Wirtschaft : Der Strom wird immer grüner

Anteil der Erneuerbaren steigt auf 20 Prozent/ Deutlich weniger Atomenergie infolge der Energiewende.

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Nach einem schwachen Windjahr 2010 stieg der Anteil der Windenergie in 2011 auf 7,6 Prozent. Die Erneuerbaren insgesamt sind der zweitwichtigste Stromproduzent. Foto: rtr
Nach einem schwachen Windjahr 2010 stieg der Anteil der Windenergie in 2011 auf 7,6 Prozent. Die Erneuerbaren insgesamt sind der...Foto: REUTERS

Berlin - Die Umstellung der deutschen Energiewirtschaft kommt voran. Knapp ein Fünftel des hierzulande erzeugten Stroms stammt inzwischen aus erneuerbaren Energien. Gleichzeitig fiel in diesem Jahr, nach der Atomkatastrophe von Fukushima, der Anteil der Kernenergie deutlich, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am Freitag mitteilte. Vertreter der Windenergie sehen die Bundesrepublik schon „auf einem guten Weg in Richtung der Umstellung unserer Energieversorgung auf 100 Prozent erneuerbare Energien“. Dieser Weg ist allerdings lang. Und sowohl von der Wirtschaft als auch von der Politik wurde am Freitag die Notwendigkeit von Investitionen vor allem in den Netzausbau betont. Dringend erforderlich sind Übertragungsnetze, die den (Wind-) Strom von der Küste und aus dem Osten in den verbrauchsstarken Süden und Westen der Republik leiten. Daneben fehlen intelligente Verteilnetze für die zunehmend dezentrale Stromerzeugung mit starken Schwankungen bei der Erzeugung des grünen Stroms. Nach Angaben des BDEW schwankt das Ökostromvolumen im Monatsdurchschnitt um bis zu drei Milliarden Kilowattstunden. Das wiederum entspräche einem Viertel der gesamten erneuerbaren Stromerzeugung, schreibt der Verband.

„Trotz der erfreulichen Dynamik bei der Erzeugung sind die Erneuerbaren noch weit davon entfernt, ausreichend Grundlaststrom bereitzustellen“, kommentierte BDEW-Chefin Hildegard Müller die jüngsten Zahlen. Daneben halte der Ausbau der Leitungsnetze „nicht einmal annähernd Schritt“ mit der Bedeutung der Erneuerbaren. Müller sprach von einer „wachsenden Verantwortung“ der Erneuerbaren „für das Funktionieren des Gesamtsystems. „Der Handlungsdruck für eine Markt- und Systemintegration steigt.“

Tatsächlich verdankt sich der Erfolg der Erneuerbaren vor allem der massiven Förderung auf Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das vor mehr als zehn Jahren von der rot-grünen Regierung eingeführt worden war. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) lehnte am Freitag eine erneute Änderung des Gesetzes ab, nachdem es gerade erst eine Novelle gegeben hatte.

Vor allem die relativ hohe Förderung der Solarenergie ist immer wieder Gegenstand der Kritik und auch des Streits zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium. Röttgen denkt aber an keine Korrekturen, weil „Verlässlichkeit gefragt ist und nicht Verunsicherung. Verunsicherung ist Gift für die Energiewende“, sagte der Umweltminister nach Gesprächen mit Branchenvertretern über die Energiewende. An den Beratungen, die sich insgesamt über vier Tage erstreckten, nahmen Vertreter diverser Branchen und von Gewerkschaften teil. Die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) plädiert seit langem für die Einrichtung eines Energieministeriums als eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende. In dieser Regierungskoalition wird damit indes nicht mehr gerechnet.

Am stärksten betroffen von der Energiewende sind die Atomkonzerne Eon, RWE und EnBW. Die Eon-Führung arbeitet derzeit an einer Neuausrichtung des Konzerns, die bis zu 6000 Arbeitsplätze kosten könnte. Dagegen setzte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Freitag ein „Alternativprogramm, das Gewinnperspektiven für den Konzern bedeutet und Arbeitsplätze der Beschäftigten sichern kann“. Im Kern geht es um neue Geschäftsfelder infolge der Energiewende: Dezentrale Kundenanlagen, mehr Kraft-Wärme-Kopplung und mehr Biomasseanlagen, Neubau von grundlastfähigen Gaskraftwerken sowie die Entwicklung von Speichertechnologien.

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