Wirtschaft : Das Kreuz mit den Pillen

Nach der Krise läuft das Chemiegeschäft des Bayer-Konzerns besser als die Gesundheitssparte

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Der Himmel über Bayer. Hier, in Berlin-Wedding, ist die Tochter Bayer Schering Pharma zu Hause, deren Gewinne derzeit sinken. Foto: AFP
Der Himmel über Bayer. Hier, in Berlin-Wedding, ist die Tochter Bayer Schering Pharma zu Hause, deren Gewinne derzeit sinken....Foto: AFP

Berlin - 16 Prozent mehr Umsatz und 12,4 Prozent mehr Gewinn konnte der neue Bayer-Vorstandschef Marijn Dekkers am Donnerstag auf seiner ersten Quartalspressekonferenz vermelden: Von Juli bis September stieg der Umsatz von 7,4 Milliarden im Vorjahresquartal auf 8,6 Milliarden Euro, das Konzernergebnis legte von 249 auf 280 Millionen Euro zu. „Unser Geschäftsverlauf war auch im dritten Quartal zufriedenstellend“, sagte Dekkers in Leverkusen. Bayer profitierte von der kräftigen Erholung seiner Kunststoffsparte, die in der Krise besonders gelitten hatte.

Die Bayer-Zahlen hätten aber noch besser sein können, wären da nicht die hohen Rückstellungen des Chemie- und Pharmakonzerns für Rechtsstreitigkeiten – im dritten Quartal immerhin 436 Millionen Euro. In den USA drohen dem Unternehmen sowohl Entschädigungszahlungen für einen vier Jahre zurückliegenden Genreis-Skandal als auch 4800 Klagen von Nutzerinnen der Pillen Yaz und Yasmin. Die Pillen werden von der Berliner Tochter Bayer Schering Pharma produziert und gehören zu den umsatzstärksten Medikamentengruppen des Konzerns. Bayer behalte 386 Millionen Euro für Vergleichszahlungen an Reis-Erzeuger und Händler in den USA ein, weitere 50 Millionen für Rechtsfälle bei Yaz und Yasmin, teilte Bayer mit. Bei letzteren geht es um ein möglicherweise erhöhtes Thrombose-Risiko, das diese Pillen mit dem Wirkstoff Drospirenon auslösen könnten. Die Rückstellungen lasteten auf der Bayer-Aktie, die 1,6 Prozent einbüßte.

Die Diskussion um das Bayer-Schering-Produkt-Yaz war mit ein Grund, warum der Umsatz mit der Produktfamilie im dritten Quartal erneut um 28 Prozent zurückging. Noch stärker habe er aber unter den Nachahmerpräparaten gelitten, die der israelische Pharmakonzern Teva auf den Markt gebracht hatte: „Die Konkurrenz von Teva hat Yaz in Amerika seit Juni sehr unter Druck gesetzt", sagte Dekkers. Auch sorgten die Gesundheitsreformen in vielen Ländern für „schwierige Marktbedingungen“. Der Umsatz der Gesundheitssparte (Health Care), zu der auch das Pharmageschäft zählt, erhöhte sich zwar auf 4,3 Milliarden Euro, der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel aber leicht zurück. Vorstandschef Dekkers sieht das Ziel für 2010, beim bereinigten Ergebnis mindestens auf Vorjahresniveau zu landen, nun als ambitioniert an.

Im Geschäft mit Kunststoffen (Material Science) konnte Bayer dagegen sein bereinigtes Ebitda im Vergleich zum Vorjahresquartal um fast 72 Prozent auf 409 Millionen Euro steigern. Hier profitierte die Sparte, um die es schon häufig Verkaufsgerüchte gab, nicht nur von hohen Absatzzuwächsen, sondern auch von Preiserhöhungen. „Für MaterialScience gewinnt Asien – vor allem China – weiter Bedeutung als Abnehmermarkt“, sagte Dekkers. Nun soll der Umsatz schon weit früher als 2012 wieder auf Vorkrisenniveau liegen.

Gut lief es auch im Pflanzenschutzbereich CropScience, in dem Bayer nicht nur von einer gestiegenen Nachfrage profitierte, sondern auch von Währungseffekten. Der bereinigte operative Gewinn des Bereichs legte zu.

Für das Gesamtjahr erwartet Bayer-Chef Dekkers wie bisher einen Anstieg des bereinigten operativen Konzerngewinns auf mehr als sieben Milliarden Euro nach 6,47 Milliarden Euro im Krisenjahr 2009. „Wir werden in Zukunft sehr aggressiv in unser Wachstum investieren und weniger für Administration ausgeben“, sagte Dekkers.

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