Das Traumschiff : MS Deutschland meldet Insolvenz an

Der Betreiber der "MS Deutschland", die man aus der ZDF-Serie Traumschiff kennt, hat Insolvenz angemeldet. Was das fürs Schiff und für Anleger bedeutet.

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Das ZDF dreht auf der MS Deutschland das Traumschiff.
Das ZDF dreht auf der MS Deutschland das Traumschiff.Foto: dpa

Noch schippert die MS Deutschland durchs Mittelmeer. Am Mittwochmorgen hat sie im Hafen von Iraklio auf Kreta festgemacht. Traumwetter, Traumstrand, alles wie immer. Und doch ist diesmal alles anders. Die Reise durch die Ägäis könnte eine der letzten des Dampfers sein, auf dem die ZDF-Serie Traumschiff gedreht wird. Am Mittwoch musste die Betreibergesellschaft der MS Deutschland Insolvenz anmelden.

Die Probleme waren lange bekannt. Im Vergleich zur Konkurrenz ist das Traumschiff sehr klein. Gerade einmal 480 Passagiere haben darauf Platz. Weil bei einem kleinen Schiff aber Kosten – zum Beispiel für den Sprit – stärker ins Gewicht fallen, ist es schwer, es wirtschaftlich zu betreiben. Die MS Deutschland hat seit Jahren Verluste geschrieben und mehrmals den Eigentümer gewechselt.

Drei Monate hat der Betreiber noch Zeit für die Sanierung

Zuletzt hat sich die Lage dann zugespitzt. In einer Mitteilung der Betreibergesellschaft ist die Rede von „einer sich unerwartet schnell entwickelnden negativen Finanz- und Vermögenslage“. Übersetzt heißt das: Der Betreibergesellschaft, hinter der der Münchner Investor Callista steht, ist das Geld ausgegangen.
Was jetzt mit der MS Deutschland passiert, ist offen. Die Betreiber haben ein Insolvenzverfahren in Eigenregie beantragt. Dadurch gewinnen sie drei Monate Zeit, um das Schiff wirtschaftlich zu sanieren. Gelingt ihnen das nicht, wird ein Insolvenzverwalter bestellt. Der könnte das Schiff verkaufen oder im schlimmsten Fall verschrotten lassen.

Kleinanleger haben 50 Millionen Euro in das Schiff investiert

Vor allem für gut 1000 Kleinanleger sind das schlechte Nachrichten. Sie hatten sich über Mittelstandsanleihen an dem Schiff beteiligt. 50 Millionen Euro haben sie zusammen investiert. Viele hielten die Papiere für eine sichere Anlage. Schließlich kannten sie das Schiff aus dem Fernsehen. Jetzt haben sie nur zwei Möglichkeiten: abwarten oder ihre Anteile verkaufen. In beiden Fällen dürften sie allerdings hohe Verlust machen. In der Branche heißt es, der Schrottpreis des Schiffes liege bei 4,5 Millionen Euro. Abzüglich Kosten könnten Anleger so möglicherweise nur zehn Prozent ihres Geldes zurückbekommen.

Trotz der Finanzprobleme setzt die MS Deutschland ihre Reise durchs Mittelmeer fort - zumindest bis sie Mitte November, wie lange geplant, in die Werft kommt. Eigentlich wollte man dann kleine Balkone anbringen, um das Schiff noch luxuriöser zu machen. Ob dafür aber das Geld reicht, ist fraglich – und wohin die Reise des Traumschiffs dann geht, erst recht nicht.

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