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Deutsche Bank im Umbau : Der Gewinn bricht um 98 Prozent ein

Der Konzernumbau kostet, die Rechtsstreitigkeiten auch und im Investmentbanking läuft es ebenfalls nicht rund. Nur so gerade schafft es die Deutsche Bank, im zweiten Quartal keinen Verlust zu machen.

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Nur so gerade hat es die Deutsche Bank im zweiten Quartal geschafft, in den schwarzen Zahlen zu bleiben.
Nur so gerade hat es die Deutsche Bank im zweiten Quartal geschafft, in den schwarzen Zahlen zu bleiben.Foto: AFP

Es muss erst schlimmer werden, damit es besser werden kann. Das ist die Logik des John Cryan. Bereits Anfang des Jahres hat der Chef der Deutschen Bank seine Aktionäre auf schwache Zahlen vorbereitet – und sie in dieser Hinsicht nicht enttäuscht. Im zweiten Quartal ist der Gewinn der Großbank drastisch eingebrochen. Drastisch heißt: um 98 Prozent. Nur so gerade schaffte es das Institut, nicht in die Verlustzone zu rutschen. Unterm Strich blieben gerade einmal 20 Millionen Euro Gewinn übrig – im Vorjahreszeitraum waren es noch über 800 Millionen Euro gewesen. Auch wenn sie vorbereitet waren: Die Aktionäre reagierten enttäuscht, verkauften ihre Anteilsscheine am Mittwoch in Scharen. Um fast fünf Prozent brach der Kurs der Deutschen Bank zeitweise ein.

Cryan baut den Konzern um - und das kostet

Neben dem „schwierigen Marktumfeld“ nennt Cryan als Grund für die schwachen Zahlen den Konzernumbau. Er strukturiert Deutschlands größtes Geldinstitut derzeit radikal um – und das kostet. So hat Cryan bereits die Schließung von188 Filialen auf den Weg gebracht. Kurzfristig ist das teuer, langfristig soll es sich auszahlen. Denn die Zweigstellen kosten viel Geld, während sich dort immer weniger Kunden beraten lassen. Berlin ist von den Schließungen besonders stark betroffen, da die Deutsche Bank hier auch noch ihre Regionaltochter, die Berliner Bank, auflöst. Insgesamt fallen so in der Stadt 43 Zweigstellen weg –was in Bezirken zu großem Unmut führt. In Spandau fallen zum Beispiel gleich vier Filialen weg. Der Sozialstadtrat und die Seniorenvertretung haben sich bereits schriftlich an Bankchef Cryan gewandt. Doch wird der wohl kaum ihretwegen von seinem Plan abrücken. Er steht unter enormen Druck, muss dringend Kosten senken.

Der Druck kommt dabei gleich von mehreren Seiten. Zum Beispiel von Gerichten und Anwälten. Noch immer muss der Konzern für die Fehler der Vergangenheit zahlen. Es geht um Geldwäsche in Russland, die Manipulation von Zinsen oder den Verstoß gegen Wirtschaftssanktionen. Allein im zweiten Quartal haben die Rechtsstreitigkeiten das Haus 120 Millionen Euro gekostet. Insgesamt hat der Konzern für Strafen und Vergleiche 5,5 Milliarden Euro zur Seite gelegt.

Auch im Investmentbanking läuft es nicht gut

Und das ist nur eine Baustelle. Wie alle Institute spürt auch die Deutsche Bank die Niedrigzinsphase. Weil die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen niedrig hält, verdienen die Institute weniger Geld. In normalen Zeiten können sie von Kreditnehmern deutlich höhere Zinsen verlangen, als sie ihren Sparern zahlen. Doch derzeit funktioniert das nicht mehr. Um so wichtiger ist das Investmentbanking: Im Handel mit Derivaten, Anleihen oder Rohstoffen lässt sich auch in Niedrigzinszeiten Geld verdienen. Doch auch da hakt es bei der Deutschen Bank.

Bankchef John Cryan hat die Aktionäre bereits darauf vorbereitet, dass dieses Jahr nicht einfach wird.
Bankchef John Cryan hat die Aktionäre bereits darauf vorbereitet, dass dieses Jahr nicht einfach wird.Foto: dpa

Im Wertpapierhandel brachen die Erträge im zweiten Quartal um 28 Prozent ein, im Anleihehandel um 19 Prozent. Cryan räumt ein: „Wir haben schlechter abgeschnitten als unsere US-Wettbewerber.“ Wie auch andere europäische Geldhäuser droht die Deutsche Bank den Anschluss zu verlieren. Im Investmentbanking haben die US-Banken sie längst überholt. Wie gravierend dieser Wandel ist, zeigt eine Untersuchung des Analysehauses Tricumen. Demnach haben die acht größten europäischen Banken 2007 mit dem Handel von Devisen, Anleihen und Rohstoffen noch 48 Milliarden Dollar verdient – zehn Milliarden mehr als die fünf größten US-Institute. Inzwischen hat sich das Verhältnis umgekehrt. Während europäische Banken noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind, gelingt den US-Instituten der Aufschwung. Im vergangenen Jahr haben amerikanische Banken in diesem Bereich 43 Milliarden Dollar verdient – während die europäischen Häuser nur auf 26 Milliarden Dollar kamen. Cryan argumentiert, dass das auch „an den unterschiedlichen regionalen Schwerpunkten“ liegt. Die US-Märkte hätten sich schlichtweg besser entwickelt.

Welche Konsequenzen die Deutsche Bank zieht

Abwarten, das Problem aussitzen, will Cryan nicht. „Sollte das derzeit schwache wirtschaftliche Umfeld anhalten, müssen wir bei Geschwindigkeit und Intensität unseres Umbaus noch ehrgeiziger werden“, sagt er. Dabei sind die Sparmaßnahmen schon jetzt umfangreich. 9000 Arbeitsplätze sollen weltweit bis 2018 wegfallen. Aus zehn Auslandsmärkten zieht sich das Institut zurück. Doch auch das geht Cryan nun nicht mehr schnell genug. „Wir werden schon jetzt alles daran setzen, die geplanten Schritte zu beschleunigen“, sagt er.

Bleibt die Frage, was das für die Tochter Postbank bedeutet. Um ihre Kapitalquoten zu verbessern, will die Deutsche Bank sie loswerden – am liebsten über einen Börsengang. Doch angesichts der schlechten Entwicklung von Bankaktien rückt dieser Schritt in die Ferne. Der erhoffte Börsengang sei dieses Jahr nicht realistisch und auch nicht zwingend ein Thema für 2017, sagt Finanzchef Marcus Schenck.

Klar ist daher: Aktionäre der Deutschen Bank brauchen Geduld – die manche aber nicht mehr haben. Drei Hedgefonds sollen bereits gegen die Deutsche Bank wetten: Fällt der Aktienkurs des Instituts weiter, stecken sie Gewinne ein. Anderen Vorstandschefs würde das den Schweiß auf die Stirn treiben. John Cryan jedoch bleibt gelassen. Er weiß: Es muss erst schlimmer werden, damit es besser werden kann.

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