Eigentümer Nicolas Berggruen : „Ich stehe hundertprozentig zu Karstadt“

Der Karstadt-Eigentümer Nicholas Berggruen spricht von einem unerwartet großen Sanierungsbedarf und verteidigt den Ausstieg aus dem Tarifvertrag. "Es braucht Mut, Vertrauen, viel Arbeit und noch ein paar Jahre Zeit", sagte er dem Tagesspiegel.

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In Hamburg demonstrierten die Karstadt-Beschäftigten am Montag gegen den Ausstieg aus dem Tarifvertrag.
In Hamburg demonstrierten die Karstadt-Beschäftigten am Montag gegen den Ausstieg aus dem Tarifvertrag.dpa

Kurz vor dem Treffen der Geschäftsführung des Karstadt-Konzerns mit dem Eigentümer Nicolas Berggruen hat sich der amerikanische Investor zu seinem Unternehmen bekannt. „Ich stehe hundertprozentig zu Karstadt“, sagte Berggruen dem Tagesspiegel. Ein- bis zweimal im Jahr treffe er das Management. „Das ist kein Krisentreffen, das ist ein ganz normales Treffen“, wies Berggruen Vermutungen zurück, die Zusammenkunft in Essen sei kurzfristig wegen der schlechten Umsatz- und Ergebnisentwicklung anberaumt worden.
Zum Stand der Sanierung des Unternehmens sagte Berggruen, Karstadt sei „in einem Sanierungsprozess, die Rettung ist nicht vollendet, wir haben die Hälfte des Weges erst hinter uns“. Die Sanierung brauche „mehr Zeit als viele geglaubt haben“. Von den Mitarbeitern von Karstadt erbat Berggruen Vertrauen in den Sanierungskurs. „Es braucht Mut, Vertrauen, viel Arbeit und noch ein paar Jahre Zeit.“
Zu den anhaltenden Vorwürfen Karstadt wolle seinen Mitarbeitern Lohn vorenthalten und sei deshalb aus der Tarifbindung ausgestiegen, sagte der Eigentümer, das Unternehmen habe die Löhne im letzten Jahr um etwa acht Prozent angehoben. Jetzt wolle man eine Tarifpause für zwei Jahre. „Wir nehmen niemandem etwas weg“, sagte Berggruen. Alle Gehälter blieben auf dem jetzigen Niveau, aber Karstadt steige „vorerst aus der Tarifbindung aus“. Das hätten zum Beispiel C&A und Peek und Cloppenburg und andere vor Karstadt auch schon gemacht.

Mitarbeiter streiken

Bei Karstadt haben am Montag in Hamburg Beschäftigte mit einem Streik gegen den Ausstieg der Kaufhauskette aus der Tarifbindung für den Einzelhandel demonstriert. Für die Mitarbeiter entfallen deshalb bis 2015 Gehaltserhöhungen, die noch durch Tarifverträge vereinbart werden. Die Gewerkschaft Verdi wirft dem Karstadt-Management „Tarifflucht“ vor, die sich sowohl auf das Vertrauen als auch auf die Motivation der Beschäftigten negativ auswirke. Der Tarifausstieg sei ein „Affront“ gegen alle Karstadt-Mitarbeiter. Sie hätten in den vergangenen Jahren auf insgesamt 650 Millionen Euro verzichtet und würden nun wieder mit Einkommensverzicht gestraft. Eigentümer Nicolas Berggruen dagegen habe nur den symbolischen Preis von einem Euro bei der Übernahme von Karstadt investiert.

Der Konzern steckt tief in der Krise. Die 86 Warenhäuser schreiben Medienberichten zufolge rote Zahlen. Nur die 28 Karstadt-Sport-Filialen und die drei Luxus-Kaufhäuser in Berlin, Hamburg und München laufen besser. Verdi fordert vom Karstadt-Eigentümer Berggruen verstärkte Anstrengungen für die Sanierung des Warenhauskonzerns und die Tarifvereinbarungen anzuerkennen. Den Aufruf zu weiteren Verhandlungen darüber habe allerdings das Management für Hessen und Nordrhein-Westfalen bereits abgelehnt. In Hessen hatte es daher bereits Streiks gegeben, am Montag folgte Hamburg. „Der Warnstreik ist nur der Auftakt für Verdi, um Karstadt wieder in die Tarifbindung zu zwingen. „Die Beschäftigten haben ein Anrecht auf existenzsichernde Arbeitsbedingungen und dürfen den Anschluss nicht verlieren“, hieß es bei Verdi.

Umsatz geht zurück

Das „Handelsblatt“ hatte vor Tagen unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, dass die Umsätze im Geschäftsjahr 2011/12 auf 3,1 Milliarden Euro nach rund 3,2 Milliarden Euro im Vorjahr gesunken seien. Seit dem Beginn des laufenden Geschäftsjahres Anfang Oktober sei der Umsatz bis April dieses Jahres um rund zehn Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gefallen. 2010/11 war ein Fehlbetrag von 20,8 Millionen Euro angefallen. Karstadt führte dies auf Sanierungskosten zurück. Die Bilanz für das Geschäftsjahr 2010/11 hatte der Konzern erst verspätet Mitte Februar vorgelegt, Zahlen für 2011/12 wurden noch nicht veröffentlicht. Karstadt hatte 2009 Insolvenz angemeldet. Im Herbst 2010 hatte der Milliardär Berggruen den Konzern unter Beifall der Politik, der Belegschaft und der Gewerkschaft übernommen.

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