Deutsche Solarindustrie : Ein Riss durch die Branche

Die Pleitewelle in der deutschen Solarindustrie rollt vor allem durch Ostdeutschland. Werke schließen, Jobs gehen verloren. Und doch hat die Industrie hierzulande eine Zukunft.

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Ein Riss geht durch die deutsche Solarindustrie. Viele Firmen stehen vor dem Aus, doch einige haben eine Chance.
Ein Riss geht durch die deutsche Solarindustrie. Viele Firmen stehen vor dem Aus, doch einige haben eine Chance.Foto: dapd

First Solar ist der bisher letzte Fall. Der US-Fotovoltaikkonzern kündigte am Dienstag an, dass er zum Herbst seine beiden Werke in Frankfurt (Oder) schließen will. Die örtliche Agentur für Arbeit rechnet in den kommenden Monaten mit rund 1700 bis 1800 Anträgen auf Arbeitslosengeld. Neben den 1200 Frankfurter Angestellten von First Solar dürften auch Mitarbeiter von Zulieferern und vom kleinen Wettbewerber Odersun dazukommen, der vor zwei Wochen Insolvenz anmelden musste.

Keine Frage, für die selbst ernannte „Solarhauptstadt“ mit gerade einmal 60 000 Einwohnern wäre es ein „harter Schlag“, wie es Oberbürgermeister Martin Wilke auf den Punkt brachte. Doch bevor überhaupt klar ist, ob sich ein Käufer für die Werke findet, nehmen Sympathisanten der Industrie den Fall First Solar zum Anlass, nach weiteren Staatshilfen für die Solarmodulproduktion zu rufen. Konkret forderte etwa Hans-Josef Fell, ein Energieexperte der Grünen im Bundestag, „Staatsbürgschaften für die Modernisierung des Maschinenparks der Hersteller“ – was zumindest First Solar kaum helfen dürfte: Das zweite Werk samt Inventar steht noch nicht mal ein Jahr lang.

Solarindustrie in Deutschland - Licht und Schatten
Larry Hagman hat gut lächeln. Der US- Schauspieler wirbt für Solarworld. Die Bonner mit weltweit 3300 Mitarbeitern sind zwar 2011 auch in die roten Zahlen geraten. Doch Vorstandschef Frank Asbeck hat für 2012 angekündigt, in die Gewinnzone zurückzukehren. Die Stärke liegt darin, dass Solarworld fast die gesamte Wertschöpfungskette abbildet: vom Rohstoff Silizium über Wafer, Zelle und Modul bis zur schlüsselfertigen Anlage. Die größten Werke hat Solarworld in Deutschland und den USA. Dort forderte Asbeck Zölle auf Billigimporte aus China. Die fielen indes geringer aus als erhofft.Alle Bilder anzeigen
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24.04.2012 10:31Larry Hagman hat gut lächeln. Der US- Schauspieler wirbt für Solarworld. Die Bonner mit weltweit 3300 Mitarbeitern sind zwar 2011...

Q-Cells aus Thalheim, Solon aus Berlin, Solar Millennium aus dem fränkischen Erlangen: drei ehemalige Börsenstars, die seit Anfang Dezember in die Insolvenz gegangen sind. Diese Unternehmen befassen sich mit unterschiedlichen Technologien und stehen an unterschiedlichen Stellen der Wertschöpfungskette (siehe Firmenporträts). Gemein ist diesen Unternehmen aber, dass sie sich sehr früh über den Börsengang finanziert haben und bei dem Boom um das Jahr 2007 herum teils gar nicht wussten wohin mit dem vielen Geld. Zudem fertigen sie alle relativ simple Produkte hierzulande.

Mancher Experte bezweifelt, dass das in Deutschland Zukunft hat: Matthias Kurth etwa, der bis Februar elf Jahre lang Präsident der Bundesnetzagentur war. Unter seiner Führung hatte die Behörde von der Bundesregierung zuletzt auch den Auftrag erhalten, die Energiewende mit zu koordinieren. „Die Produktion eines Solarpanels ist technologisch sicher nicht komplexer als die eines iPads oder eines Flachbildschirms“, sagte Kurth dem Tagesspiegel. In anderen Märkten habe man bereits gelernt, mit China arbeitsteilig zu kooperieren. „Apple etwa lässt seine Geräte auch in China zusammenbauen und behält die Wertschöpfung dennoch in den USA“, sagte Kurth.

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