Deutsche Bank weist Vorwürfe zurück : Studie: Geldinstitute finanzieren Atomwaffen

Bei Streubomben und Landminen sind Banken inzwischen sensibilisiert. Anders soll es bei den Herstellern von Nukleartechnologie aussehen. Neben der Deutschen Bank investieren offenbar auch andere hiesige Institute.

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Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Dort wehrt man sich gegen die aktuellen Vorwürfe von Nichtregierungsorganisationen.
Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Dort wehrt man sich gegen die aktuellen Vorwürfe von...Foto: dpa

Deutsche Banken und Versicherungskonzerne gehören weiter zu den wichtigen Geldgebern von Atomwaffenherstellern. Die am Freitag vorgestellte dritte Studie „Don’t Bank On The Bomb“ der internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), zu der die deutschen Organisationen Urgewald und Facing Finance gehören, listet zehn deutsche Banken und Versicherungen auf. An der Spitze stehen die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Allianz. Genannt werden auch mehrere Landesbanken und die staatliche Förderbank KfW.

Alle hätten zwischen 2011 und 2014 weltweit 20 Hersteller von Nukleartechnologie mit insgesamt rund 7,2 Milliarden Euro in Form von Aktien, Anleihen und Krediten unterstützt. Speziell für die Herstellung von Atomwaffen waren es gut 1,9 Milliarden Euro. Anders als bei Streumunition und Landminen seien die Institute nicht bereit, sich von einschlägigen Kunden zu verabschieden, klagt Barbara Happe von Urgewald. Deutsche Bank und Commerzbank weisen dies zurück.

Deutsche und Commerzbank an der Spitze

Als „einsamen Spitzenreiter“ identifiziert die Studie die Deutsche Bank, die 14 Atomwaffenhersteller bei ihren militärischen Aktivitäten zwischen 2011 und 2014 mit 1,35 Milliarden Euro unterstützt habe. Insgesamt seien es bei diesen Mischkonzernen knapp 3,1 Milliarden Euro gewesen. Zu den Hauptkunden bei diesen heiklen Geschäften zählten Thyssen-Krupp, BAE Systems, Airbus, Honeywell International und Raytheon. „Die Deutsche Bank selbst verfügt zwar über eine interne Rüstungsrichtlinie, die die Finanzierung von direkten Transaktionen im Zusammenhang mit kontroversen Waffen wie Atomwaffen untersagt“, sagte Happe. „Das hindert sie jedoch nicht daran, (Rüstungs-)Mischkonzerne weiter zu finanzieren.“

Ein Sprecher der Bank wies dies zurück. Schon seit vielen Jahren seien Geschäfte mit atomaren, biologischen und chemischen Waffen „ausgeschlossen“. Raumfahrt und Verteidigung stuft die Bank als „kritische“ Sektoren ein, in denen sehr genau geprüft und die Meinung der 2014 etablierten bankinternen Nachhaltigkeitsexperten eingeholt werde, die beurteilen sollen, ob ein Geschäft oder eine Kundenbeziehung auch für die Reputation der Bank vertretbar sind.

Auf Platz zwei der Liste rangiert die Commerzbank, an der der Bund mit rund 25 Prozent beteiligt ist. Sie habe Rüstungsmischkonzernen insgesamt 2,2 Milliarden Euro gewährt, davon rund 290 Millionen direkt für die Herstellung von Atomwaffen. Die Allianz hält der Studie zufolge Aktien und Anleihen von zehn Atomwaffenherstellern im Volumen von 700 Millionen Euro. Man finanziere Unternehmen, die nur zu einem geringen Teil auch in der Rüstungssparte tätig seien, heißt es bei der Commerzbank. Da könne man nicht die gesamte Geschäftsbeziehung einstellen.

Insgesamt nennt die Studie weltweit 411 Finanzdienstleister aus 30 Ländern, die 28 Hersteller von „nuklearer Massenvernichtungstechnik“ zwischen 2011 und 2014 mit rund 318 Milliarden Euro unterstützt hätten.

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