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Deutsche-Bank-Chef vor Gericht : Prozess gegen Jürgen Fitschen soll im April beginnen

Es geht um versuchten Betrug im Kirch-Prozess. Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, muss sich vor Gericht verantworten. Dort wird er unter anderem Vorgänger Josef Ackermann treffen.

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Muss auf die Anklagebank: Jürgen Fitschen.
Muss auf die Anklagebank: Jürgen Fitschen.Foto: dpa

Dass der Job alles andere als leicht werden würde, war Jürgen Fitschen klar, als er im Juni 2012 zusammen mit Anshu Jain die Führung der Deutschen Bank übernahm. Die Krise des Instituts, der Umbau, all das versprach Arbeit genug. Hinzu kamen die vielen Rechtsprobleme. Fitschen war sich derer bewusst, auch wenn er wohl ihre Dimensionen unterschätzt hatte. Dass er allerdings selbst einmal als Angeklagter vor Gericht stehen würde, war das Letzte, mit dem der mittlerweile 66 Jahre alte Banker gerechnet haben dürfte.

Doch nun muss sich Fitschen ab dem 28. April vor dem Landgericht München wegen Prozess-Betrugs verantworten. Eine Sprecherin des Gerichts bestätigte am Montag die seit Tagen kursierenden Spekulationen. Die Anklage gegen Fitschen, die die Staatsanwaltschaft im September vergangenen Jahres eingereicht hatte, werde in vollem Umfang zugelassen. Sie richtet sich auch gegen Fitschens Vorgänger Rolf Breuer und Josef Ackermann sowie die ehemaligen Bank-Vorstandsmitglieder Clemens Börsig und Tessen von Heydebreck. Alle Banker sollen im Zuge des Kirch-Prozesses falsche Angaben gemacht und sich dabei abgesprochen haben. Ein Sprecher der Deutschen Bank betonte, das Institut kommentiere laufende Verfahren nicht. „Für alle aktuellen und ehemaligen Vorstandsmitglieder der Bank gilt aber die Unschuldsvermutung“, hieß es.

Fitschen ist von seiner Unschuld überzeugt

Für Fitschen war der Fall Kirch eigentlich abgehakt. Die Bank hatte sich mit den Erben des Medienunternehmers Kirch auf einen 925 Millionen Euro teuren Vergleich geeinigt. Als dann ein halbes Jahr später die Anklage wegen Prozessbetruges auf dem Tisch von Fitschen landet, war er empört. Klein bei zugeben und sich erneut auf einen Vergleich einzulassen, lehnte er ab. Warum sollte er das auch tun? Schließlich ist er von seiner Unschuld felsenfest überzeugt. Ebenso wie Weggefährten und Geschäftspartner Fitschens. Er gilt als seriös, solide und zurückhaltend, quasi als Vorbild eines ehrbaren Kaufmanns. Der Norddeutsche genießt vor allem im Mittelstand hohes Ansehen. Auch deshalb soll er dem Investmentbanker Anshu Jain mindestens noch bis 2017 an der Spitze der Bank zur Seite stehen.

Aber die Probleme haben sich für Fitschen wie auch Co-Chef Jain eher vergrößert als verkleinert. Geschäftlich hinkt die Bank hinter der internationalen Konkurrenz hinterher. Der versprochene Kulturwandel wird nur langsam sichtbar. Und die Rechtsstreitigkeiten wollen kein Ende nehmen. Gerade arbeiten Jain und Fitschen an einer neuen Strategie. Letzterer muss sich zusammen mit seinen Anwälten jetzt auch noch um eine Strategie für den Auftritt vor dem Münchner Landgericht kümmern. Ganz sicher werden die Anwälte Fitschen eines klarmachen: Ein Victory-Zeichen, wie von Vorgänger Josef Ackermann am ersten Tag des Mannesmann-Prozesses, ähnliche Gesten oder Äußerungen darf es von seinem Nachfolger nicht geben.

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