Wirtschaft : Dresdner Bank spart Investmentbanker

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Frankfurt(Main) (ro). Die Dresdner Bank wird auch in diesem Jahr die Flaute im Bankgeschäft nicht überwinden. Nachdem bereits das erste Quartal einen Verlust von 110 Millionen Euro gebracht hat, räumte Vorstandschef Bernd Fahrholz auf der letzten Hauptversammlung des Instituts am Freitag in Frankfurt ein, dass auch der April „nicht zu den besten Monaten gehört hat". Die Dresdner Bank gehört mittlerweile zu rund 96 Prozent dem Allianz-Konzern.

Wegen der nach wie vor schwierigen Lage „prüfe“ die Bank einen weiteren Stellenabbau im Investmentbanking, sagte Fahrholz. Konkrete Entscheidungen gebe es aber noch nicht. Bereits Anfang April hatte der Vorstandschef gesagt, dass über die schon geplanten Streichungen hinaus 200 Stellen wegfallen werden. Insgesamt wird die Dresdner Bank bis Ende 2003 rund 7800 Arbeitsplätze abbauen, die Hälfte davon ist bereits verschwunden. Allein im Investmentbanking werden von den rund 8000 Stellen mindestens 1700 gestrichen. „Es gibt wenig Spielraum für Ertragssteigerungen im Investmentbanking“, sagte Fahrholz.

Damit konnte der Dresdner-Bank-Chef auf der Hauptversammlung weder für die Aktionäre noch für die Mitarbeiter erfreuliche Nachrichten verkünden. Ohnehin waren nur etwa 300 Anteilseigner in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst erschienen. Nach 130 Jahren begehe man das Ende der Eigenständigkeit der Bank mit Stolz, aber auch mit Wehmut, räumte Fahrholz ein.

Er blickte noch einmal auf die Geschichte der Bank zurück, die sich oft als „flexibles und fantasievolles, einsatzfreudiges und vor allem mutiges Unternehmen“ gezeigt habe. Das gelte auch für die Entscheidung vom April 2001, sich unter das Dach der Allianz zu begeben. Die gescheiterten Fusionsversuche mit der Deutschen Bank und danach mit der Commerzbank erwähnte Fahrholz nicht.

„In jedem Ende steckt ein Anfang“

Die Aussichten für die Bank, zusammen mit der Allianz und damit als „integrierter Finanzdienstleister“ seien gut, hieß es. „In jedem Ende steckt auch ein Anfang“, zeigte sich auch Dresdner-Bank-Aufsichtsrats- und Allianz-Chef Henning Schoelte-Noelle optimistisch. Die Umsetzung der Übernahme ist nach Angaben von Fahrholz auf gutem Weg.

Mehrere Integrationsteams seien schon wieder aufgelöst. Auch im Geschäft würden die Erfolge sichtbar. Der Absatz von Lebensversicherungen über die Filialen der Bank sei zwischen August und Dezember 2001 verdreifacht, der Verkauf von Sachversicherungen versechsfacht worden. Dieser positive Trend halte an. In der privaten und betrieblichen Altersvorsorge habe die Bank durch rund 460000 verkaufte Riester-Verträge und durch das Management der Metall-Rente für die Metall- und Elektroindustrie einen Marktanteil von 20 Prozent.

Angesichts der verhaltenen Aussichten an den Kapitalmärkten und der damit wenig rosigen Perspektiven für das Bankgeschäft wird sich die Dresdner Bank in diesem Jahr auf Kostensenkungen konzentrieren. Dazu soll auch die geplante Kooperation mit der Deutschen Bank im Zahlungsverkehr beitragen. Zum Stand der Gespräche wollte Fahrholz am Freitag nichts sagen. In trockenen Tüchern ist das vorgesehene Gemeinschaftsunternehmen allerdings noch nicht. Jedenfalls soll das Ergebnis der Dresdner Bank in diesem Jahr besser ausfallen als 2001.

Im vergangenen Jahr verbuchte die Dresdner Bank nur einen Gewinn nach Steuern von 180 Millionen Euro, ein Rückgang von 90 Prozent gegenüber 2000. Die Dividende reduziert die Bank allerdings weniger stark, von 90 auf 70 Cent. Damit halten sich die Konsequenzen für die verbliebenen 18000 freien Aktionäre von ehemals 200000 in Grenzen.

Die verbliebenen Aktionäre billigten mit erwartet großer Mehrheit einen so genannten „Squeeze-out". Damit können die von den Minderheitsaktionären gehaltenen Dresdner-Bank-Aktien auf die Allianz AG als Hauptaktionärin übertragen werden. Da die Allianz aktuell bereits 95,14 Prozent an der Dresdner hält, gab es von vornherein keinen Zweifel am Ausgang dieser Abstimmung. Den restlichen freien Aktionären sollen 51,50 Euro je Dresdner-Bank-Anteilsschein gezahlt werden. In der Aussprache wurde die Abfindung grundsätzlich nicht in Frage gestellt, es gab lediglich Kritik an ihrer Höhe.

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