Deutsche Bahn und Gewerkschaften : Tarifverhandlungen gestalten sich schwierig

Bei den Tarifverhandlungen mit der Bahn ringen die Gewerkschaften GDL und EVG um ihre Vormachtstellung. Für die Reisenden könnte das wieder Streiks bedeuten.

Verworren. Die Tarifverhandlungen zwischen Deutscher Bahn und den Gewerkschaften kommen nur schwer in Gang.
Verworren. Die Tarifverhandlungen zwischen Deutscher Bahn und den Gewerkschaften kommen nur schwer in Gang.Foto: dpa

Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaften stehen vor den schwierigsten Tarif-Verhandlungen seit Jahren. Für Reisende könnte dies wieder Streiks bedeuten. Der Staatskonzern, die Lokführer-Gewerkschaft GDL sowie die größere Gewerkschaft EVG konnten sich am Montag in Frankfurt noch nicht einmal auf einen Verhandlungsweg verständigen. “Was wir heute erlebt haben, ist ein beispielloser Rückschritt“, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Im Mittelpunkt des Treffens hätten die Machtverhältnisse zwischen den Gewerkschaften gestanden. Weber machte vor allem die Lokführer der GDL für das Scheitern der Gespräche verantwortlich. Die GDL äußerte sich zunächst nicht.

Bislang führten die Gewerkschaften GDL und EVG die Verhandlungen zu gleichen Teilen

Ziel der Bahn war es, die anstehenden Tarifverhandlungen für rund 140.000 Beschäftigte zwischen den beiden Gewerkschaften aufzuteilen. In den vergangenen Jahren hatte die GDL für die rund 20.000 Lokführer verhandelt, die Eisenbahn Verkehrsgewerkschaft (EVG) für die übrigen. Das Abkommen über diese Aufteilung ist jedoch ausgelaufen, die GDL will jetzt auch für über 10.000 Mitarbeiter des sonstigen Zugpersonals verhandeln, die EVG dann im Gegenzug auch für Lokführer. Kompromissvorschläge der Bahn sowie ein Konzept der GDL wurden verworfen.

Die Bahn lehnt Verhandlungen mit zwei Gewerkschaften zur gleichen Berufsgruppe ab

Damit droht am Mittwoch der nächste Konflikt: Dann wollten Bahn und GDL eigentlich über Löhne verhandeln. Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Geld, bessere Schichtregelungen und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 37 von 39 Stunden - für das ganze Zugpersonal. Die Bahn hat dies bereits unannehmbar genannt und lehnt zudem Verhandlungen mit zwei Gewerkschaften zur gleichen Berufsgruppe ab. “Tarifkonkurrenz funktioniert im Alltag absolut nicht und ist Gift für ein geordnetes Miteinander“, sagte Personalvorstand Weber. Verschiedene Regelungen etwa für Schichtpläne für unterschiedliche Gewerkschaftsangehörige wolle man
unbedingt vermeiden.

GDL und EVG konkurrieren seit Jahren um neue Mitglieder

Die Bahn wollte am Mittwoch eigentlich erstmals ein Angebot für Lokführer vorlegen. Jetzt erklärte das Unternehmen, sie prüfe zunächst die neue Lage. Die Gewerkschaft EVG hat noch keine Forderungen formuliert. Sie und die GDL stehen seit Jahren in Konkurrenzkampf um neue Mitglieder. rtr

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