Discounter : Lidl: Umsatzeinbruch nach Spitzel-Skandal

Die Überwachsungs-Affäre bezahlt Lidl mit Einbußen des Umsatzes. Kunden haben Briefe geschrieben und angekündigt, nicht mehr bei dem Discounter einzukaufen. Nun will das Unternehmen den Umgang mit den Mitarbeitern ändern.

Lidl
Lidl leidet noch immer unter den Nachwehen der Spitzel-Affäre. -Foto: dpa

Mainz Der Discounter Lidl hat nach der Aufdeckung der Überwachungsaffäre Umsatzeinbußen registriert. Das erklärte der Konzernchef der Schwarz-Gruppe, Klaus Gehrig, in der Sendung "Quergefragt" des Südwestrundfunks (SWR). Auf die Frage, ob Lidl im Zuge der Berichte über die Vorfälle Umsatzeinbußen habe, sagte er nach Angaben des Senders: "Ja, das haben wir. Einige Kunden haben geschrieben, sie gehen nicht mehr einkaufen und das haben wir auch gemerkt." Dies sei jedoch "der falsche Weg", weil die Kunden damit nicht das Unternehmen, sondern die Mitarbeiter bestraften.

Mit Blick auf die vergleichsweise geringe Zahl an Betriebsräten bei Lidl sagte Gehrig laut SWR, das Thema dürfe "nicht allein aus der Lidl-Sicht" gesehen werden. Auch von den anderen Discountern müssten Betriebsräte eingefordert werden. Was man erlebe sei "doch nicht allein ein Lidl-Problem, sondern eines der Branche". Bisher gibt es nur in sechs der 2900 deutschen Lidl-Filialen Arbeitnehmervertretungen.

Lidl will Konsequenzen ziehen

Gehrig räumte laut SWR ein, dass die Mitarbeiter wohl heute noch überwacht würden, wenn das Magazin "Stern" dies nicht aufgedeckt hätte. Mit Blick auf ähnliche Vorwürfe gegenüber Lidl vor vier Jahren sagte er: "Traurig ist, dass das eine oder andere in bestimmten Regionen wieder aufgekommen ist, dass da gegen die Anweisungen verstoßen worden ist und dass sich etwas selbstständig gemacht hat." Er müsse sich mangelnde Kontrolle vorwerfen. "Das werden wir jetzt auch mit Macht angehen", sagte er.

Zudem kündigte er weitergehende Konsequenzen aus der Überwachungsaffäre an. In einem Gespräch mit der "Heilbronner Stimme" erklärte Gehrig, dass man den Umgang mit den Mitarbeitern ändern werde. "Wer den neuen Regeln nicht entspricht, für den haben wir im Unternehmen keinen Platz mehr." Auch Deutschlandchef Frank-Michael Mros, in dessen Verantwortungsbereich die Aufzeichnung von privaten Gesprächen von Lidl-Mitarbeitern stattgefunden hatte, distanzierte sich von den Vorkommnissen und sagte dazu: "Das ist Schmutz, den wir alle als Schmutz empfinden."

Gehrig gab zudem bekannt, dass das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz um zwölf Prozent von 44 auf 49 Milliarden Euro gesteigert habe. Die Mitarbeiterzahl der Schwarz-Gruppe liegt bei 260.000. (ae/dpa)

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