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Ein Zukunftsort - aber nur für wenige : Berlin landet beim Wohlstand auf Rang 400 von 402

Berlin wächst - auch dank der großen Start-up-Szene. Allerdings profitieren von diesem Aufschwung nur wenige. Warum die Digitalisierung die soziale Kluft in Berlin vergrößert.

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Berlin hat in den vergangenen drei Jahren stark aufgeholt.
Berlin hat in den vergangenen drei Jahren stark aufgeholt.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Jung, dynamisch, kreativ. Das ist das Bild, das Politiker so gerne von Berlin zeichnen. Die Stadt ist aber auch arm, hilfsbedürftig und kriminell. Wer den neuen Zukunftsatlas des Prognos-Instituts liest, könnte meinen: Es gibt zwei Städte namens Berlin in Deutschland. Auf der einen Seite ist da die Gründer-Hauptstadt, in der so viele neue IT-Jobs geschaffen werden wie in keiner anderen Metropole Deutschlands. Allein zwischen 2013 und 2015 sollen 11 000 neue Arbeitsplätze in der Berliner Tech-Szene entstanden sein. Eine Stadt, der die Wissenschaftler fünf Sterne für die starke Digitalisierung geben. Auf der anderen Seite ist da aber auch die Stadt, in der die Kriminalität so hoch ist, wie in kaum einer anderen Region der Bundesrepublik. Eine Stadt, in der noch immer ungewöhnlich viele Menschen auf Sozialleistungen angewiesen sind. Eine Stadt, die in puncto „Wohlstand und soziale Lage“ auf Platz 400 von 402 landet.

Das zeigt: Berlin ist im Aufschwung – doch der Aufschwung kommt bei einem Großteil der Berliner nicht an.

Dabei steht die Hauptstadt im Gesamtranking der 402 Kreise und Städte Deutschlands gar nicht so schlecht da. Um die Zukunftsfähigkeit der Regionen zu bestimmen, haben die Prognos-Forscher Kriterien wie Wirtschaftskraft, Arbeit, Wohlstand, soziale Lage und Innovation untersucht. War Berlin dabei in der Gesamtschau lange weit abgeschlagen, zählt die Stadt nun zu den Aufsteigern: Noch bei der letzten Untersuchung 2013 belegte Berlin Platz 224, jetzt ist es bereits Platz 114.

Der Aufschwung kommt nur bei wenigen an

Die Wissenschaftler loben die Stadt vor allem wegen der „überdurchschnittlichen Gründungsrate“. Günstige Mieten, ein internationales Umfeld und eine starke Kulturszene locken junge Menschen nach Berlin, wenn sie ihre eigene Tech-Firma gründen wollen. Alle 20 Stunden entsteht in der Stadt wieder ein neues Start-up.

Ostdeutschland hat der Studie zufolge die geringsten Zukunftschancen.
Ostdeutschland hat der Studie zufolge die geringsten Zukunftschancen.Foto: AFP

Das Problem ist jedoch: Von diesem Aufschwung profitieren nur wenige. Oft werden die Jobs bei Start-ups und Tech-Firmen an Nachwuchskräfte vergeben, die dafür extra nach Berlin ziehen. Diejenigen, die bereits seit Jahrzehnten hier wohnen, werden dagegen immer mehr abgehängt. So kommt es, dass die Digitalisierung zwar hilft, um die Berliner Wirtschaft wachsen zu lassen. Gleichzeitig verstärkt sie aber auch die soziale Kluft in der Stadt.

Beim Wohlstand landet Berlin auf Platz 400 von 402

Die Prognos-Studie zeigt: In kaum einer anderen Stadt in Deutschland leben Arm und Reich so nah beieinander wie in Berlin. Berlins vorvorletzter Platz in der Kategorie „Wohlstand und soziale Lage“ zeigt eine bedenkliche Entwicklung. Nur in zwei Städten ist die soziale Ungleichheit noch größer als in Berlin – in Bremen und Bremerhaven. Fest machen die Wissenschaftler das an der Zahl der Sozialhilfeempfänger, der Kriminalitätsrate, der Kaufkraft und der Pro-Kopf-Verschuldung.

Denn während die Digitalisierung neue Jobs schafft, sind immer noch 15,1 Prozent aller Berliner auf Sozialleistungen angewiesen. Unter den deutschen Städten und Kreisen gibt es nur drei Regionen, in denen noch mehr Menschen finanzielle Unterstützung brauchen: Bremerhaven, Offenbach am Main und Gelsenkirchen. Bei dem Ausmaß der Kriminalität sieht es nicht besser aus. Auch dabei landet Berlin auf Platz 400 von 402. Dazu kommt noch die Verschuldung, die weiterhin enorm ist: Je Einwohner ist Berlin mit 8930 Euro verschuldet – der Bundesschnitt liegt bei 1700 Euro.

Peter Kaiser von Prognos spricht deshalb auch von einem Teufelskreis. Denn um mehr Menschen am wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt teilhaben zu lassen, bräuchte man mehr Bildung. Doch die kostet. „Gerade ein hoch verschuldeter Stadtstaat kann sich das nicht leisten“, sagt Kaiser. Auch deshalb dürfte Berlin noch viele Jahre nicht mithalten können mit den Spitzenreitern der Studie: München, Frankfurt am Main und Hamburg.

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