Wirtschaft : DMR soll erneut privatisiert werden

Modernstes Werk für Schiffs-Dieselmotoren in Europas

ROSTOCK (fro).Als letzte Hinterlassenschaft des zusammengebrochenen Bremer Vulkans in Ostdeutschland soll das Dieselmotorenwerk Rostock (DMR) bis Ende 1998 zum zweiten Mal privatisiert werden.Ein Sprecher der Treuhandnachfolgerin BvS sagte gestern gegenüber dem Tagesspiegel, das Investmenthaus Goldman Sachs sei wie schon bei den Werften in Stralsund und Wismar beauftragt, Investoren zu suchen.Gesucht würden Unternehmen, die nicht nur ein finanzielles, sondern ein "strategisches Interesse" im Dieselmotorenmarkt hätten. Das DMR gehört seit März 1997 zur Ostseebeteiligungsgesellschaft (OBG), an der die BvS und das Land Mecklenburg-Vorpommern im Verhältnis 51 zu 49 Prozent beteiligt sind.Die OBG hatte das DMR vom Vulkan-Konkursverwalter übernommen.Im Schweriner Wirtschaftsministerium werden die Chancen für eine zweite Privatisierung positiv beurteilt."Das DMR hat etwas einzubringen", so ein Sprecher.In Rostock stehe das modernste Werk seiner Art in Europa und in der Lage sei, Motoren innerhalb Europas in einem Stück zu liefern.Andere Hersteller müßten ihre Motoren auseinanderbauen und in den Schiffen wieder zusammensetzen. Das DMR machte 1996 einen Umsatz von 275 Mill.DM.Für 1997 waren 200 Mill.DM angepeilt.Für 1998 stehen bereits 17 Zwei-Takt-Schiffsdieselmotoren in den Auftragsbüchern.Für ein "auskömmliches Wirtschaften reichen 16 bis 18 Motoren", so der Ministeriumssprecher.Das DMR stellt ausschließlich Motoren nach Lizenzen von MAN und der in der Schweiz ansäsigen Firma Sulzer her, die inzwischen zum italienischen Motorenhersteller Ficantieri und dem finnischen Unternehmen Wärtsile gehört.MAN und Sulzer beherrschen den Markt für Zwei-Takt-Schiffsdieselmotoren.Die MAN-Lizenz gilt für Deutschland, die New-Sulzer-Diesel-Lizenz für Deutschland und den ehemaligen Ostblock ohne Polen und Ex-Jugoslawien. Während in den beiden vergangenen Jahren das DMR noch Verluste machte, wird die Gewinnzone für spätestens 1999 angestrebt.Wenn die Sanierung abgeschlossen ist, soll das Unternehmen 441 Vollzeitarbeitsplätze bieten, davon 157 am Standort Bremen.Dafür müssen noch mindestens 40 Arbeitsplätze abgebaut werden.Im Bremer Werk werden die Motorenblöcke in der größten Großguß-Gießerei Europas in einem Stück gegossen, müssen also nicht aus Einzelteilen zusammengeschweißt werden.Außerdem werden an der Weser die Stahlgestelle für die Motoren hergestellt.In Rostock steht nicht nur ein hochmoderner Prüfstand.Dort werden in der Regel auch neue Motoren nach den Blaupausen zum ersten Mal gebaut. Die OBG hat seit der Übernahme 63,5 Mill.DM in das ehemalige Vulkan-Unternehmen gesteckt, 15 Mill.DM davon als Darlehen.Die BvS zahlte davon zwei, Mecklenburg-Vorpommern ein Drittel.MAN hatte kurzzeitig Interesse an dem Werk bekundet, 1996 aber ein Angebot zurückgezogen, weil offenbar berechtigte kartellrechtliche Bedenken bestanden.Auch jetzt gebe es durchaus Interessenten für das Unternehmen, heißt es in Schwerin und bei der BvS in Berlin.Über diese sei aber Stillschweigen vereinbart.

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