Wirtschaft : Der Nemax 50 schafft Ordnung am Neuen Markt

ULF SOMMER (HB)

Mehr als 500 Prozent legte der Neue-Markt-Index seit seiner Einführung im März 1997 zu. Und die Hausse geht weiter, sagen die Experten. "Der Neue Markt wird bald deutlich höher laufen", ist sich Reinhard Ploder, Fondsmanager der österreichischen Raiffeisen-Zentralbank, sicher. "Mittel- und langfristig wird der Neue Markt besser als der Dax laufen. Neue-Markt-Werte sind viel billiger als vergleichbare Wachstumswerte in anderen Segmenten", sagen die Invesco-Analysten Michael Fraikin und Karl Fickel.Das nach der amerikanischen Nasdaq weltweit größte Wachstumssegment boomt wie nie zuvor. Seit Jahresanfang hat sich die Zahl der Notierungen mehr als verdoppelt. "Schon bald werden es 300 bis 400 Werte sein", prognostiziert Ploder. Kehrseite des deutschen Gründerbooms: Die Übersichtlichkeit geht verloren. Um Ordnung in das Aktienchaos zu bringen, entschied sich die Deutsche Börse in Frankfurt, die 50 größten Werte im Nemax 50 zusammenzufassen.Analysten und Fondsmanager sind von der Entscheidung begeistert. "Der Nemax wird sich besser als der Gesamtmarkt entwickeln", ist sich Ploder mit den meisten Kollegen einig. Die Argumente: Kleinanleger, Fondsmanager und vor allem ausländische Investoren konzentrieren sich künftig auf das neue Segment. Das erspart Amateuren wie Profis die Mühe, täglich neue Werte analysieren zu müssen, die im Gesamtmarkt ihr Debüt feiern. Die höhere Marktkapitalisierung und Liquidität sprechen für die Top 50. Anleger, die Indexzertifikate bevorzugen, treiben zusätzlich die im Nemax 50 notierten Aktien in die Höhe.Kleinere Firmen reagieren prompt: Das Softwareunternehmen PSI kündigte in dieser Woche an, 5,2 Mill. Namensaktien in Inhaberstückaktien umzuwandeln und an die Börse zu bringen. Auf diese Weise erhöht PSI seine Kapitalisierung und schafft so eine wesentliche Voraussetzung für die künftige Aufnahme in den Nemax 50. An der Börse zog PSI daraufhin kräftig an. Die Einzelempfehlungen der Bankhäuser und Fondsmanager belegen die Vorliebe für große Unternehmen. Wer im Nemax 50 ganz vorne dabei ist, wird auch am häufigsten als "Kauf" empfohlen."Vom Geschäft und der Ertragsdynamik haut mich EMTV jedesmal wieder um. Die Kursdynamik wird durch Erträge getragen", schwärmt BfG-Invest-Analyst Ludger Vossenberg vom Dauerhighflyer am Neuen Markt. Auch die Experten von Universal-Investment sehen EMTV als einen der aussichtsreichsten Titel. Zeichentrickfilme und die Vermarktung der Trickfiguren seien die Wachstumsbranche schlechthin. Wegen des bevorstehenden 1:25-Splits der Aktie hält BHF-Bank Analyst Sebastian Stroh EMTV für interessant.Schwergewicht LHS steht der Filmaktie in der Gunst der Analysten nicht nach. Ein zusätzlicher Vorteil: Das auch in den USA notierte Unternehmen gilt nach dem kräftigen Kurssturz im Frühjahr als billig. Vor allem der jüngst abgeschlossene Deal mit Siemens begeistert die Analysten. Der Elektroriese stärke die LHS-Vertriebsstruktur erheblich.Auch Consors, ein weiteres Schwergewicht im Nemax 50, steht auf der Favoritenliste vieler Fonds. "Der größte Teil der Aktiengeschäfte wird in Zukunft über das Internet abgewickelt. Und hier ist Consors hervorragend etabliert", glauben Michael Frankin und Karl Fickel von Invesco. Vor allem die mehrheitliche Übernahme des französischen Brokerhauses Axfin durch den Online-Broker klingt vielversprechend: Der Markt im Nachbarland verfügt noch über erhebliches Wachstumspotential.Lohnt es sich überhaupt noch, in kleinere Werte zu investieren, wenn Fondsmanager und Bankhäuser nur die Blue Chips in ihr Portfolio legen? "Die Aufnahme in den Index macht aus einem schlechten Unternehmen noch kein gutes. Auch im Nemax 50 verbergen sich 10 bis 15 Zitronen", bremst Fondsmanager Michael Gierse, Union Investment, allzu große Euphorie. "Es gibt auch kleinste Werte mit einer interessanten Wachstumsstory", schlägt Marc Schädler, Nordinvest-Analyst, eine Lanze für Mini-Unternehmen. Einen entscheidenden Nachteil muß der neue Blue-Chip-Index in Kauf nehmen: Hartgesottene Zocker meiden ihn wie der Teufel das Weihwasser. Sie konzentrieren sich lieber auf kleinste Werte, um so die Kurse zumindest kurzfristig so richtig in die Höhe zu treiben.

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