Wirtschaft : Die Milch macht’s nicht mehr

ARD-Sportschau künftig ohne CMA-Werbung

Maren Peters

Berlin - Wegen ihres drastisch geschrumpften Etats wird die Marketing-Gesellschaft der deutschen Bauern (CMA) das Sponsoring der ARD-Sportschau („Die Milch macht’s“) zum Ende der Bundesligasaison 2007 auslaufen lassen. Auch Verträge mit 3 Sats „terra nova“ und n-tv seien gekündigt worden, sagte CMA-Geschäftsführer Jörn Dwehus am Dienstag in Berlin. Außerdem werden 20 CMA-Mitarbeiter ihren Job verlieren. Derweil wächst an der Basis der Widerstand gegen die Marketing-Organisation.

Die CMA hatte ihren Etat bereits im September um die Hälfte auf 50 Millionen Euro gesenkt, die Folgen waren aber noch unklar. Auslöser ist der Widerstand vieler Bauern gegen die Zwangsabgabe. Seit 1969 müssen sie 0,4 Prozent vom Wert ihrer Waren an den Absatzfonds der CMA abführen. Dagegen haben viele Landwirte Widerspruch eingelegt. Die CMA darf diese Mittel daher vorerst nicht ausgeben und sah sich gezwungen, den Werbeetats zu halbieren. Zahlen nennt die CMA nicht, aber das Ausmaß der Kürzung deutet darauf hin, dass sehr viele Bauern ein Problem mit der Organisation haben. Einige haben vor dem Verwaltungsgericht Köln geklagt, weil sie die Abgabe für verfassungswidrig halten. Das Gericht gab ihnen Recht – und verwies den Fall an das Bundesverfassungsgericht.

Voraussichtlich Ende 2008 werde das oberste Gericht nun entscheiden, ob die Zwangsabgabe rechtmäßig ist, sagte CMA-Geschäftsführer Dwehus. Sollte das Gericht das bejahen, müsste „das gesamte System abgewickelt werden“. Er gab sich aber „zuversichtlich, dass wir auch diesmal gewinnen“. In einer Entscheidung von 1990 hatte sich das Bundesverfassungsgericht zugunsten der CMA entschieden. Auch das Verwaltungsgericht München hatte die Klage eines Milchbauern gegen den Pflichtbeitrag Dwehus zufolge vergangene Woche abgewiesen.

An der Basis wächst derweil der Zorn auf die CMA und die Verbände. Nach Angaben von Georg Heitlinger, einem badischen Geflügelzüchter, der in Köln geklagt hatte, gibt es eine „Austrittswelle“ aus dem Geflügelzüchterverband in Baden-Württemberg. Der Grund: Obwohl mehr als 90 Prozent der Züchter Widerspruch gegen die Zwangsabgabe eingelegt hatten, habe der Verband offiziell gefordert, dass die CMA erhalten werden müsse. Zahlreiche Austritte habe es auch in Hessen, Brandenburg und Thüringen, gegeben, sagte Heitlinger. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft wollte dazu keine Stellung abgeben.

Jenseits des Streits um die Zwangsabgabe haben die 380 000 Bauern in Deutschland derzeit Grund zur Freude. 2006 gaben die Deutschen wieder mehr Geld für Lebensmittel aus. „Die Qualität steht wieder stärker im Vordergrund als der Preis“, sagte Dwehus. Außerdem stieg der Export von deutschen Agrarprodukten kräftig – allein im vergangenen Jahr um 10,25 Prozent auf mehr als 40 Milliarden Euro. „Der Trend ist unaufhörlich“, sagte der CMA-Geschäftsführer.

Die Diskussion um die Vogelgrippe hat die Verbraucher aber offenbar verunsichert. Sie aßen 2006 weniger Geflügel als im Vorjahr und hatten auch insgesamt etwas weniger Fleisch auf dem Teller. Der Pro-Kopf-Verzehr sank auf 60,4 Kilogramm, nach 60,9 Kilogramm im Vorjahr. Auch zu Eiern und Kartoffeln griffen die Verbraucher etwas seltener. Beliebter als im Vorjahr waren dagegen Käse, Milch und Sahne.

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