Wirtschaft : Eis und Industrie

Berlin Partner hat 105 Ansiedlungsprojekte begleitet

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Berlin - Berlin oder Brandenburg? Das war die Frage für Olaf Höhn, den Chef von Florida Eis, einem Spandauer Unternehmen, das bundesweit Speiseeis vertreibt. In diesem Sommer hat er beschlossen, eine neue Produktionshalle zu bauen. Zwei Millionen Euro wollte er investieren. Doch das Grundstück, das er im Auge hatte, lag in einem Wasserschutzgebiet. Um Genehmigungen und Anschlüsse zu bekommen, musste der Unternehmer etliche Male bei den Berliner Behörden vorsprechen, während die Brandenburger um ihn warben. Bei seinem Vorhaben unterstützt wurde Höhn von einer Mitarbeiterin der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner. Sie besorgte ihm Telefonnummern und Termine und berief mehrere runde Tische ein, auch mit der Technischen Universität Berlin, mit der der Eisproduzent kooperieren will. „Ohne diese Unterstützung hätte ich das Grundstück nicht gekauft“, sagte Höhn.

Florida Eis ist eines von 105 Projekten, die Berlin Partner in diesem Jahr begleitet hat. „Das ist ein gutes Ergebnis“, sagte Geschäftsführer René Gurka bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2010. Bei zwei Dritteln der Projekte handele es sich um Unternehmen, die sich ganz neu in Berlin ansiedelten. In den anderen Fällen habe man hiesige Firmen dabei unterstützt, sich zu vergrößern. Die von Berlin Partner begleiteten Unternehmen haben angekündigt, insgesamt 247 Millionen Euro zu investieren und 4540 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Krisenjahr 2009, als nur 77 Unternehmen nach Berlin kamen. Der Großteil der neuen Projekte kommt wie schon im vergangenen Jahr aus dem Bereich der Kreativwirtschaft. Weil hier besonders kleine Firmen unterwegs sind, ist die Investitionssumme mit knapp 35 Millionen Euro gering. Mehr Geld bringen die Projekte aus dem Bereich Industrie, Mobilität und grüne Technologien. 24 Unternehmen wollen zusammen mehr als 100 Millionen Euro investieren.

Stark ist traditionell auch der Dienstleistungssektor. Eines der bekannten Projekte ist die Ansiedlung der Mercedes-Benz-Bank am Alexanderplatz. „Das war eines der am stärksten umkämpften Projekte“, sagt Gurka. Die Wirtschaftsförderer hätten den Stuttgartern dabei geholfen, ein zentrales und günstiges Bürogebäude zu finden. Die Mercedes-Bank schaffe 450 neue Arbeitsplätze. Gleichzeitig fallen aber durch den Umzug der Financial Services vom Potsdamer Platz nach Stuttgart 200 Jobs in Berlin weg.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) lobte die Arbeit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die zur Hälfte durch das Land und zur Hälfte von privaten Partnern finanziert wird. Er erwarte ein Wirtschaftwachstum von 2,2 Prozent in diesem Jahr. Damit sei die Berliner Wirtschaft seit 2004 um elf Prozent gewachsen. Bundesweit seien es im selben Zeitraum nur acht Prozent gewesen.Miriam Schröder

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