Wie eine Betroffene den Skandal aufdeckte

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Deutsche Bank : Gefälschte Dokumente, verzweifelte Schuldner
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Genauso war es auch im Fall von Lynn Szymoniak. Allein in ihrem Bezirk Palm Beach wurden in den vergangenen drei Jahren rund 100 000 Häuser zur Zwangsversteigerung angemeldet, zehn Prozent davon im Namen des Treuhänders Deutsche Bank. Pech nur für den deutschen Finanzriesen, dass es beim wilden Weiterverkauf der vielen Hypotheken offenbar drunter und drüber gegangen war und die Übertragung der Grundschulden häufig nicht sauber dokumentiert wurde. Und so machte Szymoniak eine erstaunliche Entdeckung. Als Beweis für den Rechtsanspruch auf ihr Haus diente eine eidesstattliche Erklärung, mit der eine Vizepräsidentin der Firma „American Home Mortgage Service“ namens Linda Green die Übertragung ihrer Hypothek auf einen von der Deutschen Bank verwalteten Trust bescheinigte. Als gelernte Anwältin ging Szymoniak daher beim örtlichen Grundbuchamt der Frage nach, ob das Dokument rechtsgültig war. Dabei erfuhr sie, dass jene Linda Green auch hunderte ähnlicher Erklärungen in anderen Fällen unterzeichnet hatte. Und das gleich als Vizepräsidentin von vielen verschiedenen Banken, auch der „Deutschen Bank National Trust“.

Tatsächlich gab es aber weder dort noch bei den anderen Banken je eine Vizepräsidentin mit diesem Namen. Vielmehr hatte eine Firma aus Georgia namens „DocX“ die Dokumente erstellt und dabei Angestellte mit erfundenen Identitäten im Namen aller möglichen Finanzinstitute entsprechende Erklärungen unterschreiben lassen. „Die Unterschriften waren gefälscht, die notarielle Beglaubigung war gefälscht, die Trust-Information war falsch, es gab überhaupt wenig, was an dem Dokument richtig war“, empört sich Szymoniak. Und das galt nicht nur in ihrem Fall. Angeregt durch Szymoniaks Recherchen begannen auch einige Grundbuchämter mit Prüfungen. So stieß etwa John O’Brien, Amtschef in Essex County bei Boston, allein in seinem kleinen Bezirk auf 32 000 bei Zwangsversteigerungen eingereichte Dokumente, die er für gefälscht hält.

Die Unterschrift von „Linda Green“ fand er in 22 verschiedenen Handschriften. So kam heraus, dass die Methode des alsbald „Robosigning“, Roboterzeichnung, genannten Verfahrens quer durch die USA genutzt wurde, um Dokumente als Legitimation für die Zwangsvollstreckungen zu erstellen. Ein Reporter des US-Senders CBS fand gleich drei frühere Angestellte von DocX, die als „Linda Green“ für zehn Dollar pro Stunde massenhaft Dokumente gezeichnet hatten – ein nach Meinung von Amtsleiter O’Brien untragbarer Vorgang. Dabei habe „die Deutsche Bank das Gleiche gemacht wie alle großen Banken. Die trafen eine bewusste Entscheidung, ein kriminelles Unternehmen zu werden.“ Es sei „schrecklich“ zu sehen, wie „die Leute aus wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen ihre Raten nicht zahlen können, und diese Banken ziehen mit gefälschten Dokumenten vor die Gerichte, um ihnen die Häuser wegzunehmen“, sagte er dem WDR. Das sei etwas, „das wir in den Vereinigten Staaten eigentlich nicht tun, aber es geschieht traurigerweise jeden Tag.“

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