Crowdfunding : Was der Schwarm schafft

Crowdfunding ist ein wichtiges Instrument der Finanzierung und Motor der Innovation.

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In guter Gesellschaft. Zusammen kann man viel bewegen und die Lasten auf viele gleichmäßig verteilen.
In guter Gesellschaft. Zusammen kann man viel bewegen und die Lasten auf viele gleichmäßig verteilen.Foto: imago/Westend61

Als Tom Rodinger, Gimmy Chu und Christian Yan beschlossen, die energieeffizienteste Glühbirne der Welt zu produzieren, starteten sie im vergangenen Jahr eine Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter, um das nötige Kleingeld dafür aufzutreiben. Die innovative Birne namens Nanoleaf One aus 30 energiesparsamen LED, die auf bedruckten Leiterplatten zu einer Art Birne geformt werden, wurde zum Hit und überzeugte über 7000 Investoren, zwischen einem bis zu 10 000 Dollar in das Vorhaben zu investieren.

Bis zum Ende der Kampagnenlaufzeit von wenigen Monaten brachten es die Erfinder aus Toronto so auf 273 278 Dollar. Mehr als sie erwartet hatten und mehr als genug, um ihr erstes Produkt zu entwickeln und an ihre Unterstützer auszuliefern.

Gerade haben sie über eine zweite Kickstarter-Kampagne die Entwicklung der Nanoleaf Bloom, eine dimmbare Version ihrer neuartigen LED-Birne, finanziert. Angetreten waren sie, 30 000 Dollar aufzutreiben, am Ende waren es über 190 000. Pünktlich zu Weihnachten sollen ihre Investoren die ersten Blooms in den Händen halten und ausprobieren können. Außerdem hat es Nanoleaf nun auch in die Geschäfte geschafft. EarthLED, einer der erfolgreichsten LED-Birnen-Händler in Nordamerika, vertreibt seit November die Nanoleaf One. Eine echte Crowdfunding-Erfolgsgeschichte.

Was mit einer Handvoll Pionieren begann, ist heute ein Markt

Crowdfunding ist hierzulande noch verschwindend wenig bekannt“, sagt Patrick Mijnals, geschäftsführender Gesellschafter der Crowdfunding-Plattform Bettervest. „Und das obwohl Crowdfunding von Start-ups hier früher möglich war als in den USA.“ Dabei gibt es Unterschiede in der Schwarmfinanzierung. Einige Plattformen konzentrieren sich auf bestimmte Branchen oder Vorhaben und längst ist nicht alles Risikokapital. Auch gibt es einen Unterschied zwischen Crowdfunding und Crowdinvestment. Beim Investment kauft der Anleger Firmenanteile und ist etwa am Erfolg eines Start-ups finanziell beteiligt. Beim Funding gibt es eine symbolische Gegenleistung oder wie im Fall von Nanoleaf ein Set LED-Birnen und ein T-Shirt.

So unterstützt Bettervest zum Beispiel mittelständische Unternehmen dabei, Energieeffizienzmaßnahmen zu finanzieren. Als Gegenleistung erhalten Investoren Belohnungen. Startnext konzentriert sich auf die Finanzierung von kreativen Projekten und sozialen Geschäftsmodellen. Seedmatch hat sich dagegen auf Start-ups spezialisiert und bietet Anlegern die Möglichkeit, mit Beteiligungen ab 250 Euro dabei zu sein. Und Bergfürst, das 2012 als elektronischer Handelsplatz für Unternehmensanteile begann, hat jetzt eine Bankenlizenz und bietet Unternehmen statt der Crowdfunding-üblichen Darlehen über seine Anleger eine Eigenkapitalfinanzierung an und nennt das ganze Neo-Investment.

Was also vor vier Jahren mit einer Handvoll Pionieren begann, ist heute ein ausdifferenzierter Markt. „Aktuell gibt es in Deutschland rund 70 Crowdfunding-Plattformen“, sagt Thorsten Jahnke, Geschäftsführer der iq consult, einer Agentur für soziale Innovationen. „So genau kann man das gar nicht sagen, da es hier inzwischen ein weites Spektrum von einzelnen Funding-Aufrufen von Künstlern bis zu standardisierten Crowdinvesting-Plattformen für Unternehmensbeteiligungen gibt.“ Daher lasse sich das Crowdfunding-Volumen auch nicht exakt bestimmen. Allerdings gehen Branchenkenner für 2014 von 20 Millionen Euro für deutsche Plattformen aus.

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