China und die Deutsche Bank : Paradiese für Prinzlinge

Die Deutsche Bank lotst Geld vermögender Kunden aus China in Steueroasen. Damit steht sie nicht allein. Doch vor allem wegen der potenziellen Kunden sind die Geschäfte brisant.

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Auf Shoppingtour. Längst haben Edel-Designer reiche Chinesen als Zielgruppe entdeckt. Was diese nicht in teuren Boutiquen ausgeben, schaffen sie offenbar ins Ausland.
Auf Shoppingtour. Längst haben Edel-Designer reiche Chinesen als Zielgruppe entdeckt. Was diese nicht in teuren Boutiquen...Foto: REUTERS

Chinas reiche Elite wickelt nach Medienberichten heimlich und in großem Stil lukrative Geschäfte über Steueroasen ab. Die Enthüllungen stützen sich auf bisher vertrauliche Unterlagen, die sogenannten Offshore-Leaks-Daten, die in Deutschland der „Süddeutschen Zeitung“ und dem Norddeutschen Rundfunk vorliegen. Auch nahe Verwandte wichtiger chinesischer Politiker – in China abfällig Prinzlinge genannt – steuern demnach Transaktionen über Briefkastenfirmen in der Karibik. Die Enthüllungen kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt für Chinas Führer, weil gerade Kritiker vor Gericht gestellt werden, die eine Offenlegung der Politiker-Vermögen fordern. Als erster wurde am Mittwoch der Bürgerrechtler Xu Zhiyong wegen Störung der öffentlichen Ordnung angeklagt.

Unter den Banken, die dabei behilflich gewesen sein sollen, geheime Strukturen in Steueroasen aufzubauen, soll auch die Deutsche Bank sein. Offiziell gibt es dort am Mittwoch nur eine kurze Stellungnahme. „Die Deutsche Bank bietet vermögenden Privatkunden Bankdienstleistungen an. Dies erfolgt auf der Grundlage, dass die Kunden ihre Steuerangelegenheiten vollumfänglich regeln und dabei alle Steuergesetze und Meldeverpflichtungen befolgen.“ Das gilt auch für Millionäre in China, die auf die Dienste der Deutschen Bank setzen.

Verwandte hoher Politiker sollen unter den Anlegern sein

In den Offshore-Leaks-Dokumenten sollen neben dem Schwager von Staats- und Parteichef Xi Jinping auch der Sohn, die Tochter und der Schwiegersohn von Ex-Ministerpräsident Wen Jiabao auftauchen, wie das Internationale Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) berichtete, das monatelang recherchiert hatte. Der Name der Tochter des früheren Premiers Li Peng steht demnach ebenso in den Unterlagen wie der Name eines Neffen zweiten Grades des bisherigen Staatschefs Hu Jintao. Selbst der Name eines der Schwiegersöhne des einstigen Reformers Deng Xiaoping finde sich in den Papieren.

Mitglieder des Parlaments seien ebenso aufgelistet wie superreiche Unternehmer sowie Führungskräfte von Staatsunternehmen, die in Korruptionsskandale verwickelt gewesen seien, berichteten die weltweit beteiligten Medienhäuser. Chinas Behörden reagierten mit einer Blockade der Berichte im Internet und zensierten Kommentare in sozialen Medien.

Asien ist für Deutsche Bank ein wichtiger Markt

Die Volksrepublik ist längst für die auf die Reichen ausgerichtete Vermögensverwaltungssparte – Asset & Wealth Management – der Deutschen Bank ein wichtiger Markt. Ende 2012 verwaltete sie im asiatisch-pazifischen Raum für betuchte Kunden 61 Milliarden Euro, immerhin rund 6,5 Prozent des weltweit der Sparte anvertrauten Vermögens. 2012 konnte die Bank in der Region mit zweistelligen Raten beim Ertrag und verwalteten Vermögen wachsen. Wie viel genau auf Chinesen entfällt und wie viele Kunden sie dort betreut, sagt die Bank nicht. Verschwiegenheit ist oberstes Gebot.

Aus den Türmen der Bank-Zentrale in Frankfurt ist aber zu vernehmen, dass man neue Kunden gerade in China, selbst wenn sie viel Geld mitbringen, nicht unbesehen akzeptiere. Gebe es Zweifel an der Herkunft des Geldes oder an der Seriosität der Person, mache man einen großen Bogen. Wenn es aber zu einer Geschäftsverbindung komme, biete die Bank natürlich ihre weltweiten Dienstleistungen an. Diese schließen offenbar auch Geldanlagen in Steueroasen ein. Die Bank ist mit Gesellschaften in Steueroasen wie Guernsey und Jersey, den Jungferninseln oder den Bahamas vertreten.

Bereits seit 1872 ist die Deutsche Bank in China präsent, seit 2008 mit dem eigenständigen Ableger Deutsche Bank China Ltd. Filialen gibt es in Peking, Schanghai, Guangzhou, Tianjin und Chongqing und natürlich in Hongkong mit insgesamt mehr als 2000 Mitarbeitern. Seit 2006 kümmert sich die Bank gezielt um reiche Chinesen und wohlhabende Familien. 2011 heimste sie den Titel als beste „Private Bank“ in China ein. Auch das Investmentbanking spielt für die Deutsche Bank in China eine wichtige Rolle. In den vergangenen Jahren organisierte sie die weltweit größten Börsengänge von zwei chinesischen Banken und einem Unternehmen mit. (mit dpa)

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