Debatte im Ludwig-Erhard-Haus : Wen Unternehmer wählen würden

Spitzenkandidaten diskutierten mit Berliner Unternehmern im Ludwig-Erhard-Haus - fast alle Spitzenkandidaten, nur Wowereit fehlte erneut. Und Künast will die Piratenpartei "resozialisieren".

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Er hat die Wahl gewonnen - allerdings nur bei den Unternehmern. Im Ludwig-Erhard-Haus siegte CDU-Kandidat Frank Henkel bei einer Abstimmung.
Er hat die Wahl gewonnen - allerdings nur bei den Unternehmern. Im Ludwig-Erhard-Haus siegte CDU-Kandidat Frank Henkel bei einer...Foto: dapd

Renate Künast kommt zwar etwas zu spät zur Diskussion der Berliner Spitzenkandidaten mit Unternehmern, aber immerhin ist sie dabei, während der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit fehlt. Die Elefantenrunde im Ludwig-Erhard-Haus tagt 13 Tage vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus und muss ohne den mächtigsten Elefanten der Stadt auskommen.

Den Kammern soll Wowereit zur Begründung mitgeteilt haben, solche Runden seien langweilig, wie er dies schon vorher bei solchen Anlässen hatte verlauten lassen. Viele im Publikum nehmen die Erklärung des Regierenden kopfschüttelnd zur Kenntnis.

Rund 400 Unternehmer sind der Einladung der IHK, der Handwerkskammer und des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) gefolgt. Schon am Eingang dürfen sie Stimmzettel ausfüllen – mit einem Ergebnis, das für Berlin wohl einzigartig bleiben wird: CDU-Spitzenmann Frank Henkel erreicht stolze 51 Prozent Zustimmung, seine Partei kommt sogar auf 57 Prozent.

Für Wowereits SPD stimmen dagegen nur 21 Prozent, für Künasts Grüne zwölf Prozent. Die FDP jedoch würden die Unternehmer wieder ins Parlament wählen – mit sechs Prozent der Stimmen. Die Linke dagegen nicht, sie erreicht nur vier Prozent. Aber FDP-Spitzenkandidat Christoph Meyer sowie Wirtschaftssenator und Linken-Spitzenkandidat Harald Wolf schneiden mit drei Prozent Zustimmung gleichermaßen miserabel ab.

IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder und VBKI-Geschäftsführer Udo Marin fragen die Kandidaten nach Wahlchancen und Koalitionen. Meyer muss sich vorhalten lassen, dass selbst die Piratenpartei in Umfragen vor der FDP liegt, und trägt flugs ein „Funktionsargument“ in die Debatte: „Nur mit der FDP reicht es nicht für Rot-Rot.“

Dann machen sich die Moderatoren den Spaß, die Kandidaten zur Begründung fiktiver Koalitionen aufzufordern: So soll Künast erklären, warum sie mit der Links- und der Piratenpartei regieren wolle. Auch Piraten könne man „resozialisieren“ und „ins bürgerliche Lager holen“, damit sie nicht noch einmal zur Wahl anträten, ulkt Künast.

Die von der IHK nicht eingeladene Piratenpartei reagiert prompt auf Künasts Statement: „Ist die Mitgliedschaft in einer demokratischen Partei resozialisierungsbedürftig?“, schreibt Christopher Lauer, der für die Piraten für Abgeordnetenhaus- und BVV-Wahlen kandidiert, später in einem offenen Brief an die Grünen-Kandidatin. Der fast nur aus Fragen bestehende Brief gipfelt in der "Zusatzfrage": "Hätten Sie sich in den 80er Jahren gerne von z.B. Dr. Helmut Kohl resozialisieren lassen? Wenn Nein, warum nicht?"

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