Condor und Lufthansa gegen Flughafenchef : „Mehdorns Theorie ist hanebüchen“

Gibt es im Streit um das Codesharing-Abkommen zwischen Air Berlin und Etihad ein „Komplott“ aus Frankfurt gegen Berlin? Lufthansa und Condor weisen das empört zurück.

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Im Visier. Das Codesharing-Abkommen zwischen Air Berlin und Etihad löst eine Debatte aus.
Im Visier. Das Codesharing-Abkommen zwischen Air Berlin und Etihad löst eine Debatte aus.Foto: dpa

Berlin - „Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht“, sagte Lufthansas Konzernbevollmächtigter Thomas Kropp am Donnerstag. Er hatte im Tagesspiegel gelesen, wie Hartmut Mehdorn, der ehemalige Air-Berlin-Chef und heutige Chef der Berliner Flughäfen, die Debatte um die gemeinsam vermarkteten Flüge von Air-Berlin und Etihad sieht. Mehdorn hatte dieser Zeitung gesagt, er vermute hinter dem Beschluss des Luftfahrt-Bundesamtes, Air-Berlin und Etihad ab Herbst 34 sogenannte Codeshare-Flüge zu untersagen, „ein Komplott der Lufthansa und des Frankfurter Flughafens gegen Berlin“. Zwar kam am Abend heraus, dass das Amt nun wohl doch noch eine Saison lang weiter dulden will, dass Air Berlin und Etihad gemeinsam Flüge vermarkten, „um besondere Härten zu vermeiden“, wie man hört. Das änderte aber nichts an Kropps „Wut und Enttäuschung“ über Mehdorns Sätze. Der Streit um Air Berlins deutsch-arabische Luftfahrtpartnerschaft wird zum Politikum – und zum Bumerang für Mehdorn.

Thomas Kropp. Lufthansa-Konzernbevollmächtigter.
Thomas Kropp. Lufthansa-Konzernbevollmächtigter.Foto: picture alliance / dpa

„Wir schmieden ein Komplott gegen Berlin? Das ist ein starkes Stück“, sagte der Lufthansa-Mann Thomas Kropp. „Ich glaube, er hat sich im Bauplanungsrecht, Brandschutzrecht und Luftverkehrsrecht verheddert.“ Kropp zweifelte an der Unparteilichkeit des Flughafenchefs. Air Berlin ist vor der Lufthansa der größte Kunde der Berliner Flughäfen. „Bevor er sich Verschwörungstheorien hingibt, solle er lieber sagen, wann der Flughafen eröffnet wird“, forderte Kropp.

Die Lufthansa verwies darauf, seit der Wende eine halbe Milliarde Euro in Berlin investiert und 3000 Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Mit ihren Konzernmarken biete sie mehr als 40 Verbindungen an. „Wir sind auch nicht gewankt, als die Eröffnung des neuen Flughafens verschoben wurde, wir haben auch nicht geklagt wie Air Berlin“, sagte Kropp. „Als Dank bekommt man solche Beschimpfungen.“ Die Lufthansa verteidigte die Entscheidung der Behörde, betonte aber, sie habe darauf keinerlei Einfluss genommen. Der Konzern gab am Donnerstag zudem bekannt, dass er seine Verbindung nach Abu Dhabi, also das Drehkreuz von Etihad, einstellen wird und dies auch Jobs hierzulande kosten werde. „Das kann man durchaus vor dem Hintergrund der gemeinsamen Flüge von Etihad und Air Berlin sehen“, sagte Kropp.

Hartmut Mehdorn. Berliner Flughafenchef.
Hartmut Mehdorn. Berliner Flughafenchef.Foto: picture alliance / dpa

Auch Ralf Teckentrup, Chef der drittgrößten deutschen Fluglinie Condor, hat kein Verständnis. „Herr Mehdorn sollte lieber zusehen, dass aus seinen zweieinhalb Jahren BER-Verspätung keine fünf Jahre werden. Er ist Airport-Chef, da darf man erwarten, dass er seine Großkunden gleich behandelt“, sagte Teckentrup dieser Zeitung. „Mehdorns Theorie ist völlig hanebüchen“. Andersherum werde ein Schuh draus: „Air Berlin und Etihad führen seit drei Jahren Codeshare-Flüge durch, von denen sie hätten wissen müssen, dass sie so nicht zulässig sind“. Seiner Condor sei ein Wettbewerbsnachteil entstanden. „Sie haben uns Passagiere weggenommen“. Auch wenn es schwierig werden dürfte, den Schaden zu beziffern. „Wir werden Regressansprüche prüfen“, sagte Teckentrup weiter.

Wie berichtet, reist am Montag eine Regierungsdelegation aus Abu Dhabi an, um in Gesprächen mit dem Verkehrs- und dem Außenministerium eine Lösung zu erzielen.

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