Discounter-Preise ziehen an : Billiger wird teurer

Die Discounter Aldi, Lidl und Co. erhöhen die Preise – der Abstand zu den Supermärkten schrumpft. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Erich Reimann
Hier oder dort - die Preise steigen bei allen Discountern.
Hier oder dort - die Preise steigen bei allen Discountern.Foto: dpa

Deutschlands Discounter drehen an der Preisschraube. In den vergangenen Monaten sind die Preise bei Aldi, Lidl und Co. deutlich stärker gestiegen als bei „klassischen“ Supermärkten. Das geht aus einer Marktstudie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervor. Das überraschende Fazit der Handelsexperten: Wenn man auf die Entwicklung der vergangenen Jahre „bei den Discountern schaut, dann kann man nicht mehr so leichthin von der ,Billigschiene’ sprechen.“ Die Fakten: Im August bezahlten die Kunden der Discounter laut GfK vier Prozent mehr für ihren Einkauf als im Vorjahresmonat. Die Preise stiegen damit deutlich stärker als bei „klassischen“ Supermärkten, wo sich der Warenkorb nur um 1,6 Prozent verteuerte.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Anstieg der Rohstoffpreise schlug sich nieder, aber auch das wachsende Angebot von Markenartikeln, Bioprodukten und regionalen Angeboten bei den Discountern. Diese Produkte sind in der Regel etwas teurer. Und nicht zuletzt hätten die Discounter selbst noch einmal an der Preisschraube gedreht, urteilt der GfK- Handelsexperte Robert Kecskes. Schon seit März dieses Jahres stiegen dadurch die Preise bei den Discounter deutlich stärker als bei anderen Supermärkten.

Das Aldi-Imperium
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Vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Discounter untereinander und mit den Supermarktketten einen Preiskampf lieferten, als wöchentlich Prospekte mit neuen Dauertiefpreisen in die Haushalte flatterten. Gründe dafür gibt es einige, wie Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail meint. Zum einen hätten die Supermärkte erkannt, dass sie einen Preiskrieg mit den Discountern nicht gewinnen könnten. Sie setzten seit einiger Zeit mehr auf Frische und Service, um sich zu profilieren. Zum anderen seien auch die Discounter nicht an weiteren Rabattschlachten interessiert. Sie benötigten das Geld dringender für die Modernisierung ihrer heimischen Filialen und ihre Expansionspläne im Ausland. Aldi etwa feiert in Großbritannien Erfolge. Der Umsatz der fast 500 britischen Aldi-Filialen stieg im vergangenen Jahr Medienberichten zufolge um 41 Prozent auf 3,9 Milliarden Pfund (4,65 Milliarden Euro). Das sind Wachstumsraten, von denen deutsche Discounter auf dem Heimatmarkt nur träumen können.

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Und lange Zeit schienen Preissenkungen den Discountern hierzulande auch nicht zu schaden. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres steigerten Aldi, Lidl und Co. ihre Umsätze laut GfK um 4,6 Prozent. Die „normalen“ Supermärkte legten um 3,2 Prozent zu. Hatte es nach 2009 vorübergehend so ausgesehen, als könnten die Supermärkte Marktanteile von den Discountern zurückholen, so legten plötzlich wieder die Billiganbieter mit veränderten Sortimenten zu.

Doch die Frage stellt sich, ob die Discounter nicht dabei sind, mit ihrer Preisgestaltung den Bogen zu überspannen. Im August erzielten die klassischen Supermärkte laut GfK erstmals seit langem wieder höhere Umsatzzuwächse als die Discounter. Bei den Verbrauchern bleibe es nicht unbemerkt, dass der Preisabstand zwischen den Anbietern schrumpfe, glaubt GfK-Experte Kecskes. „Wir wissen noch nicht, holen die Discounter nur kurz Luft, oder geht ihnen die Puste aus.“ (dpa)

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