Wirtschaft : Die Diplom-Diskussion geht weiter

Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat den Abschluss wieder eingeführt – und andere damit auf den Geschmack gebracht

Stefani Hergert (HB)

Die technischen Universitäten forderten schon lange für ihre Ingenieure eine Rückkehr zum alten Diplom-Titel. Mecklenburg-Vorpommern hat seinen Hochschulen diesen Wunsch jetzt erfüllt. Das weckt Begehrlichkeiten. Die Diplom-Diskussion wird wohl auch die Kultusminister erneut beschäftigen.

1999 hatten 29 Länder beschlossen, ihre Abschlüsse zu vereinheitlichen. Bachelor und Master sollen sie heißen – müssen sie aber nicht. Die Hochschulen in Österreich etwa dürfen weiterhin das Diplom verleihen. In Deutschland war das bisher nur in Sachsen möglich, ab diesem Jahr auch in Mecklenburg-Vorpommern. Auf Antrag können Masterstudenten dort den Abschluss in ein Diplom tauschen. Das gilt auch für Bachelor an Fachhochschulen, wenn sie mindestens acht Semester studiert haben.

Diese Entscheidung spaltet nicht nur die Arbeitgeberverbände. Vor einem „Verwirrspiel“ warnt die Hochschulrektorenkonferenz, während der Hochschulverband jubelt. Nur: Kann es überhaupt noch verwirrender werden?

Ende 2010 hatten das Handelsblatt und der Verband „Die Führungskräfte“ mehr als 500 Manager befragt. Das Ergebnis: Mehr als 60 Prozent verwirren die neuen Abschlüsse, 84 Prozent votierten für die Wiedereinführung des Titels „Diplom-Ingenieur“. Auch Länder wie Baden-Württemberg würden das Diplom als Marke gerne bewahren. Beobachter rechnen daher damit, dass sich die Kultusminister der Länder im März erneut mit dem Thema befassen.

Nicht zuletzt Pläne wie an der Wirtschaftsfakultät der Saarbrücker Universität befeuern die Diskussion. Der Fakultätsrat habe sich einstimmig dafür ausgesprochen, ab dem Winter 2011 einen neuen Diplom-Kaufmann anzubieten, sagt Dekan Christian Scholz. Die Universität Greifswald macht das schon seit langem. Scholz ist sicher: „Damit wird das Chaos reduziert.“

In Saarbrücken würde man das Diplom gerne neben Bachelor und Master platzieren. Ein allgemeines, aber zweigestuftes BWL-Studium schwebt Scholz vor. Wer im Diplom-Studiengang lernt, kann die Uni nach sechs Semestern mit dem Bachelortitel verlassen oder weiterstudieren – ohne Angst zu haben, im siebten Semester ohne Studienplatz dazustehen. Denn das ist für Scholz das Hauptproblem: Die Wirtschaft brauche keine Uni-Bachelorabsolventen, die Zahl der Masterplätze sei aber begrenzt.

Ob die Fakultät den Plan durchbringt, ist ungewiss. Die Hochschulleitung ist dagegen, die Juristen sind uneins, ob das aktuelle Landesgesetz es zulässt. An den BWL-Fakultäten in Deutschland warte man gespannt ab: „Wenn die Achse Saarbrücken-Greifswald funktioniert, dann können wir uns dranhängen“, ist laut Scholz eine verbreitete Meinung.

Stefani Hergert (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar