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Crewengpässe bei Partner Tuifly : Air Berlin streicht acht Flüge von und nach Berlin

Bei Tuifly und Air Berlin fallen Flüge aus, weil sich Tuifly-Mitarbeiter krank melden. Sie protestieren gegen den geplanten Umbau des Unternehmens.

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Eine Boeing 737-800 von Tuifly auf dem Vorfeld des Hannover Airport in Hannover-Langenhagen.
Eine Boeing 737-800 von Tuifly auf dem Vorfeld des Hannover Airport in Hannover-Langenhagen.Foto: dpa

Böse Überraschung für all diejenigen, die das lange Wochenende für einen Kurztrip genutzt hatten: Zahlreiche Flüge des Ferienfliegers Tuifly sind am Montag gestrichen worden oder hatten Verspätungen. Betroffen waren vor allem Flüge von und nach Palma de Mallorca. Auch Verbindungen des Tuifly-Partners Air Berlin waren betroffen. Insgesamt wurden am Montag 21 Air Berlin- Flüge aufgrund der Crewengpässe bei Tuifly gestrichen. „Für den Großteil haben wir Ersatzflüge bereitgestellt oder haben unseren Gästen nach Möglichkeit alternative Reiseoptionen angeboten“, sagte eine Air Berlin-Sprecherin dem Tagesspiegel. „Von und nach Berlin mussten insgesamt acht Flüge gestrichen werden.“

Ein Tuifly-Sprecher sprach am Montag von vereinzelten Beeinträchtigungen, wie viele Flüge und Passagiere insgesamt betroffen waren, teilte das Unternehmen nicht mit. Air Berlin ist betroffen, weil die Fluggesellschaft 14 Flugzeuge samt Crew von Tuifly gemietet hat. Die Maschinen sind äußerlich nicht von eigenen Flugzeugen zu unterscheiden. Die Boeings fliegen mit Air Berlin-Logo am Leitwerk, die Flugbegleiter tragen Air Berlin-Uniformen, obwohl sie auf der Gehaltsliste von Tuifly stehen.

Viele Mitarbeiter haben Angst

Bei Tuifly macht man Crewengpässe für die Probleme verantwortlich. Offensichtlich haben sich zahlreiche Mitarbeiter krank gemeldet – wohl aus Protest gegen den anstehenden Totalumbau im Unternehmen. Eine konzertierte Aktion der Gewerkschaften stehe nicht dahinter, sagte Nicoley Baublies, Chef der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, dem Tagesspiegel. Auch die Pilotenvereinigung Cockpit betont, ihre Mitglieder nicht zu Aktionen aufgefordert zu haben. „Aber viele Mitarbeiter haben Angst, und die Krankmeldungen sind eine verständliche Reaktion darauf – Angst führt zu Unsicherheiten, die sich Flugbegleiter in ihrem Job nicht erlauben dürfen", glaubt Baublies.


Tatsächlich stehen Tuifly, Air Berlin und die Air Berlin-Tochter Niki vor großen Veränderungen. Nach Brancheninformationen sollen Tuifly, Niki und ein Teil von Air Berlin – die Rede ist von 35 Maschinen – in eine neue Dachgesellschaft eingebracht werden, die ihren Sitz in Österreich haben soll. An dieser Gesellschaft sollen die Tuifly-Mutter Tui und Air Berlin-Großaktionär Etihad beteiligt sein.

Lufthansa will bis zu 40 Maschinen übernehmen

Der Umbau ist Teil der Anstrengungen, um Air Berlin, die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, vor der Pleite zu bewahren. Der Leasingvertrag mit Tuifly ist eines der Probleme, die der Berliner Gesellschaft zusetzen. Die Pauschale, die Air Berlin dem Ferienflieger für seine Dienste zahlt, ist Branchenkennern zufolge so hoch, dass der Deal für die Berliner unwirtschaftlich ist. Anders übrigens als das vergleichbare Geschäft, das Air Berlin mit der Lufthansa vereinbart hat. Die Kranichgesellschaft will bis zu 40 Maschinen übernehmen – auch das in Form des „Wet-Lease“. Air Berlin stellt die Crew, wartet und versichert die Flieger und bekommt dafür eine Pauschale von der Lufthansa. Diese, so munkelt man in Branchenkreisen, sei aber so bemessen, dass das Geschäft mehr der Lufthansa diene als Air Berlin.

Auf die Mitarbeiter kommen schwere Zeiten zu. Bis zu 1200 Jobs sind bei Air Berlin bedroht. Die Beschäftigten von Tuifly fürchten um ihre Arbeitsbedingungen, wenn ihr Unternehmen unter einem österreichischen Dach arbeitet. Was wird aus den Tarifverträgen, was wird aus den Arbeitsplätzen? Die Unsicherheit, so heißt es in Branchenkreisen, sei groß. Deshalb sei es kein Wunder, dass die Belegschaft ein Zeichen setze und sich die Krankmeldungen häufen. Berichte, nach denen das Tui-Management für die Beschäftigten nach bisherigem Verhandlungsstand eine Art Bestandsschutz durchgesetzt haben soll und dass das bisherige Tarifgefüge für die Tuifly-Mitarbeiter fortgelten soll, scheinen die Beschäftigten nicht zu glauben.

Die Leidtragenden sind die Passagiere. Im Internet können Air-Berlin-Kunden nachlesen, ob ihr Flug betroffen ist. „Gäste, deren Flug Teil einer Pauschalreise ist, werden gebeten, sich an den jeweiligen Reiseveranstalter beziehungsweise das Reisebüro zu wenden“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

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