Deutschland-Chef von Amazon im Interview : "Alexa, back mir einen Zwetschgendatschi!"

Einst mit Büchern gestartet, konkurriert Amazon heute mit Supermärkten, Smart-Home-Herstellern und dem Rundfunk. Ein Gespräch mit Deutschland-Chef Ralf Kleber.

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Ein Mitarbeiter des Lebensmittellieferdienstes Amazon Fresh im Depot der Firma in Berlin die bestellten Waren in eine Transporttasche. Amazon Fresh war Anfang Mai in Berlin und Potsdam mit einem Sortiment von rund 85.000 Artikeln gestartet.
Ein Mitarbeiter des Lebensmittellieferdienstes Amazon Fresh im Depot der Firma in Berlin die bestellten Waren in eine...Foto: Monika Skolimowska/dpa

Herr Kleber, stört es, dass Sie Ihre Lebensmittel noch im Laden kaufen müssen?
(Lacht) Woher wissen Sie das, beobachten Sie mich?

Da Ihr Lieferdienst Amazon Fresh nach Berlin nun in Hamburg gestartet ist – und nicht München – gehe ich mal davon aus. Oder bestellen Sie bei der Konkurrenz?

Beim Einkaufen nutzen die meisten viele Kanäle, ich auch. Da ist der Bäcker, der Bioladen, der Supermarkt und auch Online dabei. Kunden lieben Vielfalt, nicht nur im Sortiment. Und da bieten wir nun mit Amazon Fresh einen weiteren Weg, frische Lebensmittel zu bestellen.

In diesem Jahr noch in weiteren Städten?

Wir planen natürlich schon weitere Standorte, aber wann und wo kann ich noch nicht verraten.

Wie viele sollen es Ende 2018 sein?
Schauen wir mal. Wir haben keine Eile. In Deutschland wird niemand verhungern, wenn wir keine Lebensmittel verkaufen. Wir wollen den besten Service für Kunden und probieren dafür viel aus. Unseren schnellen Lieferdienst Prime Now gibt es in Berlin und München, aber noch nicht Hamburg. Dabei überlegen wir, was Kunden an Artikeln des täglichen Bedarfs innerhalb von einer Stunde brauchen könnten, im Sommer sind das unter anderem Fahrradschläuche oder im Winter Eiskratzer. Und mit Amazon Pantry bieten wir schon seit Jahren Produkte für den täglichen Bedarf: Getränke, haltbare Lebensmittel, Putzmittel und anderes. Und Sie werden kaum einen Laden finden, der so viele Pastasorten oder Tees anbietet.

Obst und Gemüse sind etwas Anderes. Viele Wettbewerber wundern sich auch über die Preise – zahlen Sie drauf, um Kunden zu gewinnen?
Zu unserer wirtschaftlichen Kalkulation sage ich: Konsumenten haben natürlich eine gewisse Erwartungshaltung, wenn sie bestimmte Marken kaufen. Neben Verfügbarkeit und Geschwindigkeit ist der Preis generell eines der wesentlichen Merkmale, wenn wir unsere Angebote gestalten.

Die Kosten für Amazon Prime haben Sie in diesem Jahr aber deutlich von 49 auf 69 Euro erhöht. Rechnet es sich sonst nicht?
Wir haben die Entscheidung, den Preis für Prime anzupassen, nicht leichtfertig getroffen. Da wir die Vorteile kontinuierlich erweitern, sind die Kosten für die Bereitstellung dieser Services gestiegen. Zudem haben wir das Programm um ein umfangreiches Videoangebot ergänzt: Die Erfolge bestärken uns, ob es Emmys sind oder die Streamingzahlen, die wie bei der Serie „You Are Wanted“ mit Matthias Schweighöfer durch die Decke gingen. All dem trägt die Jahresgebühr Rechnung. Dafür bekommen die Kunden eine Kombination an schneller Zustellung, Zugang zu Angeboten wie Amazon Fresh bis hin zu kostenlosen Songs und Videos. Und jetzt sogar Audioübertragungen von erster und zweiter Bundesliga.

Wieso sollte ich denn bei Amazon Fußball hören?
Bei den bisherigen Radiokonferenzen kann man kein volles Spiel hören. Mein Fußballherz hängt beispielsweise an Kaiserslautern – keine Mannschaft, die man ständig live im Fernsehen sehen kann. Jetzt haben Fans wie ich eine einfache Möglichkeit, die Spiele zu hören, per Streaming sogar unterwegs.

Noch lieber wollen Fans ihre Teams sehen, in den USA zeigt Amazon bald Footballspiele der NFL. Übertragen Sie demnächst auch deutsche Ligen?
Warum nicht? Unsere Kunden lieben Videoinhalte. Es spricht nichts dagegen, dass wir uns Sportübertragungen in Deutschland widmen.

Und wann?
Noch gibt es nichts anzukündigen. Lassen Sie sich überraschen.

Mit all dem binden Sie die Kunden immer enger. Wie hoch ist der Anteil der Prime-Nutzer inzwischen?
Bitte haben Sie Verständnis, dass wir diese Zahl gerne für uns behalten.

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