Wirtschaft : Die Philosophie der Panzerbeere

Kürbisse sind beliebter denn je. Was man über Sorten, Anbau und Verarbeitung wissen sollte

Veronika Stoffel
Kürbismania! Gelb und organgefarben leuchtet es einem dieser Tage überall entgegen. Und die bunten Beeren sehen nicht nur schön aus, sie schmecken auch noch lecker.Foto: dpa
Kürbismania! Gelb und organgefarben leuchtet es einem dieser Tage überall entgegen. Und die bunten Beeren sehen nicht nur schön...Foto: dpa

Mehr als 800 Sorten von Kürbissen gibt es weltweit. Man begegnet ihnen in Glatt und in Runzelig, gestreift und gefleckt, mit Warzen und Rillen und sogar mit Wachsschicht. Die ist ein spezieller Schutzmechanismus, den der „Black Futsu“ entwickelt hat. Der wiederum ist einer von 30 und mehr Kürbissorten, die man auf dem Spargelhof Klaistow erstehen kann. Und jeder von ihnen hat sein eigenes Talent.

Natürlich ist da der „Hokkaido“, der kräftig orangefarbene Klassiker, den man dieser Tage auch in jedem Supermarkt findet. Er ist die schmackhafte Variante des Halloween-Schnitzkürbisses, der aber eine wesentlich dickere, ledrige Schale aufweist. Für alle, die sich deswegen vielleicht schon mal beim Zerteilen abgemüht haben, hat Kurt Dörrwand einen guten Tipp: „Einfach den ganzen Kürbis circa 20 Minuten in Salzwasser kochen, dann kann man ihn wunderbar weiterverarbeiten, zum Beispiel zu Suppe“. Dörrwand ist seines Zeichens Kürbisberater auf dem Spargelhof Klaistow. Aber so aufregend sei der Hokkaido nun auch wieder nicht, findet der ehemalige Lehrer. Der „Mercedes“ unter den Kürbissen ist für ihn der „Butternut“, ein gelb-bräunliches, längliches Exemplar, das auf den ersten Blick eigentlich recht unscheinbar anmutet. Aber das Geheimnis steckt im Verborgenen. Oder eben gerade nicht, denn: Der Butternut hat nur ein kleines Kerngehäuse, das sich aufgrund seiner cremigen Konsistenz auch noch ganz leicht entfernen lässt. Auch die Schale ist sehr dünn und kann sogar mit dem Kartoffelschäler abgezogen werden. Weiter empfiehlt Dörrwand auch noch die kleinen grünen, kugelförmigen „Rondini“, eine in Italien sehr beliebte, hierzulande aber noch recht unbekannte Kürbisart, die ein bisschen nach Kartoffel schmeckt. Diese solle man in Salzwasser kochen „bisse jar sin“ – Dörrwand präzisiert diese Aussage dann noch auf circa 20 Minuten – und am besten einfach nur mit Quark genießen.

Dann gibt es zum Beispiel die sogenannten Kalebassen, grüne Flaschenkürbisse mit geschwungenen Hälsen. Essen könne man die nicht. Aber sie eigneten sich hervorragend zur Dekoration und können auch getrocknet werden, wodurch sie eine braun-schwarze Färbung bekommen. Dieses Kürbisgewächs gilt als eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt und ist in vielen Kulturen seit Urzeiten bekannt und als Transportgefäß für Wasser und Nahrung beliebt. Es wird vermutet, dass es ursprünglich aus Afrika stammt und sich – wahrscheinlich übers Meer – verbreitete. Tests haben ergeben, dass die Samen auch nach einem Jahr im Salzwasserbad ihre Keimfähigkeit noch nicht einbüßen. Dass die Kürbisse auch in Europa so beliebt wurden, verdanken wir laut Dörrwand vor allem Kolumbus, der die Beeren auf seinen Expeditionen kennen und schätzen gelernt hat und ihre Samen mitbrachte. Ja, Beeren: Der Kürbis trägt seinen botanischen Namen Cucurbita – übersetzt Panzerbeere – mit Grund.

Unterschieden wird im Übrigen grob zwischen Sommerkürbissen und Winterkürbissen: Winterkürbisse – wie zum Beispiel der Hokkaido – werden gereift geerntet und halten sich in der Regel den ganzen Winter oder noch länger. Sommerkürbisse, zu denen zum Beispiel die Zucchini zählt, erntet man im unreifen Zustand. Sie sind auch nicht so lange haltbar.

Und wie kommt man nun zu seiner ganz persönlichen Panzerbeere? Am wichtigsten sei zunächst natürlich die Sortenwahl, weiß Sven Hager, Verantwortlicher für die Landwirtschaft in Klaistow. „Man muss sich entscheiden, ob man Zierkürbisse oder Esskürbisse haben will, und sich dann ordentliche Samen organisieren.“ Zwar könne man auch die Kerne aus „geschlachteten“ Kürbissen einpflanzen, aber das sei eine eher unsichere Angelegenheit. Für alle Kürbissorten sei ein sonniger Standort wichtig sowie ein geeigneter Boden – aus Sand oder Kompost. Die Kerne sollte man am Abend vor der Aussaat in kaltes Wasser legen und quellen lassen, am nächsten Tag dann circa zwei bis drei Zentimeter tief in die Erde drücken – mit der Spitze nach unten. Da die Kürbisse mehrere Zentimeter pro Tag wachsen, bräuchten sie auch viel Wasser, also: regelmäßig gießen!

Auch den Zeitpunkt der Aussaat müsse man mit Bedacht wählen, bei Freilandanbau dürfe man erst nach dem letzten Frost, also ab Mitte Mai, am besten bei einer Bodentemperatur von circa 15 Grad, loslegen. Aber man kann mit dem Vorziehen auch schon Mitte April im Haus beginnen. Der Topf, in den man die Kerne pflanzt, sollte dann einen Durchmesser von etwa zehn bis zwölf Zentimeter haben und bis einen Finger breit unter dem Rand mit Aussaaterde befüllt sein. Die Keimlinge können dann ab Mitte Mai ins Freie gesetzt oder samt Topf auf Terrasse oder Balkon gestellt werden.

Mindestens drei Monate brauche so ein Kürbis dann, bis er reif ist, erklärt Hager. Von Mitte August an könne man die ersten Früchte ernten. Die Reife erkenne man im Übrigen am Stiel, der holzig und ein wenig verschrumpelt aussehen sollte, und an der Farbe: je dunkler, desto reifer. Beim Abschneiden sollte man einen Stielrest von circa drei Zentimetern stehen lassen, dann hält sich der Kürbis länger – der Winterkürbis kühl und trocken gelagert sogar bis zu acht Monaten.

Und falls es doch nicht klappen sollte, kann man sich am Spargelhof Klaistow mit den bunten Panzerbeeren eindecken. Oder hoffen, dass am Ende der großen Kürbisausstellung beim traditionellen „Schlachtfest“ am 31. Oktober die eine oder andere Portion abfällt.

Der Spargelhof Klaistow liegt circa 50 Kilometer südöstlich von Berlin an der A 10. Informationen zum Hof und zur Kürbisausstellung gibt es Internet unter

www.buschmann-winkelmann.de

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