Wirtschaft : Elektrisch in der Nische

Studie: Hohe Kosten bremsen Durchbruch zum Massenmarkt / Keine Vorteile für die ersten Anbieter

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Berlin - Autohersteller, die schon heute Elektroautos im Programm haben und diese mit Kampfpreisen auf den Markt bringen, haben langfristig keinen Startvorteil. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der Deutsche-Bank- Tochter DB Research und des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. „Aufgrund des evolutionären Charakters der E-Mobilität schätzen wir die bisherigen First-Mover-Vorteile von Unternehmen als gering ein“, heißt es in der Studie. Nicht unbedingt die schnellsten (First Mover), sondern die besten Angebote am Markt würden den Unternehmen langfristig die günstigsten wirtschaftlichen Perspektiven bieten.

Die deutschen Autohersteller haben bislang noch keine serienmäßigen Elektrofahrzeuge im Programm. Opel zeigt auf der in den kommenden  Tagen stattfindenden IAA zwar den Opel Ampera – er ist aber kein rein elektrisches Auto, sondern hat einen Reichweitenverlängerer an Bord, verbraucht also immer noch Benzin. Daimler folgt im Frühjahr 2012 mit dem Smart Electric Drive, der dann erstmals auch an Privatkunden verkauft werden soll. Dem Vernehmen nach soll der kleine Zweisitzer 23 000 Euro kosten. 2013 wollen Volkswagen und BMW ihre elektrischen Serienfahrzeuge auf den Markt bringen.

„Angesichts der Unsicherheiten zur Marktentwicklung kann es klare Second- Mover-Vorteile geben“, heißt es in der Studie von DB Research und IW. Die größte Hürde für den Durchbruch der Elektromobilität seien die Kosten und der Entwicklungsstand der Batterie. Sie führten dazu, „dass die E-Mobilität derzeit und auch in den kommenden Jahren nur ein Nischenmarkt ist“. Niedrigere Kosten seien „die mit Abstand wichtigste Bedingung“, um das Potenzial von Elektroautos zu heben. Alle anderen Herausforderungen – etwa die geringe Reichweite, die Ladeinfrastruktur oder die Stromquelle – seien gemessen an der Kostenfrage zweitrangig. Staatliche Förderung könne die batteriebetriebenen Fahrzeuge zwar schneller aus der Nische holen, schreiben die Autoren der Studie. „Eine solche Förderpolitik kann aber für die Regierungen sehr teuer werden.“ Wichtiger sei, dass die Industrie ihre F&E-Aktivitäten hochfahre – mit einem großen Risiko: die Investitionen zahlen sich nicht aus, weil kurzfristig kein Markt existiert. Henrik Mortsiefer

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