Wirtschaft : Die Veag denkt über ein Atomkraftwerk nach

BERLIN (dw).In den neuen Bundesländern könnte mittelfristig wieder Atomstrom produziert werden: Die Veag, größter ostdeutscher Energie-Erzeuger mit Sitz in Berlin, überlegt den Bau eines Kernkraftwerks in Mecklenburg-Vorpommern."Der Standort Lubmin bei Greifswald wäre ideal", sagte Jürgen Stotz, Vorstandsvorsitzender der Veag Vereinigte Energiewerke AG, am Donnerstag in Berlin.Setzt die Veag ihr Planspiel um, wäre es nach der Wiedervereinigung das erste und einzige Atomkraftwerk in den neuen Bundesländern.Der Atomstrom würde in das Veag-Netz eingespeist, das zwischen Rostock und Dresden zwölf regionale Verteiler in allen neuen Bundesländer versorgt.In Lubmin stand zu DDR-Zeiten bereits ein Atomkraftwerk.Das stillgelegte AKW Greifswald ist im Besitz des bundeseigenen Unternehmens Energiewerke Nord (EWN) und wird zur Zeit abgebaut und entsorgt.

Laut Stotz haben die nachgerüsteten Veag-Braunkohlekraftwerke Boxberg (Sachsen) und Jänschwalde (Brandenburg) noch eine Laufzeit von rund 20 Jahren.Falls die Kraftwerksleistung von zusammen etwa 4000 Megawatt dann ersetzt werden müsse, wolle man sich "die Option auf ein Kernkraftwerk in Greifswald offenhalten".Als Zeitrahmen nannte Stotz das Jahr 2015.Für die Zwischenzeit sei in Greifswald der Bau von gasbefeuerten Kraftwerken denkbar.Stotz sagte, er glaube schon allein aus Klimaschutzgründen nicht, daß ein kompletter Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie zu erwarten sei.

Die Veag wolle ihre Pläne aber nur umsetzen, wenn sie den Zuschlag beim Grundstücksverkauf bekomme, betonte Stotz.Die Veag habe nur Interesse, wenn Sie die 60 Hektar große Fläche in Lubmin allein "als Veag-Standort" übernehmen könne.Der Bund verhandele zur Zeit aber auch mit zwei ausländischen Stromkonzernen: Die schwedische Vattenfall und die finnische IVO wollen in Greifswald eine eigene Stromproduktion aufbauen.

Nach Angaben des Deutschen Atomforums werden zur Zeit in ganz Deutschland keine neuen Standorte für Kernkraftwerke entwickelt.Wegen bestehender Überkapazitäten sei vor 2005 auch nicht mit der Entscheidung über den Bau neuer AKWs zu rechnen, sagte der Sprecher der Organisation, Manfred Petroll.Falls die Veag das Vorhaben realisiere, kämen wohl nur zwei Kraftwerkstypen in Frage: der von Siemens und Framatome (Frankreich) entwickelte "Europäische Druckwasserreaktor" EPR oder der von Siemens allein angebotene Siedewasser-Reaktor "SWR 1000".In jedem Fall, so Petroll, sei für Lubmin ein ganz neues Genehmigungsverfahren nötig.

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