Dreiste Werbung : Foodwatch verleiht Negativpreis an Capri-Sonne

Der "Goldene Windbeutel" der Verbraucherschützer von Foodwatch geht an diesem Jahr an die Hersteller der Capri-Sonne. Mit der Werbung für das Zucker-Getränk würden ganz gezielt kleine Kinder angesprochen, hieß es zur Begründung.

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Die Capri-Sonne wird mit dem Negativpreis "Goldener Windbeutel" ausgezeichnet.
Die Capri-Sonne wird mit dem Negativpreis "Goldener Windbeutel" ausgezeichnet.Foto: dpa

Der Kartoffelchip Pom-Bär hat ein eigenes Computerspiel, Paula, der Pudding für Kinder, eine Smartphone-App und das Getränk Capri-Sonne vergibt vermeintlich sportliche Schwimmabzeichen – drei Werbemaßnahmen von drei „Dickmachern ersten Ranges“, wie die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisiert.
Alljährlich vergibt sie den „Goldenen Windbeutel“ an Unternehmen, die durch dreiste Werbemaschen auffallen. In diesem Jahr geht die peinliche Trophäe an Capri-Sonne des Herstellers Wild. Foodwatch nennt das Getränk eine „Wasser-Zucker-Aroma-Mixtur mit ein bisschen Fruchtsaft“. Kritisiert wird, dass der Hersteller sein Getränk aggressiv bei Kindern anbringt: So werden Sportevents und Ferienlager gesponsert und Unterrichtsmaterialien – mit Lernaufgaben zu dem zuckerhaltigen Getränk – an den Augen der Eltern vorbei herausgegeben.

Als „nicht haltbar“ wies der Hersteller Wild die Vorwürfe zurück, man richte seine Werbung an Eltern, nicht an Kinder. Auch die Zutaten der Capri-Sonne seien detailliert und vollständig auf jedem Beutel des Getränks deklariert. Es gebe zudem eine zuckerreduzierte Version sowie Bio-Schorlen im Handel. Eine Foodwatch-Delegation, die den Windbeutel-Preis am Donnerstag bei den produzierenden Sisi-Werken in Eppelheim (nahe Heidelberg) überreichen wollte, musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Foodwatch kürt Schwindel-Produkte
...die "Monsterbacke" von Ehrmann. Foodwatch kritisiert, dass der Früchtequark voller Knister-, Blubber- oder Zunge-Färb-Applikationen sei, die vergessen lassen, dass es hier nicht um ein gesundes Produkt sondern um einen "'Fun- und Action-Joghurt' mit acht Stück Würfelzucker pro 135-Gramm-Becher". Auch der dritte Platz ist nicht mehr als Süßkram, gibt sich aber...Alle Bilder anzeigen
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16.05.2013 12:58...die "Monsterbacke" von Ehrmann. Foodwatch kritisiert, dass der Früchtequark voller Knister-, Blubber- oder...

Neben der Capri-Sonne hatte Foodwatch vier weitere Lebensmittel zur Abstimmung gestellt, die nach Ansicht der Verbraucherschützer besonders aggressiv bei Kindern beworben werden: der Trinkjoghurt Monsterbacke von Ehrmann, das Kosmostars-Müsli von Nestlé sowie die Pom-Bär- Chips von Intersnack und der Paula- Pudding von Dr. Oetker.

An der Abstimmung hätten sich 120000 Menschen beteiligt. Für die Capri-Sonne stimmten knapp 43 Prozent. Im vergangenen Jahr war der Babynahrungshersteller Hipp für besonders zuckerhaltige Instant-Tees mit dem Negativpreis ausgezeichnet worden.

In Deutschland gelten laut Foodwatch 15 Prozent der Kinder als übergewichtig, sechs Prozent sogar als fettleibig. Die Verbraucherschützer fordern daher ein Verbot von Werbung direkt an Kinder.

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