjunkturprogramm von 250 Milliarden Yuan (umgerechnet 36,6 Milliarden Euro) aufzulegen, die in besonders auf Hilfe angewiesene Bereiche gelenkt werden, wie das Kabinett am Mittwoch mitteilte. Zugleich soll der Bau von Straßen und anderen Infrastrukturprojekten vorangetrieben werden. Die Regierung erwähnte den Börsencrash in ihrer Mitteilung jedoch nicht.

Derzeit sieht es so aus, als ob die massiven Anstrengungen der Regierung in Peking den anhaltenden Kursrückgang nicht entscheidend beeinflussen kann. Die Regierung bekommt damit ihre Grenzen aufgezeigt bei der Frage, inwieweit Märkte, einmal entfesselt, wieder gebändigt werden können.

Die Krise trifft Chinas Führung zu einem ungünstigen Moment, wo sie ziemlich erfolgreich weltpolitiosche Machtansprüche formuliert. Da kommt eine strauchelnde Wirtschaft daheim ungelegen. Vor allem das Bankensystem in China gilt als fragil. Die Frage ist, ob Peking eine Bankenkrise verhindern kann.

Dem Crash ging eine beispiellose Rekordjagd voraus

Dem Kurssturz der vergangenen drei Wochen war ein beispielloser Rausch an den Börsen vorangegangen. Die Kurse eilten von Rekord zu Rekord. Viele Chinesen öffneten Handelskonten, um zu spekulieren.

Die jetzige Panik weitete sich auf die Börsen in den Nachbarländern aus und stürzte auch die Rostoffmärkte in Turbulenzen. Die Erschütterung des Börsenbebens waren bis nach Europa spürbar. Am Devisenmarkt flüchteten viele Anleger in den japanischen Yen, der als "sicherer Hafen" Asiens gilt.
"Ich habe noch nie einen derartigen Kurssturz erlebt", sagte Analyst Du Changchun vom Vermögensberater Northeast Securities gegenüber Reuters. "Ich glaube, niemand hat das." Wang Feng, Mitgründer und Chef des Hedgefonds Alpha Squared Capital, sprach von Panikverkäufen. "Das Problem ist, dass alle Marktteilnehmer in dieselbe Richtung drängen und zu emotional reagieren." Die chinesischen Behörden warnten ebenfalls vor einer Panik und setzten den Handel mit zahlreichen Papieren aus, um den Crash zu begrenzen.

Dax legt zwar zu, aber Autowerte verlieren wegen China

Im Sog der chinesischen Aktienmärkte rutschte der weltweit viel beachtete Nikkei-Index der Tokioter Börse um 3,1 Prozent ab. Unter die Räder kamen in Japan vor allem Unternehmen mit engen Geschäftsbeziehungen zu China, um Beispiel Baufirmen. In Deutschland traf es die Autobauer besonders hart, für die das Reich der Mitte der wichtigste Absatzmarkt ist. BMW, Daimler und Volkswagen gehörten mit Kursverlusten von bis zu 2,8 Prozent zu den größten Verlierern im Dax, der selber mittags um über ein Prozent zulegte.
Die Preise für Eisenerz und Stahl fielen in China auf ein Rekordtief. Kupfer war mit 37.960 Yuan (6113 Dollar) so billig wie zuletzt vor sechs Jahren. In den Strudel geriet auch Öl, dem als Schmierstoff der Weltwirtschaft eine besondere Bedeutung zukommt. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 1,2 Prozent auf 56,19 Dollar je Barrel (159 Liter). (mit Reuters)


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